Winterurlaub am Mittelmeer – eine Ermunterung

So schön kann der Mittelmeerwinter sein: Cappuccino am einsamen Strand…

 

Für viele ist das Mittelmeer im Winter in keinster Weise interessant. Zieht es sie doch entweder zum Wintersporteln auf die mehr oder weniger schneebedeckten Berge oder gleich weit weg, Richtung Asien, Mittelamerika oder auf die andere Seite der Welt, um dem Sommer nachzureisen.

Doch andererseits gibt es oft diese unglaublich günstigen Angebote, Pauschal oder nur Flüge im Winter in den Mittelmeerraum und die Überlegung es doch einmal auszuprobieren, wird dann wieder greifbarer. Auf was muss man sich nun gefasst machen und ist ein Mittelmeerurlaub im Winter überhaupt die Reise wert? Hier der Versuch einer Antwort.

Die gute Nachricht ist, das wärmere Wetter als in Mitteleuropa. Mit ein bisschen Glück Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad. In der Nacht erreichen die Temperaturen nur in Ausnahmefällen den Gefrierpunkt. Baden ist dann nur was für wirklich Hartgesottene, aber den Tag draußen zu verbringen, Lesen, Spaziergänge oder Sehenswürdigkeiten besichtigen geht dann wunderbar. Ganz zu schweigen von der unglaublichen Ruhe im Vergleich zu anderen Jahreszeiten.

… blühende Wiesen …

 

Mit ein bisschen Pech, kann es jedoch auch passieren, dass es mehrere Tage hintereinander in Strömen womöglich mit starkem Wind regnet. Da die meisten Häuser einfach nicht für Kälte und Nässe gebaut sind, kann dies ungemütlich werden.

Wettermäßig ist also alles drinnen. Von tagelangen Sonnenschein bei Temperaturen über 20 Grad bis hin zu mehrtägigen Regenschauern und starkem Wind.

Das Beste am milden Winter ist die blühende Natur. Die Landschaften sind grün – voll mit Blumen, eine Farbenpracht, die man sonst nicht sieht, die Luft ist klarer und die Fernsichten oft atemberaubend. Zum Besichtigen von Attraktionen ist es eine tolle Zeit, wann kann man schon Ausgrabungsstätten und sonstige Attraktionen fast für sich alleine haben? Auch zum Wandern geht es sehr gut, allerdings aufgrund der schneebedeckten Berge nur in niedrigeren Lagen.

 

Tipps

  • Weit genug in den Süden fahren damit es nicht zu kalt wird. Als Faustregel würde ich sagen nicht nördlicher als Rom.
  • Am Kältesten ist es üblicherweise von Mitte Dezember bis Ende Jänner. Das ist auch die regenintensivste Zeit. Nordafrika bietet sich in diesem Zeitraum besonders an.

… und ein Feuerchen zum Wärmen.

 

  • Unbedingt warme Sachen, Fleece, gute Regenjacke und feste Schuhe mitnehmen.
  • Eine Unterkunft mit beheizten Zimmern suchen. Oft wird das die Klimaanlage sein aber Hauptsache warm in der Nacht.
  • Gibt es in der Unterkunft auch einen angenehmen Gemeinschaftsbereich zum Sitzen, plaudern, lesen und Abend ein Bierchen trinken? Besonders schön und heimelig ist ein offenes Feuer am Abend.

Mein Fazit: Wer den Urlaub in erster Linie (sonnen)badend am Strand verbringen will, sollte besser in wärmere Gefilde fahren. Für alle anderen ist es jedenfalls eine Überlegung wert.

 

Langsam reisen (1): Fünf Gründe für entschleunigtes Reisen

Wo immer du bist, sei die Seele des Ortes (Rumi)

 

Es war in Hampi (Indien), den Ort, den ich letztes Jahr so lieben gelernt habe, als ich ich mich in einen der vielen kleinen Restaurants setzte, um gemütlich einen Chai zu trinken und der brütenden Mittagshitze zu entkommen. Dort lernte ich einen jungen Mann kennen, der in  sechs Wochen den “ganzen” subindischen Kontinent bereist hat. Nun es war wohl weniger der ganze Kontinent, als ein “Abreisen” der Höhepunkte aus dem Lonely Planet.

Wir kamen ins Gespräch und erzählten uns gegenseitig ein bisschen über unsere Reisen. Mein Hinweis, auf mein langsames Unterwegssein nahm er mit Überraschung auf. Ich konnte ihm richtig zusehen, wie ihm klar wurde, was er sich alleine in Hampi entgehen lässt, weil er nur drei Tage da ist, die Tempel im Eilschritt besichtigt und natürlich auch jeden Tag eine Rickshaw für sich alleine mietet.

Doch was sind eigentlich die Vorteile vom langsamen Reisen, und vor allem wie macht man das? Hier der Versuch einer Antwort.

 

1. Destinationen ganz anders erfahren

Wer sich länger an Orten oder bestimmten Sehenswürdigkeiten bleibt, wird diese ganz anders erfahren. Kein schnelles Abhaken von Tempeln, Museen oder Ortsbildern sondern ein Eintauchen, ein Spüren mit allen Sinnen. Auch einmal Pause machen, und an einem guten Ort einfach Verweilen – all dies ermöglicht eindrücklichere und tiefere Erlebnisse – die dann auch anders in Erinnerung bleiben, sodaß man sich später nicht fragen muss, welche Personen man an welchen Orten getroffen hat, oder an welchen Plätzen denn bestimmte Sehenswürdigkeiten warten.

Mach mal Pause (Pai, Thailand)

Viele wollen natürlich möglichst viele unterschiedlichen Dinge in einem möglichst kurzen Zeitrahmen sehen, unter dem Motto “Wer weiß wann ich wieder kommen kann”.  Die Rechnung geht leider nicht auf, weil es immer mehr Orte gibt, die man sehen will – egal wie schnell man unterwegs ist, und wieviele Sehenswürdigkeiten man am Tag sieht. So gesehen ist Reisen auf eigene Faust immer eine Entscheidung gegen etwas und es ist wohl gut, die Orte, für die man sich entscheidet mit allen Sinnen zu erleben. Die gute Nachricht dazu: Es gibt immer was zu sehen, denn je mehr man reist, desto mehr will man sehen. Und vor Ort ergeben sich oft Möglichkeiten zu Besichtigungen und Aktivitäten, von denen im Reiseführer nichts zu lesen ist.

Ich habe auf meinen Reisen viele Leute kennengelernt, die traurig waren, weil sie sich zuwenig Zeit für die einzelnen Orte genommen hatten,  und alle – egal wie schnell sie unterwegs waren – hatten Aktivitäten oder Orte auf ihrer Liste, die sich nicht mehr ausgegangen sind. Es ist wie immer: die Entscheidung für etwas ist auch die Entscheidung gegen etwas anderes.

 

2. Kontakte aufbauen

Das kleine Geschäft an der Ecke, das “Stammcafe”, oder die Pensionsbesitzerin. Wer länger als zwei drei Tage an einen Ort bleibt, lernt auch mehr Leute kennen. Reisende sowieso aber auch Einheimische – Einblicke in den Alltag und nette Gespräche sind viel leichter möglich.

3. In Ruhe gelassen werden

In Ländern, wo das dauernde Angequatscht werden zur täglichen Routine gehört, verspricht das längere Verweilen an einem Ort auch Erleichterung. Die maßgeblichen Akteure (Taxi und Rickshaw bzw. Tuk-Tukfahrer, Straßenverkäufer und sonstige “Freunde” ) merken sich Gesichter und Personen meiner Erfahrung nach sehr schnell, und lassen einen spätestens am dritten Tag in Ruhe.

4. Billiger Reisen

Das ist wohl ein wichtiger Punkt. An wenigen Orten länger zu bleiben, reduziert natürlich die Transportkosten. Auch einmal zu Fuß zu gehen oder ein Fahrrad zu mieten, statt wieder einen Fahrer für einen Tag zu nehmen, reduziert die Kosten beträchtlich. Manchmal kann man auch den Preis der Unterkunft herunterhandeln, wenn man länger bleibt.

Und wer sich vor Ort Zeit nimmt und recherchiert wird vielleicht auch die wirklich guten und/oder günstigen Angebote finden. Das sind nicht immer die Offensichtlichsten.

Man wird auch weniger ums Ohr gehauen. Ich denke vor allem weil man nach spätestens zwei Tagen nicht nur die lokalen Preisstrukturen sondern auch die ortsüblichen Tricks kennt.

 

Und last but not least. weil unsere Welt ohnehin schon schnell genug ist.

Wirklich. Es gibt keinen Grund auf Reisen genauso beschäftigt zu sein wie zu Hause.  Es tut auch gut manchmal Nichts zu tun und das geht eigentlich nirgends besser als unterwegs. Reisen als bewusstes Kontrastprogramm zum oft hektischen Alltag ermöglicht nicht nur ganz andere Erlebnisse und tiefere Einblicke sondern auch einen entspannteren Blick auf unsere Umwelt – auch nach der Rückkehr.

*****

Welche Gründe für langsames Reisen hast Du? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Hier geht es demnächst weiter mit konkreten Tips zum langsamen Reisen….

 

 

 

Als Frau alleine in Indien -mit ein paar Tips

Auf den Straßen in Indien sind meistens viel mehr Männer als Frauen (Jaipur)

 

So viele gute Ratschläge habe ich nach Indien mitgenommen – über richtige Verhaltensweisen, über Anmache und die Stellung der Frau. All das hilft vielleicht den Kulturschock abzumildern, aber nicht ihn zu verhindern. Und auch wenn man z.B. überall liest, dass indische Kleidung die bessere Wahl ist, war ich doch erstaunt, welchen Unterschied es dann gemacht hat, in der Wahrnehmung meines Gegenübers nämlich.

Und natürlich ist es dann auch schwer nachzuvollziehen, dass ein freier Bauch unter dem losen Sari völlig selbstverständlich ist, während die freien Schultern oder ein weiteres Dekolletee oft mehr als lüsterne Blicke auslösen. Viele Touristinnen merken das gar nicht, andere passen sich an und wieder andere genießen das auch.

Besonders auffallend ist das dann am Strand. Wo immer eine ausländische Frau außerhalb der Touristenguettos  Badekleidung trägt, wird sie eine kleinere oder größere Gruppe an Männern (aber zumindestens zwei müssen es immer sein) hervorrufen. Diese schauen, gehen händchenhaltend vorbei oder fotografieren völlig ungeniert.

Tip 1 – Angemessene Kleidung (wirklich) – und verwende einen Schal

Es klingt so einfach und veraltet ist aber so. Du wirst einfach anders wahrgenommen und die Blicke treffen dich eher auf Augenhöhe. Noch wohler habe ich mich gefühlt, nachdem ich mir die langen indischen Blusen (Kurta) gekauft habe, und diese mit weichen Stoffhosen kombiniert habe. Eine Kleidung, in der ich mich immer wohl und “angezogen” gefühlt habe. Ein dünner Schal dazu ist ein guter Freund bei allen möglichen Gelegenheiten – schützt vor Sonne, Blicken und manchmal vor der Klimaanlage – ich hatte immer einen im Tagesrucksack.

 Alleine sein ist nicht vorgesehen

Für alleinreisende Frauen kommt noch etwas weiteres hinzu. Oft bin ich während meiner Bus- und Bahnreisen gefragt worden, wo denn mein Begleiter sei. Viele indische Mäner (und wahrscheinlich die Frauen auch, nur sprechen die eine viel seltener an) können sich einfach nicht vorstellen als Frau alleine – ohne männlichen Schutz – zu reisen. Das kann auch einen manchmal durchaus hilfreichen Beschützerinstinkt hervorrufen.

Tip 2 – Hol dir aktiv Hilfe

Ich habe oft nach den richtigen Bus oder der richtigen Adresse gefragt was dann zur Folge hatte, dass die angesprochene Person mich quasi “unter ihre Fittiche” genommen hat, bis ich im richtigen Bus oder am richtigen Ort war. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl, die richtigen Leute anzusprechen, die ein bisschen englisch können und gerne, ohne Hintergedanken, helfen.

Ein völlig anderes Geschlechterverhältnis

Frauen haben in Indien weitestgehend einen völlig anderen Status als in westlichen Ländern. Hier herrscht ein traditionelles Frauenbild und die Geschlechter sind viel strikter voneinander getrennt. Besseres Kennenlernen oder gar Berührungen vor de Ehe sind nicht vorgesehen, während gleichzeitig die Lücke zwischen den Geschlechtern immer größer wird. D.h. aufgrund von gezielter Abtreibung und Vernachlässigung gibt es in Indien einfach immer “weniger” Frauen. Das erschwert den Kampf gegen Kinderheirat (die vor allem im ökonomisch schwächeren Norden immer noch weit verbreitet ist). In vielen Bundesstaaten sieht man auch fast keine Frauen auf der Straße. Ausführliche Informationen zur Lage der Frauen in Indien gibt es auf Wikipdia. (englisch)

All dies erklärt wohl auch, warum alleinreisende Frauen oft angestarrt werden, als kämen sie von einem anderen Planeten. Dazu kommt noch, dass Familie in Indien einen viel höheren Stellenwert und Bedeutung hat als in europäischen Ländern. Niemand wird alleine gelassen – es ist immer jemand von der Familie dabei, für die meisten das einzige vorhandene Sicherheitsnetz. Jemanden alleine zu lassen ist nicht vorgesehen. Ich habe zum Beispiel im Zug einen jungen Mann kennengelernt, dessen Eltern zu ihm gezogen sind, nachdem er einen Job weit entfernt von zu Hause im Süden ergattert hat.

Tip 3: Manchmal ist es hilfreich, eine “Geschichte” parat zu haben.

Aus all diesen Gründen kann es hilfreich sein, eine Geschichte parat zu haben. Ich habe zum Beispiel erzählt, dass ich Witwe bin. Das hatte eine enorme Wirkung auf meine Gesprächspartner, und ich wurde dann wirklich anders und mit Respekt in Ruhe gelassen.

Viele erzählen von Ehemännern oder Eltern, die nur an dem einen Tag in ihren Hotel sind. Der Höhepunkt ist sicher von einem indischen Ehepartner zu erzählen, wo man dafür das Land, die Leute und auch eine Sprache sprechen sollten – sonst könnte es peinlich werden. Ich habe aber nicht immer von meinen Witwendasein erzählt. Das gilt es von Fall zu Fall abzuschätzen, da es eben auch genug Menschen gibt, für die die westliche Lebensweise keine Buch mit sieben Siegeln mehr darstellt. Da können sich eben durchaus interessante Gespräche ergeben, indem man bei der Wahrheit bleibt.

 Unterschiede in Städten und touristischen Regionen

Das hängt auch damit zusammen, dass es in den großen Städten ein ganz anderes Bild gibt. Hier treffe ich viele junge Frauen, gut ausgebildet und mit guten Englischkenntnissen, in westlicher Kleidung, die auch am Abend schon mal ein Bierchen trinken. Diese Frauen vermitteln mir ein ganz neues im Wandel befindliches Bild von Indien, und ich bin sehr dankbar für diese Kontakte und Erfahrungen.

Es macht auch einen Unterschied, wie weit die bereiste Region in ihrer touristischen Entwicklung ist. Je touristischer eine Region ist, desto mehr verschiebt sich meiner Wahrnehmung nach das Verhältnis zwischen alleinreisenden Frauen und männlichen Einheimischen. Es wird offener und lockerer miteinander umgegangen. Das dies zum ein oder anderen Panscherl führt, wird wohl niemanden verwundern – aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Tip 4: Suche die Frauen

Bei einem Kochkurs in einem privaten Haushalt in der Nähe von Hampi

 

In manchen Bundesstaaten wie in Kerala ist es leicht. Hier sind die Frauen selbstbewusster, öfters auf der Straße zu sehen und viele sprechen auch englisch, sodass einen interessanten Austausch oft nichts im Wege steht (siehe auch meinen Artikel über Kerala). Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit Kochkursen gemacht. Hier gibt es oft spannende und authentische Einblicke in weibliche Lebenswelten und durch das gemeinsame Tun und Essen entsteht eine eigene Vertrautheit. Ein besonderes Erlebnis hatte ich auch in Jaisalmer, wo eine beeindruckende Frau mit den Textilarbeiten, die sie in den umliegenden Dörfern aufkauft, den üblichen Souvenirläden einiges entgegenzusetzen hat. Das Pläuschchen in ihrem kleinen Laden, auf einen schönen Teppich sitzend, hat mich wieder ein bisschen versöhnt, nachdem ich in Rajasthan ob der offensichtlichen Diskriminierung von Frauen schon ziemlich sauer war.

Fazit

Ich habe in Indien eindeutig mehr alleinreisende Frauen getroffen als in Südostasien. Der Frage nachzugehen warum das so ist, würde wohl den Rahmen hier sprengen, wäre aber sicher interessant. Auffallend in Indien ist, wie viele Reisende auf der Suche nach sich selbst, ihren Lebensweg sind und ihre Reise als eine spirituelle Suche begreifen. Und im Vergleich zu Südostasien ist Indien ein direkteres und unmittelbares Erlebnis. Hier wirst du angestarrt, stehst immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit – und damit erfährst du auch dich selbst in einer ganz anderen Weise. Die richtige Mischung zwischen offenen Annehmen von interessanten Gelegenheiten und gebührender Vorsicht ist wohl einer der größten und spannendsten Herausforderungen bei einer Reise nach Indien.

Zum Weiterlesen:

My top tips for women traveling to India: Ein guter und ausführlicher Artikel vollgepackt mit Tips von einer der führenden Reiseblogerinnen über Indien.

Happy, safe solo traveling – India by yourself: Ein ausführlicher Artikel vollbepackt mit Infos, nicht nur für Frauen – lesenswert!

Five reasons why travelling in India is not so scary: Ganz ein schöner Artikel, der darauf eingeht wie liebenswert und hilfsbereit viele InderInnen sind.

The women traveling solo question: Ein ausgezeichneter Artikel, der aufzeigt, dass zuhause bleiben weitaus gefährlicher ist als Reisen, da die meiste Gewalt gegen Frauen in ihrem direkten sozialen Umfeld stattfindet.

 

 

 

 

 

 

Housesitten in Spanien … und Abschied von Wien

So jetzt bin ich also endlich angekommen in Spanien – nachdem mein Körper schon seit zehn Tagen hier weilt, ist der Rest nun auch endlich da. In einem schönen alten Haus, umgeben von einem Mittelmeergarten vom Feinsten, mit Blick aufs Meer – ein Pool ist auch dabei, aber mehr als meine Zehenspitzen hat das Wasser noch nicht zu sehen bekommen.

Es ist ein großes und schönes Anwesen, und ich verlasse es derzeit nur wenig – zum Einkaufen und um das Meer aus der Nähe zu sehen – aber eigentlich bin ich hier, genieße es soviel Zeit an der frischen Luft und in der Sonne zu verbringen und finde einen guten Rythmus aus Garten pflegen und Hausarbeit, Katze hüten,  Lesen, Yoga, Computer, Filme schauen, gutes Essen.

In den kommenden zwei Monaten möchte ich hier im wunderbaren Mittelmeerwinter und beginnenden Frühling mein Repertoire rund um das Thema Yoga und Burn-Out erweitern. Ich übe und lese viel, entwickle Sequenzen und einiges mehr.

Das tut mir auch gut, da ich den letzten Wochen in Österreich doch sehr beschäftigt war. Der Umzug meiner Sachen von Salzburg nach Wien in einer Hauruck Aktion (zwei Tage einpacken, ein Tag Umsiedeln, zwei Tage einräumen) ist nicht ganz spurlos an mir vorübergegangen. Und dann war ich mir auch plötzlich nicht mehr so sicher, ob es die richtige Entscheidung war, meinen Platz im schönen Salzburg zu räumen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Wien im Jänner nicht gerade berauschend ist. Zu grau, zu dunkel – eine Zeit wo einzelne Sonnenstrahlen zu Jubelmeldungen veranlassen können. Es heißt ja auch, dass es kein Zufall war, dass die Psychoanalyse in Wien erfunden worden ist – aber ich schweife wieder einmal ab.

Egal – die Wohnung in Wien ist fast fertig, hübsch eingerichtet und ich kann mich jetzt hier in aller Ruhe der schönen Umgebung und meinen Projekten widmen. Watch out!

Viel Fliegen – Abschiede und neue Ufer

Blick zurück – Türkei unter Wolken …

 

Manchmal reise ich nicht langsam sondern richtig schnell – quasi im Warp Antrieb. So zum Beispiel die letzten Tage. Nach über fünf Monaten in der Türkei bin ich am Samstag wohlbehalten bei Nieselregen und nur wenigen Graden über den Gefrierpunkt in Wien angekommen.

Am Tag darauf  zu nachtschlafener Zeit in den Flieger gestiegen und nach Spanien gedüst. Dort werde ich ab Ende Jänner für mindestens zwei Monate ein wunderschönes Haus mit großen Garten hüten. Einen Tag später war ich schon wieder zurück in Wien. Und heute geht es gleich weiter nach Salzburg – wieder nur für zwei Tage.

… und nach vorne – Spanien ich komme (bald)

 

Jetzt bin ich müde. Sitze im nasskalten Wien und versuche die vielen Flüge und Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten,vermisse jetzt schon die Türkei und versuche, die Energie zu finden, um alles zu erledigen, was gerade so ansteht.

Das nächste Monat ist für mich eine Zeit des Überganges. Ich werde meine Wohnung in Salzburg endgültig auflösen (weil zu teuer, wenn ich sie nur wenige Wochen im Jahr benütze), und mir in Wien einen kleinen Stützpunkt aufbauen, wo ich zwischen meinen Reisen kurz anhalten und umpacken kann.

Bei all dem Trubel und Änderungen freue ich mich aber auch nach einigen Jahren Weihnachten und Silvester wieder mal in Wien bei Familie und Freundinnen zu verbringen, auch wenn mir das nasskalte Wetter ziemlich zusetzt. Und demnächst geht es hier wieder weiter mit Berichten aus der Türkei und von anderswo.

Vom semi-nomadischen Lebensstil

“Travel is more than the seeing of sights; it is a change that goes on, deep and permanent, in the ideas of living.” – Miriam Beard

Ein semi-nomadisches Leben, immer auf Reisen, ein Dasein als Vagabundin – viele Leute sind überrascht wenn ich ihnen von meiner gewählten Lebensform erzähle. Die meisten Menschen, die ich kenne, wollen Wurzeln schlagen, sich etwas aufbauen, in einer (sebstgewählten) Gemeinschaft leben.

Ich hatte immer schon den Wunsch unterwegs zu sein, zu Reisen, zu Verweilen, eine Landschaft, Stadt oder Region zu erfahren und dann wieder weiterzuziehen auf der Suche nach neuen Eindrücken und Impulsen. Viele Jahre war das Reisen für mich die wichtigste Nebensache der Welt – jede Möglichkeit zu einer Reise ergreifen, bei Dienstreisen möglichst immer ein Wochenende “dazu” nehmen, und im Urlaub dann möglichst lange wegfahren.

Doch ich bekam nie genug. Zwei Monate Südostasien, später fünf Monate Indien – und es gibt immer mehr zu sehen. Gleichzeitig fange ich durch das viele Reisen auch an, anders auf Dinge zu sehen. Mich interessieren große Zusammenhänge und kleine Details und ich will immer weniger im Eilschritt durch die Gegend fahren, sondern länger auch manchmal Wochen an einem Ort bleiben. Langsam reisen heißt nicht nur weniger Orte in einer bestimmten Zeit zu besichtigen, sondern auch viel zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein.

“Ich will, dass mein Leben nur mehr aus Reisen besteht” – was ich eigentlich schon lange wusste, wurde mir auf meiner fünfmonatigen Indienreise so richtig klar. Ich will nicht elf Monate an EINEM Ort sitzen, um dann das 12. Monat möglichst viel von dem sehen, was ich in den  Monaten davor versäumt habe. Ich will mein Leben an unterschiedlichen Orten verbringen – dabei kann ich durchaus temporär Wuzeln schlagen – so wie jetzt in der Türkei, wo ich noch bis kurz vor Weihnachten in einem hübschen Häuschen im Wald bleiben werde.

Dann werde ich ca. 6 Wochen in Österreich verbringen. Denn auch das ist mir wichtig – den Bezug zu den eigenen Wurzeln nicht verlieren. Aber im Februar wird mich der Wind und die Reiselust sicher wieder weitertreiben.

Finanziert wird das ganze aus einer Mischung aus Arbeiten (Online und am “Wegesrand”) manchmal auch gegen Sachleistungen (wie Essen oder Wohnen) und Sparsamkeit (was natürlich in Ländern mit einer niedrigeren Kaufkraft auch leichter ist…)

Wie lange mir dieses Leben Freude bereitet, steht in den Sternen. Derzeit ist es mir vor allem ein Anliegen in der Natur zu leben, und möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen – und ich bin sehr dankbar, dass sich derzeit immer wieder gute Gelegenheiten bieten, diesem Anliegen nachzugehen. Alles andere wird die Zukunft weisen.

Ankommen

Relaxen am Strand

Ein kurzer Moment der Verwunderung ist es schon als in in der Früh aufwache. So warm ist es und ein sanfter Wind weht durch meine Strandhütte. Schön ist es endlich wieder in der Wärme zu sein. Doch auch etwas aufregend – ein ganz neues Land, viele eigenartige Blicke, wenn ich erzähle dass ich alleine durch Indien reisen werde. Aber egal. Heute ist sowieso nur ankommen angesagt. Ich hupfe aus dem Bett, räkle mich etwas und zische gleich zum schönen Restaurant mit Meerblick.

Hunger habe ich eigentlich keinen, also einmal nur einen Kaffee. Beim genüsslichen Schlürfen, fällt mir auf, dass mein Magen zwickt. War es das viele Flugzeugessen, das Homos voller Knoblauch vom Vorabend, oder vielleicht ganz einfach die Tatsache, dass ich mir die Zähne mit Leitungswasser putze. So oder so – ich fühle mich eingeschränkt und habe keine Lust mich zu bewegen, während es auch immer heißer wird – an diese Temperaturen muss man sich ja auch erst gewöhnen. Ich beschließe es wie meine Katzen machen, und alles einmal langsamer angehen zu lassen.

Ein Bett kann für eine Katze ein wunderbarer Rückzugsort sein

Mimi und Musette waren natürlich die schönsten und tollsten Katzen überhaupt. Mimi die Mutige und Musette die Zurückgezogene die immer lang gebraucht hat, um Vertrauen zu fassen. Als wir mit ihnen zum ersten Mal ins Wochenendhaus gefahren sind, hatten wir zwei panische kleine Katzen im Auto. Im Haus angekommen, haben sich beide in unglaublicher Geschwindigkeit unter dem Bett versteckt (faszinierend, dass sie das Schlafzimmer so schnell gefunden haben). Musette kam erst einen Tag später wieder raus, während Mimi schon nach ein paar Stunden, die weiteren Zimmer erkundete. Und so zogen sie, beide im unterschiedlichen Tempo, jeden Tag größere Kreise – bis zu dem Tag, an dem Mimi ausbüchst und erst zwei Tage später hungrig und zerzaust wieder zurückkommt.

Ich verziehe mich also nicht unter das Bett, sondern auf die kleine, feine Veranda vor meinem Bungalow und verbringe den Vormittag abwechselnd mit Lesen  und Schlafen. Zu Mittag ein Bananenlassi und ein Schwumm und am späten Nachmittag fühle ich mich soweit, dass ich die nähere Umgebung ein bisschen erkunde. So ein ruhiger etwas verschlafener Strand ist sicher kein schlechter Ort für den Reisebeginnn.

Tips zum Ankommen:

 

  • Gerade wenn man ein Land noch gar nicht kennt, ist es sehr angenehm, zumindestens für die ersten Nächte ein Hotel vorzureservieren. Viele Hotels holen ihre Gäste auch vom Flughafen ab. Das ist eine empfehlenswerte Option. Gerade wenn man übernachtig und desorientiert ist, kann man ein leichtes Opfer für alle möglichen Betrügereien sein.
  • Ein langsames Anfangen ist immer gut. Wer nicht an eine Reisegruppe gebunden ist, hat alle Möglichkeiten sich auch Ruhe zu gönnen. Zeitumstellung, Temperaturwechsel und eine andere Küche sind für den Körper eine rechte Herausforderung.

Indienbücher


Keine sechs Wochen sind es mehr bis zu meiner Abreise nach Indien. Ausrüstungslisten werden erstellt, Routen geplant und wieder verworfen, und viele Leute geben mir spannende Hinweise. Und ich wälze auch einiges an Büchern. Die drei hilfreichsten und besten möchte ich heute kurz vorstellen

“Rough Guide – India” 1200 ganz dünne Seiten, die mich in den kommenden Monaten begleiten werden.Ich reise ja eigentlich gerne mit den Stefan Loose Reiseführern. Dies ist bei dem Indien Führer nicht wirklich notwendig, da der Stefan Loose nur eine Übersetzung des “Rough Guide” darstellt. Da habe ich lieber das Original genommen – und auch weil dies im Winter 2011 erschienen ist und somit wohl die aktuellste Ausgabe darstellt. In allen reviews, die ich gelesen habe, wird hervorgehoben, dass im “Rough Guide” mehr Hintergrundinformationen zu finden sind als in der Indien Ausgabe vom Lonely Planet. Das und die Tatsache, dass man eigentlich immer Reisende trifft, von denen man sich den Lonely Planet ausborgen kann, haben mich dann bei meiner Entscheidung bestärkt.

 

 

“Gebrauchsanweisung für Indien” Gebrauchsanweisung ist es wohl keine, dafür ein ausgezeichnet geschriebener Text der die spirituelle Geschichte Indiens genauso aufgreift, wie die Bedeutung von Cricket, aktuelle politische Konflikte oder die Filmindustrie. Manchmal vielleicht ein bisschen prätentiös und intellektuell, doch immer spannend geschrieben und voller Assoziationen von einem Thema zum nächsten. Den Rahmen bilden dabei relevante und mehrdeutige Begriffe wie Gura, Mantra oder Monsun, Googly (aus dem Cricket) und Masala. Diese Übertitel stellen den Rahmen für eine Vielzahl an persönlichen Erlebnissen des Autors, gemischt mit einer Vielzahl an Informationen zum “alten” und “neuen” Indien.

 

 

 

 

“Hinduismus für Dummies” Eine ganz angenehm geschriebene tolle Einführung. Da ich auch vorhabe, einiges an Bauwerken und Tempeln zu besichtigen, möchte ich auch ein Grundahnung haben, was da alles abgebildet ist. Das Buch ist äußerst kompetent und in einem sehr guten, fockigen Stil geschrieben. Die Ursprünge des Hinduismus, eine Übersicht über wichtige Schriften und Götter, viele Hinweise auf bedeutende Epen und Geschichten, aber auch die Auswirkung auf die heutige Gesellschaft. Ein Allroundbuch, mit einem guten Index auch super zum Nachschlagen.

 

 

 

 

 

 

Über den Wolken – Nachdenkerei über Reisen

Niemals habe ich soviel gedacht, niemals so richtig gelebt, nie bin ich so ich selbst gewesen wie auf Reisen. Wenn ich am gleichen Fleck bleibe, kann ich nicht denken. Es ist notwendig, dass mein Körper sich bewegt, um meinen Geist zu bewegen. Der Blick auf die Landschaft, der Reigen lieblicher Aussichten, die freie Luft, die Abschüttelung all dessen, was mich in Abhängigkeit hält, weitet meine Seele und macht mich kühn im Denken.
(Jean Jacques Rousseau)

Ich sitze im Flugzeug, schaue auf verschneite Hügel, erfreue mich des Anblicks und frage mich wieder mal, was diesen Reiz des unterwegs sein ausmacht. Und noch während ich mein Notizbuch auspacke, wird mir klar, dass dieser Blick von oben aus dem Flugzeug für mich ein eine Metapher darstellt. Ich “erhebe” mich über die Dinge und kann sie dadurch reflektieren, bin aber dadurch gleichzeitig nicht mehr Teil dessen. Oder wie meine Freundin D. so schön sagt, beim Reisen ist man Zaungast. Besonders stark ist dieses Gefühl bei langen Zugfahrten oder noch besser Busfahrten, wo lesen nur kurzfristig eine Option ist.

Frühstückstisch eines Guesthouse in Krabi (Thailand)

Werden die Fortbewegungsmittel langsamer, führt mich die Reflektion immer stärker auf mich selbst zurück, bewege ich alles was mich beschäftigt in meinen Kopf hin und her, analysiere mich und meine Umgebung von vorne und hinten, bis sich alles von selbst auflöst und ich nur mehr gehe oder radfahre – und sonst nichts – welch ein Genuss. Und das ist wohl auch der Grund, warum Pilgern in allen Weltreligionen so einen hohen Stellenwert hat.

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