Langsam Reisen (2): How to – Tips zum Ausprobieren

Straßencafes – eine grandiose Erfindung

 

Langsam Reisen hat viele Vorteile wie ich in diesem Post geschrieben habe. Es macht mehr Spaß und entspannt auch besser. Heute geht es weiter mit konkreten Hinweisen und Tipps.

Das Gute daran ist: jede einzelne Aktivität kann auch für sich stehen. Selbst wenn wir, aus welchen Gründen auch immer, im Eilschritt unterwegs sind, ist es einfach schön, zwischendurch zumindestens kleine Schritte zur Verlangsamung zu unternehmen. Probier es aus!

Und: Wer gerade nicht auf Reisen ist, mag die eine oder andere Anregung auch zu Hause ausprobieren. Auch um die Ecke gibt es genug zu erleben!

Bleibe länger an einem Ort

Ein paar Tage länger bleiben, und einige der untenstehenden Tipps auszuprobieren. Vielleicht eine zweite Unterkunft ausprobieren, erweitert auch den Blickwinkel.

Geh zu Fuß

Einfach zu Fuß losziehen, immer am Strand entlang oder das Viertel rund um die eigene Unterkunft erkunden. Irgendetwas gibt es immer zu entdecken. Ich gehe auch gerne zu Fuß in Richtung Sehenswürdigkeiten – schaue mir die Route grob am Stadtplan an, und dann einfach losgehen.

Borge Dir ein Fahrrad aus

Gerade im ländlichen Raum das ideale Verkehrsmittel zum gemächlichen Erkunden aber mit einem größeren Radius als zu Fuß.

Mach mal Pause in heißen Ländern vor allem über Mittag

Einfach mal ein halbes Stündchen hinsetzen und die Attraktionen wirken lassen – oft genug gibt es sogar Bänke. Straßencafes – meine Leidenschaft. Sitzen und dem Leben beim Vorbeiziehen zuschauen. Oder mal Ruhe tanken im Hotelzimmer bzw. am Balkon. Wir brauchen auch Zeit, um all das Gesehene zu “verdauen”.

Über Märkte schlendern – immer wieder ein Erlebnis

 

Besuche einen Markt und koche zur Abwechslung

Die lokalen Produkte begutachten, frisches Obst und Gemüse kaufen und dann noch eine Runde kochen. Geht natürlich nicht überall, aber in vielen Hostels gibt es ja kleine Küchen für die Gäste.

Suche Details

Auf der Straße, am Strand, in Tempeln oder im Kaffeehaus. Den Blicke schweifen zu lassen und öfters mal genauer hinschauen, ist nicht nur eine Übung in Achtsamkeit sondern führt auch zu ganz neuen Einsichten

Bewußtes Fotografieren

Und das führt mich gleich zum Nächsten. Beim Fotografieren nicht nur schnell klicken und weiterziehen, sondern neue Blickwinkel, Lichtverhältnisse und Details (siehe oben) suchen und finden. Das Ergebnis sind nicht nur bessere Fotos, sondern auch ein neuer Blick auf vielbesuchte und fotografierte Attraktionen oder auf den Alltag.

Besuche Kurse, Aktivitäten

Ich bin ja ein Fan von Koch- und Yogakursen, aber der Fantasie sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt. Kino, Theater, kurze Sprachkurse oder Straßenfeste – ein Blick in lokale Zeitungen eröffnet oft ein ganz neues Spektrum an Möglichkeiten – und ermöglicht Erfahrungen, die nicht im Reiseführer stehen.

Geh an die “Ränder” einer Destination

Das habe ich besonders in Indien spannend gefunden. Gerade an Strandorten oder kleineren touristischen Gemeinden eröffnen sich dort ganz neue Welten.

Fahre mit Bus und Bahn – auch mal untertags

Es ist ja sehr beliebt mit dem Nachtzug oder -bus zum nächsten Ort zu fahren. Natürlich sind die Vorteile unbestreitbar (Ersparnis einer Übernachtung und Ankunft am Morgen, wenn noch genug freie Betten vor Ort sind), ich bevorzuge trotzdem die Reise untertags. Das Brausen durch die Landschaft, das bunte Treiben bei den Zwischenstops gehört für mich immer zu den Höhepunkten einer Reise. Besonders empfehlenswert bei Fahrten bis zu sechs Stunden.

… un was sind deine Tips?

 

 

Arbeiten im Hotel (2) – Kolay Gelsin – die Freude am Arbeiten

“Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten “ Aristoteles

 

Im Auftakt meiner Artikelserie über meine Zeit in einem kleinen türkischen Hotel habe ich meine persönlichen Highlights in dieser Zeit beschrieben. Heute geht es um die Grundhaltung, die ich versucht habe in meine tägliche Arbeit zu integrieren.

 

Meine liebe Arbeitskollegin D. hat mir gleich zu Beginn einen türkischen Wunsch erklärt. Kolay Gelsin – wörtlich übersetzt “Möge es leicht kommen”. Im Alltag ist dies etwa mit “Frohes Schaffen” gleichzusetzen. Mich hat dieser Spruch jedoch angeregt die Arbeit leicht kommen zu lassen. Neben Freude an der Arbeit bedeutet dies für mich auch, in einen gewissen Arbeitsfluss zu kommen, wo eine Tätigkeit nahtlos und logisch in die nächste übergeht.

 

Und es gab sie, die vielen schönen Momente, nicht nur auf den Aktivitäten, die ich begleiten durfte, sondern auch im Hotel an der Rezeption, wo einfach eine gute Stimmung da war. Und sogar bei nicht so tollen Tätigkeiten – wie z.B. dem Erstellen der Transfer- oder Putzlisten, kam ich oft durchaus in einen gewissen Fluss. Wollte ich doch auch, dass alle Gäste zum richtigen Zeitpunkt abgeholt wurden und ihre Zimmer rechtzeitig fertig waren. Der Gedanke an das Ergebnis kann also auch für durchaus freudige Momente sorgen.

Die Fähigkeit in der Arbeit – und hier vor allem im Dienstleistungsbereich, und im Tourismus schon überhaupt – Freude zu entwickeln, ist – so glaube ich – eine “Klappe”, die einige Fliegen gleichzeitig schlägt. Erstens geht es einem natürlich selber besser und dadurch wirkt man zweitens den Gästen gegenüber glaubwürdiger. Wenn ich zur Arbeit gehe und mich wirklich gerne um meine Gäste kümmere, wird das Ergebnis auch besser sein. Und das macht drittens die Gäste dann zufriedener und darum geht es ja im Endeffekt. Der Kreis schließt sich dann damit, dass zufriedene Gäste positive Rückmeldungen geben, und nicht nur die Angestellten glücklich sind, sondern auch das Management, weil Stammgäste gutes Geld mit wenig Marketingaufwand bringen.

Oft ist mir dies gut gelungen, und die Rückmeldungen der Gäste und der KollegInnen haben mich darin bestätigt. Leider gab es im Hotel neben all der guten Stimmung , nicht nur meiner Wahrnehmung nach,  auch eine Kultur des Meckern und Jammerns, geprägt von geringer Wertschätzung und zahlreichen Konflikten. Dieses vor den Gästen abzuschirmen, kann ein enormer Mehraufwand sein, und das hat mich auch dazu gebracht vorzeitig zu gehen (doch dazu in einem späteren Artikel mehr).

Den Gedanken bei der Arbeit diesem Fluss und dieser Freude ein stärkeres Augenmerk zu widmen, nehme ich jedenfalls mit. Und für mich verbindet sich diese Idee auch mit einer Aussage aus der Bhagavagita, in der es sinngemäß heißt, dass man die Arbeit verrichten soll, sich aber nicht an deren Früchten binden soll. Dies könnte man ja so interpretieren, dass die Aktivität an sich den Wert darstellt und mit entsprechender Hingabe getan werden soll. Aber darüber werde ich dann in Ruhe auf der nächsten Station meiner Reise nachdenken – wenn ich nach Spanien fahre und mich dort dann wieder ein bisschen in meine Studien vertiefen will.

Im nächsten Teil dieser Artikelserie geht es dann weiter mit Überlegungen zum Thema Hotel und Familie. Bald.

Teil 3: Das Hotel und die türkische Familie

Fünf Monate Indien – ein kleines persönliches Resumé

Mondaufgang in Kanyakumari am Südzipfel von Indien

 

Indien ist wie eine Wundertüte. Eine – nein unendlich viele – neue Welten eröffnen sich. Jede Stadt ist anders, wo man hinkommt immer wieder eine neue faszinierende Landschaften, und überall so freundliche Menschen – zumindestens fast überall. Inder und noch viel mehr Reisende. Ich kann sie gar nicht aufzählen, die vielen nächtlichen und teilweise auch tiefsinnigen Gespräche.

Dieses Land zieht andere Reisende an als Südostasien, es wird weniger getrunken und viele Leute, die länger bleiben, suchen weitaus mehr als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Durch diese vielen Gespräche habe ich nicht nur viel über das Land sondern auch eine Menge an unterschiedlichen Lebensentwürfen bzw. deren Suche kennengelernt. Manchmal hatte ich jedoch auch das Gefühl, dass dieses Land nur eine Projektionsfläche ist, eine Spielwiese auf der Reisende sich selbst ausprobieren – und ich war da wohl keine Ausnahme.

Diese Begegnungen, das Herumreisen mit Bus und Bahn – ein eindrückliches, enges, freundliches und farbenfrohes Erlebnis, die Vielzahl an Gerüchen, Lärm, Farben, Schmutz und Staub – ein Angriff auf alle Sinne (ich weiß es ist ein Klischee aber es stimmt wirklich), dazu unglaubliche und berührende Naturerlebnisse in Hampi (natürlich!) aber genauso in den Bergen der westlichen Gats, oder der Wüste in Rajasthan oder am Meer in Kerala.All dies und noch viel mehr haben diese fünf Monate zu einem genialen Erlebnis werden lassen.

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Hochzeit in Bikaner (Rajasthan)

 

Der Einstieg war sanft – Entspannung am Strand, statt eine Metropole zum Anfangen, wie so viele andere Reise, die dann Wochen unter dem Kulturschock leiden; und die Idee ist voll aufgegangen. Ich wollte das Land mögen und tat es von der ersten Sekunde an, mit all seinen Widersprüchen. Trotzdem gibt es immer wieder die Momente wo man sich einfach nur an den Kopf greift – bei Dreck und Umweltverschmutzung, unglaublich verstaubten Bürokraten, vorsintflutliche Einstellungen zu Geschlechterfragen, Armut, Krankheit und vieles mehr. Und dann wieder die Vielfalt und Farbenpracht, die vollen und dreckigen Straßen, die Unzahl an Händlern und Kleingewerbetreibenden, die Enge …… aber auch eine faszinierende Natur in allen Varianten und Schattierungen, Tempel in allen Farben und Formen und und und und und… Ich stelle mir Indien nicht als Land sondern als Kontinent vor, das vermag diese Vielfalt noch ein wenig zu erklären. Und jeder Bundesstaat mit seiner eigenen Kultur, Sprache, Göttern und Landschaften ist wie ein Land. Und doch gibt es eine gemeinsame kulturelle Basis – wie in Europa. Indien war für mich wie eine Wundertüte – ein Angriff auf alle Sinne, manchmal positiv manchmal negativ.

Der indische Alltag (natürlich mit dem Luxus einer westlichen Touristin) ist für mich in diesen fünf Monaten normal geworden und der Kulturschock beim Zurückkommen erscheint mir fast größer als fünf Monate zuvor, als ich bleichgesichtig und sehr aufgeregt  einreiste. Ich genieße nun den Luxus von warmen Wasser, Trinkwasser aus der Wasserleitung, geheizten Wohnungen und Breitband Internet. Und doch kommt mir alles ein bisschen blutleer und klinisch vor. Warum ist alles so perfekt und sauber doch gleichzeitig so grau und leer. Das bunte Leben nur mehr auf meinem Computer, auf dessen Festplatte sich fast 35 GB an Fotos sammeln.

Bezüglich Yoga habe ich mir schon vor meiner Reise Gedanken gemacht. Nach einigen Stunden an Internet Recherchen war mir klar, dass das Angebot zu unübersichtlich ist, um ohne konkrete Tips etwas Vernünftiges zu finden. Was ich aber gefunden habe, ist ein erneuter und tieferer Zugang zu Natur. In manchen Orten (insbesondere Hampi und Kodaikanal in den westlichen Gats) habe ich eine ganz tiefe Verbundenheit mit der Natur gespürt. Ich bin förmlich in ihr aufgegangen, bewunderte die Fülle und die unglaublichen Details. Und nicht zu vergessen die Nächte Sonnenauf- und Untergänge, Vollmonde in unglaublichsten Farben oder einfach nur tiefe finstere Nacht, in einer bisher unbekannten Intensität. Das habe ich auch mit nach Hause genommen – bei meinen Spaziergängen hier, merke ich dass ich die Natur um mich herum anders aufnehme, und sowohl achtsamer als auch freudiger das Wetter, das Grün und den aufkommenden Frühling geniessen kann.

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Einsamer Strand in Kerala

 

Spirituell gesehen waren die fünf Monate eine Übung in Vertrauen. Wer in Indien ohne Vertrauen reist, kann – so glaube ich – nicht glücklich werden. Vertrauen, im richtigen Bus zu sitzen, obwohl man keine Ahnung hat, wo er hin geht; Vertrauen darauf die Unterscheidungskraft (im Yoga Viveka) zu haben auf welche Personen ich mich einlassen kann und auf welche nicht, aber auch längerfristig gesehen zu lernen, dass ich mir diese tolle Gelegenheit so lange zu reisen nicht mit Gedanken über meine Zukunft belaste, sondern darauf vertraue, dass sich alles irgendwie ergeben wird (was es dann im Endeffekt auch getan hat, aber dazu mehr ein anderes Mal)

Ich bin ohne große Erwartungen aufgebrochen und wollte einfach meine Chance nutzen, so eine lange Reise machen zu können. Und Indien kam mir gerade recht. Ich war noch nie dort, und als begeisterte Yogini in das Geburtsland des Yoga zu fahren, schien mir auch irgendwie angebracht. Diese fünf Monate waren einfach eine geile Zeit. Ich habe soviel gesehen und erlebt, wie seit Jahren nicht mehr. Und ich glaube, ich bin wieder ein kleines Stückchen gewachsen. Und letzteres werde ich auch in Zukunft gut gebrauchen können… doch dazu ein anderes Mal mehr.

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Morgenstimmung in Madurai (Tamil Nadu)

 

Zum Abschluss hier die Reise einmal im Zeitraffer:

Die ersten Wochen waren dem Ankommen gewidmet. Zuerst in Agonda (Goa) am Strand abhängen und dann in Hampi, dieser wunderbaren Landschaft, die mein Herz berührt hat. Später Herumreisen – Tempel und Moscheen in Badami und Bijapur, modernes urbanes Feeling in Bangalore. In Kerala besichtige ich die koloniale Stadt Cochi und dann gehts in die Berge. Kumily und Munnar – ausgedehnte Hügellandschaften mit Tee- und Kaffeeplantagen, klare Luft und kühleres Klima. So schön ich das Meer finde, in den Bergen geht mir das Herz auf. Weihnachten und Neujahr verbringe ich dann nahezu alleine in einem Miniguesthouse direkt am Meer. Ich genieße die Einsamkeit, und lese viel. Nach einer kurzen Resozialisierungsphase in einem gut besuchten Guesthouse nur wenige Kilometer weiter, steige ich in den Flieger nach Rajasthan, wo ich mit einer Freundin im Sauseschritt durchreise. Acht Orte in knapp vier Wochen geben uns zwar einen guten Eindruck von diesem Bundesstaat – am Ende fühle ich mich jedoch überwältigt von der Vielzahl an Eindrücken, und werde kurz nach meiner darauffolgenden Ankunft in Goa prompt krank. Ein zweiter Aufenthalt in Hampi hat nicht nur einen Artikel zum Ergebnis sondern ich finde auch wieder meine Ruhe, während ich dort in die Landschaft eintauche. Das letzte Monat verbringe ich dann wieder im Süden, eine Woche am Meer, die wunderbaren Sonnenauf- und Untergänge an der südlichsten Spitze Indiens und drei Wochen in den Bergen auf 1700 Meter Seehöhe, wo ich dann gar nicht mehr weg will, weil ich dieses einfache Leben auf der Höhe mit Aussicht und einer netten Community so schätzen gelernt habe.

 

Und zum Abschluss noch ein Hinweis auf meinen Artikel zum Thema als Frau alleine in Indien Reisen.

 

Und hier die Route auf google maps:

 


India 2011 -2012 auf einer größeren Karte anzeigen

Kerala – God’s own Country oder die indische Schweiz

Ist das hier noch Indien, frage ich mich manchmal. Die Straßen sauber, fast keine Kühe oder streunende Hunde von Schweinen ganz zu schweigen. Die Landschaft grün, richtig tropisch, nur vereinzelte Wellbllechhütten und meistens hübsche Häuser – viele mit Veranden und bunt angemalt. Und auf den Straßen überall Frauen.

In den Backwaters von Kerala

Ja, Kerala ist anders. “God’s own country” wird es durch die Tourismusindustrie vermarktet. Die “indische Schweiz”, schießt es mir bei einer Busfährt duch grüne Hügellandschaften an bunten Häusern vorbei, durch den Kopf. Gemeinsam haben beide jedenfalls die Sauberkeit, die schöne Landschaft und den Reichtum.

Viele soziale Indikatoren, wie Geburtenrate, Gesundheitsversorgung, Alphabetisierungsrate usw entsprechen den Werten von Industrieländern – und auch wenn die ökonomische Entwicklung nur bedingt mithalten kann, ist es doch offensichtlich, dass Kerala reicher als andere Bundesstaaaten ist. Alle Leute, mit denen ich hier spreche, geben das gute Ausbildungssystem als Hauptursache an. Bildung hatte hier in vorlkolonialen Zeiten einen hohen Stellenwert – auch für niedrigere Kasten und für Frauen. 1859 wurde die erste Schule für Mädchen in Indien gegründet.

Schulschluss in Munnar

Die gute Ausbildungsrate und die über Jahrhunderte gewachsene Verbindung mit den arabischen Raum führen auch dazu, dass viele Keralaner dorthin auswandern, wo es bessere berufliche Möglichkeiten und mehr Geld zu verdienen gibt. Es ist wie so oft bei derartigen Migrationsbewegungen – einerseits ein Brain- Drain (also Hirnschmalz, in das das Land investiert hat, welchen anderen Ländern zugute kommt), andererseits zeugen viele große private Häuser dass viel Geld aus dem arabischen Raum nach Kerala “zurückkehrt”. Die Gelder der Migranten aus Kerala in anderen Ländern, stellen ein Fünftel des Sozialprodukts dar und sind somit der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Kerala ist auch von der Natur gesegnet, man kann es nicht anders sagen. Das tropische Klima und die vielen Regionen auf mittlerer Höhe erlauben den Anbau von Tee, Kaffee, Kardamon, Vanille, Pfeffer und vielen anderen Gewürzen. Hier ist Vasco da Gama angekommen, als er endlich den Seeweg nach Indien gefunden hatte und es war nicht die pure Abenteuerlust, die ihn angetrieben hat, sondern handfeste ökonomische Interessen – der Handel mit den wertvollen Gewürzen war ein wichtiger Faktor.

Teeplantage in Kumily

 

Vor Vasco da Gama haben aber schon viele andere ihren Weg über das Meer an die süd-östliche Küste des Kontinents gefunden. Es gibt Hinweise auf eine jüdische Gemeinde vor Christi Geburt, und auch der hl. Thomas soll in Kerala gewesen sein und somit den Grundstein für frühe christliche Gemeinschaften gelegt haben. Die Region steht also schon seit vielen Jahrhunderten in Austausch mit verschiedensten Kulturen, was sicher kein Nachteil für die Entwicklung ist. Und so ist der Anteil der muslimischen und christlichen Bevölkerung weitaus höher als in anderen Bundesstaaten.

Indische Touristen in Munnar - Fotografieren und fotografiert werden ist sehr wichtig

Kerala ist auch eine wichtige Tourismusdestination. Obwohl es einer der kleineren Bundesstaaten ist, steht es bei den Statistiken ganz oben auf der Liste. Neben den vorhandenen natürlichen natürlichen Ressourcen liegt dieser Erfolg wohl auch die massive Vermarktung ab den 1980er Jahren als “God’s own country”. Zahlreiche Ökotourismusinitiativen versuchen eine positive Entwicklung von Umwelt und Gesellschaft zu fördern und haben auch einige internationale Preise dafür bekommen. Die tourismuskritische Organisation Equations zeigt hingegen die negativen Aspekte des Tourismus in Kerala auf.

Che Guevara Busstation in Eddakad

Welchen Anteil an Entwicklung Keralas die kommunistischen Regierungen haben, die seit 1957 regelmäßig demokratisch gewählt werden? Ich traue mich nicht es abzuschätzen. Die Landreformen der 1960er und 70er Jahre, welche den Großgrundbesitz stark zurückgedrängt haben, hatten jedoch sicher einen bedeutenden Anteil. Unser Bootsführer bei einem Ausflug in die Backwaters führt auch an, wie gut hier alle gewerkschaftlich und in den Dörfern organisiert seien und Streiks scheinen sehr üblich sein. Die kommunistische Partei ist jedenfalls überall präsent, sei es durch Fahnen, Plakaten, Demonstrationen oder Che Guevara Bildern in den Busstationen.

Auch in Kerala werde ich angebettelt, sehe ich schäbige Hütten ohne Einrichtung und Obdachlose. All dies jedoch in einen viel geringerem Ausmaß als in anderen Regionen und die Menschen sind auffallend freundlicher und hilfsbereiter – was wohl auch kein schlechter Indikator ist.

Hampi – ein kleiner Überblick

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Die felsige Landschaft von Hampi

 

Hampi ist ein Ort zum Entschleunigen. Es strahlt eine Ruhe und Schönheit aus mit seinen Tempeln und der ganz eigenartigen Steinlandschaft. Ich verbringe die Tage ruhig. Meistens unternehme ich den halben Tag etwas – schaue mir Tempel an, gehe zum See und wandere durch die Landschaft entlang des schönen Flusses. Die zweite Hälfte des Tages verbringe ich meist plaudernd und lesend, in in einer der gemütlichen Plätze, die so zum Verweilen einladen. Nach einer Woche habe ich noch nicht genug und so werden es insgesamt fast zwei Wochen. Das liegt wohl auch daran, dass ich nach einer Woche mit meinem Magen kämpfe, und zwei Tage sehr ruhiggestellt bin.

Nun aber zu Hampi

Die Ruinen des ehemaligen hinduistischen Königreichs Vijayanagar sind über 26 km2 verstreut. Die Stadt ist erst vor 500 Jahren verfallen, nachdem das Königreich, mit lokalen muslimischen Sultanaten im Clinch lag. Die Stätten schauen jedoch viel älter aus und als gelernte Europäerin glaube ich zuerst es seien antike Ruinen. Die einzelnen Tempel sind, wie mir auch ein Indologe den ich im Guesthouse kennenlerne bestätigt, nicht sehr aufregend.

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Krishna Tempel in Hampi

 

Beeindruckend ist jedoch die hügelige Landschaft, die mit Felsen und Steinblöcken umgeben ist und eine malerische Atmosphäre ausströmt. Viele bleiben hier wochenlang hängen und erkunden die Tempel und die umgebende Landschaft, streunen um die weit verstreuten Anlagen herum oder klettern auf einem der vielen Felsen.

Auch wenn die Anlage gar nicht so alt ist, so ist die Region voller Sagen. Hier soll das Kishkinda Reich gelegen sein – das sagenhafte Reich der Affen, welches im Ramayama eine wichtige Rolle spielt.  Hanuman der Gott der Affen hilft dem Helden Rama seine entführte Frau aus Sri Lanka zu befreien.

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Hanuman Tempel, wo der Affengott Hanuman geboren wurde

Um Hampi zu erreichen, muss man mindestens sechs Stunden mit dem Zug oder dem Bus fahren, die nächsten Flughäfen sind in Goa und Bangalore. Und so sind es immer noch vor allem Individualreisende die hierher kommen. Rund um Hampi gibt es viele kleine private Guesthouses. Im kleinen Ort Hampi Bazar, eng aneinander geschachtelte Häuser, viele von ihnen mit einem Dachrestaurant. Auf der anderen Flussseite hat sich in den letzten 15 Jahren die Hippieszene breitgemacht. Hier ist mehr Platz, mehr Grün und fast alle Unterkünfte haben schöne Außenbereiche, die zum Verweilen einladen – viele mit Blick auf Reisfelder oder auf den Fluss. Wer in einem besseren Hotel wohnen will, muß auf das 15km entfernte Hospet ausweichen und jeden Tag anreisen.

Wie weit diese scheinbare Idylle bestehen bleibt, ist derzeit fraglich. Im August wurde eine Häuserreihe, die vor dem historischen Bazar gebaut wurde, von den lokalen Behörden nahezu ohne Vorwarnung demoliert. Viele befürchten, dass der ganze Ort zerstört werden soll. Dieser wurde erst vor etwa 40 Jahren mit dem aufkommenden Tourismus wieder besiedelt und hat sich seitdem immer mehr ausgebreitet. Ein Schweizer erzählt mir er sei zum ersten Mal vor 35 Jahren hier gewesen und da habe es noch kein einziges Guesthouse gegeben.
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Hinter den abgerissenen Häusern kommen die Säulen des Bazars zum Vorschein, auch hier haben sich zum Leidwesen der UNESCO Menschen angesiedelt

Wie sich Hampi weiterentwickeln wird, erscheint derzeit mehr als offen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass alle Unterkünfte in der Kernzone des Weltkulturerbes abgerissen werden sollen. Bis dahin strömen die Rucksackreisenden auf der Suche nach ein paar ruhigen Tagen im hektischen Indien weiter nach Hampi. “Wir leben als ob es kein morgen gäbe”, meinte ein alternder Hippie zu mir.
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