Arbeiten im Hotel (2) – Kolay Gelsin – die Freude am Arbeiten

“Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten “ Aristoteles

 

Im Auftakt meiner Artikelserie über meine Zeit in einem kleinen türkischen Hotel habe ich meine persönlichen Highlights in dieser Zeit beschrieben. Heute geht es um die Grundhaltung, die ich versucht habe in meine tägliche Arbeit zu integrieren.

 

Meine liebe Arbeitskollegin D. hat mir gleich zu Beginn einen türkischen Wunsch erklärt. Kolay Gelsin – wörtlich übersetzt “Möge es leicht kommen”. Im Alltag ist dies etwa mit “Frohes Schaffen” gleichzusetzen. Mich hat dieser Spruch jedoch angeregt die Arbeit leicht kommen zu lassen. Neben Freude an der Arbeit bedeutet dies für mich auch, in einen gewissen Arbeitsfluss zu kommen, wo eine Tätigkeit nahtlos und logisch in die nächste übergeht.

 

Und es gab sie, die vielen schönen Momente, nicht nur auf den Aktivitäten, die ich begleiten durfte, sondern auch im Hotel an der Rezeption, wo einfach eine gute Stimmung da war. Und sogar bei nicht so tollen Tätigkeiten – wie z.B. dem Erstellen der Transfer- oder Putzlisten, kam ich oft durchaus in einen gewissen Fluss. Wollte ich doch auch, dass alle Gäste zum richtigen Zeitpunkt abgeholt wurden und ihre Zimmer rechtzeitig fertig waren. Der Gedanke an das Ergebnis kann also auch für durchaus freudige Momente sorgen.

Die Fähigkeit in der Arbeit – und hier vor allem im Dienstleistungsbereich, und im Tourismus schon überhaupt – Freude zu entwickeln, ist – so glaube ich – eine “Klappe”, die einige Fliegen gleichzeitig schlägt. Erstens geht es einem natürlich selber besser und dadurch wirkt man zweitens den Gästen gegenüber glaubwürdiger. Wenn ich zur Arbeit gehe und mich wirklich gerne um meine Gäste kümmere, wird das Ergebnis auch besser sein. Und das macht drittens die Gäste dann zufriedener und darum geht es ja im Endeffekt. Der Kreis schließt sich dann damit, dass zufriedene Gäste positive Rückmeldungen geben, und nicht nur die Angestellten glücklich sind, sondern auch das Management, weil Stammgäste gutes Geld mit wenig Marketingaufwand bringen.

Oft ist mir dies gut gelungen, und die Rückmeldungen der Gäste und der KollegInnen haben mich darin bestätigt. Leider gab es im Hotel neben all der guten Stimmung , nicht nur meiner Wahrnehmung nach,  auch eine Kultur des Meckern und Jammerns, geprägt von geringer Wertschätzung und zahlreichen Konflikten. Dieses vor den Gästen abzuschirmen, kann ein enormer Mehraufwand sein, und das hat mich auch dazu gebracht vorzeitig zu gehen (doch dazu in einem späteren Artikel mehr).

Den Gedanken bei der Arbeit diesem Fluss und dieser Freude ein stärkeres Augenmerk zu widmen, nehme ich jedenfalls mit. Und für mich verbindet sich diese Idee auch mit einer Aussage aus der Bhagavagita, in der es sinngemäß heißt, dass man die Arbeit verrichten soll, sich aber nicht an deren Früchten binden soll. Dies könnte man ja so interpretieren, dass die Aktivität an sich den Wert darstellt und mit entsprechender Hingabe getan werden soll. Aber darüber werde ich dann in Ruhe auf der nächsten Station meiner Reise nachdenken – wenn ich nach Spanien fahre und mich dort dann wieder ein bisschen in meine Studien vertiefen will.

Im nächsten Teil dieser Artikelserie geht es dann weiter mit Überlegungen zum Thema Hotel und Familie. Bald.

Teil 3: Das Hotel und die türkische Familie

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