Hampi – ein persönlicher Bericht

Sonnenaufgang am Hanumantempel
I asked the universe to fall in love and… I fell in love with Hampi (Cheryl, UK)

Als ich Anfang Februar zum zweiten Mal auf dieser Reise in Hampi ankomme, ist es wie ein Aufatmen. Ich war davor ein knappes Monat in Rajasthan unterwegs, wo ich soviel gesehen habe, dass mir der Kopf nur noch schwirrte. Danach war ich in Goa, wollte am Strand die Seele baumeln lassen, wurde aber leider krank und verbrachte die meiste Zeit schnupfend und rotzend. Eine enge Hütte mit einem kleinen Bett zu zweit ist da auch nicht die beste Grundlage.

Und so mache ich mich wieder auf den Weg nach Hampi. Die ersten Tage erhole ich mich und danach fange ich langsam an, Sehenswürdigkeiten zu erkunden, die ich bei meinem ersten Besuch verpasst habe.  Ein zweites Mal fasziniert mich die Landschaft. Und in den kommenden drei Wochen werde ich fast täglich auf zumindestens kleine Erkundungstouren gehen und immer wieder die Landschaft mit Freude  betrachten. Felsformationen, als ob Gott mit Gesteinsblöcken gespielt hätte, um zu schauen, welche Konstruktionen möglich sind. Eine wüstenartige Landschaft umgibt die Gesteinsformationen. Kakteen, Sträucher und Streifenhörnchen tummeln sich hier. Der Kontrast sind die vielen Reisfelder und Palmen, die an allen flacheren und steinlosen Plätzen zu sehen sind. Der Kontrast dieser Landschaft zwischen Wüste und fruchtbarem Land vertieft sich auch noch bei genauerem Hinschauen. Mitten in Reisfeldern ist plötzlich ein Steinbrocken zu sehen, und aus dem Stein sprießt dann wieder Gras hervor.
P1040469X (Large)

Die einzigartige Landschaft von Hampi

 

Neben dieser weiter wachsenden Begeisterung für die Schönheit des Ortes fange ich auch bald an zu recherchieren. Ich habe einen Artikel über Hampi für einen deutschen Newsletter angeboten und beginne, mich mit dem aktuellen Stand vertraut zu machen. Ich spreche mit den zwei Archäologen die seit über 30 Jahren Hampi erforschen, und lerne auch einen lokalen Aktivisten kennen. Sie und alle anderen Ansässigen, mit denen ich spreche, sind der Meinung, das neue Leben, das sich in den Ruinen vor allem aufgrund des Tourismus entwickelt hat, solle nicht einfach dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Menschen, die sich hier Häuser und eine Existenz aufgebaut haben, hätten ein Anrecht hier zu bleiben.
P1040463X (Large)

Aufregung am Basar von Hampi, die Leute wollen ihre Häuser nicht verlassen

 

Ich treffe auch viele andere Reisende. Hampi ist ein Rückzugsort für Sinnsuchende und Langzeitreisende. Ich lerne spannende und unkonventionelle Lebensentwürfe kennen und treffe Leute ohne fertiges Lebenskonzept und/oder mit großen Fragen an das Leben. Vielen von ihnen gebe ich einen Satz von Rilke mit, der auch mir in den letzten Jahren wertvolle Dienste erwiesen hat:
Man muß Geduld haben
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.
Viele tiefgehenden Gespräche werden geführt – vielleicht auch, weil wir wissen, dass unsere Wege sich nicht wieder kreuzen werden.
Nach 10 Tagen ist mein Artikel fertig, und ich erfahre von einem kleinen, sehr einfachen Guesthouse im Nachbardorf. Ich verbringe dort eine Nacht (und einen grandiosen Sonnenaufgang am daneben liegenden “Hausberg”, dem Hanumantempel) und bin so bezaubert, dass ich beschließe, mein schon gekauftes Zugticket zur Weiterreise sausen zu lassen und noch einige Tage zu bleiben. Über eine Woche bleibe ich und genieße meine Zeit über alles. Die Faszination für die Landschaft lässt mich nicht los, und die Einbettung des Guesthouse in ein kleines Dorf hat einen ganz neuen Charme.
Die Unterkunft ist die billigste, die ich auf meiner ganzen Reise hatte, und doch fehlt es mir an nichts. Die ersten Tage verbringe ich in einer Lehmhütte und fühle mich angenehm und sicher – wie in einer dunklen Höhle mit überraschend angenehmen Temperaturen. Die zweite Hälfte bekomme ich dann das in den Fels gebaute Zimmer, welches auch in der Nacht angenehm kühl ist. Das weiß ich vor allem zu schätzen, da mittlerweile Mitte Februar ist und es von Tag zu Tag heißer wird. Der Tagesablauf richtet sich immer mehr nach der Hitze und vor allem der Morgen und der frühe Abend werden für Erkundungstouren genutzt, während wir die heißen Stunden in der Hängematte verschaukeln.

P1040681 (Large)

Nach insgesamt drei Wochen verlasse ich Hampi wieder und bin richtig froh, dass ich eine Freundin weiter im Süden treffe – ich weiß nicht, ob ich da sonst weggekommen wäre. Mardan, der Guesthouse-Besitzer, bringt mich auf seinem Motorrad zur Fähre, und während ich ein letztes Mal durch die Landschaft brumme, werde ich sehr wehmütig. Dieser Ort hat wirklich etwas Besonderes, und der Virus hat schon viele Leute erfasst. Auch mich – und zum ersten Mal seit ganz vielen Orten, wo ich war, weiß ich, dass ich wiederkommen will.

Comments

  1. Mittlerweile habe ich es auch geschafft, aus Hanumanhalli zu “entfliehen”. Ich habe schwer mit dem Gedanken gekämpft, meine restlichen vier Wochen meines Indienaufenthaltes hier zu verbringen. Letztendlich habe ich das Schicksal entscheiden lassen.
    Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit.

  2. Armin from Germany says:

    hallos sylvia,
    sehr schön dein artikel zu hampi- hoffe, du hattest eine angenehme heimreise.habe die fahrt von gokarn nach margao sehr genossen. lass von dir hoeren.

Speak Your Mind

*