Als Frau alleine in Indien -mit ein paar Tips

Auf den Straßen in Indien sind meistens viel mehr Männer als Frauen (Jaipur)

 

So viele gute Ratschläge habe ich nach Indien mitgenommen – über richtige Verhaltensweisen, über Anmache und die Stellung der Frau. All das hilft vielleicht den Kulturschock abzumildern, aber nicht ihn zu verhindern. Und auch wenn man z.B. überall liest, dass indische Kleidung die bessere Wahl ist, war ich doch erstaunt, welchen Unterschied es dann gemacht hat, in der Wahrnehmung meines Gegenübers nämlich.

Und natürlich ist es dann auch schwer nachzuvollziehen, dass ein freier Bauch unter dem losen Sari völlig selbstverständlich ist, während die freien Schultern oder ein weiteres Dekolletee oft mehr als lüsterne Blicke auslösen. Viele Touristinnen merken das gar nicht, andere passen sich an und wieder andere genießen das auch.

Besonders auffallend ist das dann am Strand. Wo immer eine ausländische Frau außerhalb der Touristenguettos  Badekleidung trägt, wird sie eine kleinere oder größere Gruppe an Männern (aber zumindestens zwei müssen es immer sein) hervorrufen. Diese schauen, gehen händchenhaltend vorbei oder fotografieren völlig ungeniert.

Tip 1 – Angemessene Kleidung (wirklich) – und verwende einen Schal

Es klingt so einfach und veraltet ist aber so. Du wirst einfach anders wahrgenommen und die Blicke treffen dich eher auf Augenhöhe. Noch wohler habe ich mich gefühlt, nachdem ich mir die langen indischen Blusen (Kurta) gekauft habe, und diese mit weichen Stoffhosen kombiniert habe. Eine Kleidung, in der ich mich immer wohl und “angezogen” gefühlt habe. Ein dünner Schal dazu ist ein guter Freund bei allen möglichen Gelegenheiten – schützt vor Sonne, Blicken und manchmal vor der Klimaanlage – ich hatte immer einen im Tagesrucksack.

 Alleine sein ist nicht vorgesehen

Für alleinreisende Frauen kommt noch etwas weiteres hinzu. Oft bin ich während meiner Bus- und Bahnreisen gefragt worden, wo denn mein Begleiter sei. Viele indische Mäner (und wahrscheinlich die Frauen auch, nur sprechen die eine viel seltener an) können sich einfach nicht vorstellen als Frau alleine – ohne männlichen Schutz – zu reisen. Das kann auch einen manchmal durchaus hilfreichen Beschützerinstinkt hervorrufen.

Tip 2 – Hol dir aktiv Hilfe

Ich habe oft nach den richtigen Bus oder der richtigen Adresse gefragt was dann zur Folge hatte, dass die angesprochene Person mich quasi “unter ihre Fittiche” genommen hat, bis ich im richtigen Bus oder am richtigen Ort war. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl, die richtigen Leute anzusprechen, die ein bisschen englisch können und gerne, ohne Hintergedanken, helfen.

Ein völlig anderes Geschlechterverhältnis

Frauen haben in Indien weitestgehend einen völlig anderen Status als in westlichen Ländern. Hier herrscht ein traditionelles Frauenbild und die Geschlechter sind viel strikter voneinander getrennt. Besseres Kennenlernen oder gar Berührungen vor de Ehe sind nicht vorgesehen, während gleichzeitig die Lücke zwischen den Geschlechtern immer größer wird. D.h. aufgrund von gezielter Abtreibung und Vernachlässigung gibt es in Indien einfach immer “weniger” Frauen. Das erschwert den Kampf gegen Kinderheirat (die vor allem im ökonomisch schwächeren Norden immer noch weit verbreitet ist). In vielen Bundesstaaten sieht man auch fast keine Frauen auf der Straße. Ausführliche Informationen zur Lage der Frauen in Indien gibt es auf Wikipdia. (englisch)

All dies erklärt wohl auch, warum alleinreisende Frauen oft angestarrt werden, als kämen sie von einem anderen Planeten. Dazu kommt noch, dass Familie in Indien einen viel höheren Stellenwert und Bedeutung hat als in europäischen Ländern. Niemand wird alleine gelassen – es ist immer jemand von der Familie dabei, für die meisten das einzige vorhandene Sicherheitsnetz. Jemanden alleine zu lassen ist nicht vorgesehen. Ich habe zum Beispiel im Zug einen jungen Mann kennengelernt, dessen Eltern zu ihm gezogen sind, nachdem er einen Job weit entfernt von zu Hause im Süden ergattert hat.

Tip 3: Manchmal ist es hilfreich, eine “Geschichte” parat zu haben.

Aus all diesen Gründen kann es hilfreich sein, eine Geschichte parat zu haben. Ich habe zum Beispiel erzählt, dass ich Witwe bin. Das hatte eine enorme Wirkung auf meine Gesprächspartner, und ich wurde dann wirklich anders und mit Respekt in Ruhe gelassen.

Viele erzählen von Ehemännern oder Eltern, die nur an dem einen Tag in ihren Hotel sind. Der Höhepunkt ist sicher von einem indischen Ehepartner zu erzählen, wo man dafür das Land, die Leute und auch eine Sprache sprechen sollten – sonst könnte es peinlich werden. Ich habe aber nicht immer von meinen Witwendasein erzählt. Das gilt es von Fall zu Fall abzuschätzen, da es eben auch genug Menschen gibt, für die die westliche Lebensweise keine Buch mit sieben Siegeln mehr darstellt. Da können sich eben durchaus interessante Gespräche ergeben, indem man bei der Wahrheit bleibt.

 Unterschiede in Städten und touristischen Regionen

Das hängt auch damit zusammen, dass es in den großen Städten ein ganz anderes Bild gibt. Hier treffe ich viele junge Frauen, gut ausgebildet und mit guten Englischkenntnissen, in westlicher Kleidung, die auch am Abend schon mal ein Bierchen trinken. Diese Frauen vermitteln mir ein ganz neues im Wandel befindliches Bild von Indien, und ich bin sehr dankbar für diese Kontakte und Erfahrungen.

Es macht auch einen Unterschied, wie weit die bereiste Region in ihrer touristischen Entwicklung ist. Je touristischer eine Region ist, desto mehr verschiebt sich meiner Wahrnehmung nach das Verhältnis zwischen alleinreisenden Frauen und männlichen Einheimischen. Es wird offener und lockerer miteinander umgegangen. Das dies zum ein oder anderen Panscherl führt, wird wohl niemanden verwundern – aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Tip 4: Suche die Frauen

Bei einem Kochkurs in einem privaten Haushalt in der Nähe von Hampi

 

In manchen Bundesstaaten wie in Kerala ist es leicht. Hier sind die Frauen selbstbewusster, öfters auf der Straße zu sehen und viele sprechen auch englisch, sodass einen interessanten Austausch oft nichts im Wege steht (siehe auch meinen Artikel über Kerala). Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit Kochkursen gemacht. Hier gibt es oft spannende und authentische Einblicke in weibliche Lebenswelten und durch das gemeinsame Tun und Essen entsteht eine eigene Vertrautheit. Ein besonderes Erlebnis hatte ich auch in Jaisalmer, wo eine beeindruckende Frau mit den Textilarbeiten, die sie in den umliegenden Dörfern aufkauft, den üblichen Souvenirläden einiges entgegenzusetzen hat. Das Pläuschchen in ihrem kleinen Laden, auf einen schönen Teppich sitzend, hat mich wieder ein bisschen versöhnt, nachdem ich in Rajasthan ob der offensichtlichen Diskriminierung von Frauen schon ziemlich sauer war.

Fazit

Ich habe in Indien eindeutig mehr alleinreisende Frauen getroffen als in Südostasien. Der Frage nachzugehen warum das so ist, würde wohl den Rahmen hier sprengen, wäre aber sicher interessant. Auffallend in Indien ist, wie viele Reisende auf der Suche nach sich selbst, ihren Lebensweg sind und ihre Reise als eine spirituelle Suche begreifen. Und im Vergleich zu Südostasien ist Indien ein direkteres und unmittelbares Erlebnis. Hier wirst du angestarrt, stehst immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit – und damit erfährst du auch dich selbst in einer ganz anderen Weise. Die richtige Mischung zwischen offenen Annehmen von interessanten Gelegenheiten und gebührender Vorsicht ist wohl einer der größten und spannendsten Herausforderungen bei einer Reise nach Indien.

Zum Weiterlesen:

My top tips for women traveling to India: Ein guter und ausführlicher Artikel vollgepackt mit Tips von einer der führenden Reiseblogerinnen über Indien.

Happy, safe solo traveling – India by yourself: Ein ausführlicher Artikel vollbepackt mit Infos, nicht nur für Frauen – lesenswert!

Five reasons why travelling in India is not so scary: Ganz ein schöner Artikel, der darauf eingeht wie liebenswert und hilfsbereit viele InderInnen sind.

The women traveling solo question: Ein ausgezeichneter Artikel, der aufzeigt, dass zuhause bleiben weitaus gefährlicher ist als Reisen, da die meiste Gewalt gegen Frauen in ihrem direkten sozialen Umfeld stattfindet.

 

 

 

 

 

 

Fünf Monate Indien – ein kleines persönliches Resumé

Mondaufgang in Kanyakumari am Südzipfel von Indien

 

Indien ist wie eine Wundertüte. Eine – nein unendlich viele – neue Welten eröffnen sich. Jede Stadt ist anders, wo man hinkommt immer wieder eine neue faszinierende Landschaften, und überall so freundliche Menschen – zumindestens fast überall. Inder und noch viel mehr Reisende. Ich kann sie gar nicht aufzählen, die vielen nächtlichen und teilweise auch tiefsinnigen Gespräche.

Dieses Land zieht andere Reisende an als Südostasien, es wird weniger getrunken und viele Leute, die länger bleiben, suchen weitaus mehr als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Durch diese vielen Gespräche habe ich nicht nur viel über das Land sondern auch eine Menge an unterschiedlichen Lebensentwürfen bzw. deren Suche kennengelernt. Manchmal hatte ich jedoch auch das Gefühl, dass dieses Land nur eine Projektionsfläche ist, eine Spielwiese auf der Reisende sich selbst ausprobieren – und ich war da wohl keine Ausnahme.

Diese Begegnungen, das Herumreisen mit Bus und Bahn – ein eindrückliches, enges, freundliches und farbenfrohes Erlebnis, die Vielzahl an Gerüchen, Lärm, Farben, Schmutz und Staub – ein Angriff auf alle Sinne (ich weiß es ist ein Klischee aber es stimmt wirklich), dazu unglaubliche und berührende Naturerlebnisse in Hampi (natürlich!) aber genauso in den Bergen der westlichen Gats, oder der Wüste in Rajasthan oder am Meer in Kerala.All dies und noch viel mehr haben diese fünf Monate zu einem genialen Erlebnis werden lassen.

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Hochzeit in Bikaner (Rajasthan)

 

Der Einstieg war sanft – Entspannung am Strand, statt eine Metropole zum Anfangen, wie so viele andere Reise, die dann Wochen unter dem Kulturschock leiden; und die Idee ist voll aufgegangen. Ich wollte das Land mögen und tat es von der ersten Sekunde an, mit all seinen Widersprüchen. Trotzdem gibt es immer wieder die Momente wo man sich einfach nur an den Kopf greift – bei Dreck und Umweltverschmutzung, unglaublich verstaubten Bürokraten, vorsintflutliche Einstellungen zu Geschlechterfragen, Armut, Krankheit und vieles mehr. Und dann wieder die Vielfalt und Farbenpracht, die vollen und dreckigen Straßen, die Unzahl an Händlern und Kleingewerbetreibenden, die Enge …… aber auch eine faszinierende Natur in allen Varianten und Schattierungen, Tempel in allen Farben und Formen und und und und und… Ich stelle mir Indien nicht als Land sondern als Kontinent vor, das vermag diese Vielfalt noch ein wenig zu erklären. Und jeder Bundesstaat mit seiner eigenen Kultur, Sprache, Göttern und Landschaften ist wie ein Land. Und doch gibt es eine gemeinsame kulturelle Basis – wie in Europa. Indien war für mich wie eine Wundertüte – ein Angriff auf alle Sinne, manchmal positiv manchmal negativ.

Der indische Alltag (natürlich mit dem Luxus einer westlichen Touristin) ist für mich in diesen fünf Monaten normal geworden und der Kulturschock beim Zurückkommen erscheint mir fast größer als fünf Monate zuvor, als ich bleichgesichtig und sehr aufgeregt  einreiste. Ich genieße nun den Luxus von warmen Wasser, Trinkwasser aus der Wasserleitung, geheizten Wohnungen und Breitband Internet. Und doch kommt mir alles ein bisschen blutleer und klinisch vor. Warum ist alles so perfekt und sauber doch gleichzeitig so grau und leer. Das bunte Leben nur mehr auf meinem Computer, auf dessen Festplatte sich fast 35 GB an Fotos sammeln.

Bezüglich Yoga habe ich mir schon vor meiner Reise Gedanken gemacht. Nach einigen Stunden an Internet Recherchen war mir klar, dass das Angebot zu unübersichtlich ist, um ohne konkrete Tips etwas Vernünftiges zu finden. Was ich aber gefunden habe, ist ein erneuter und tieferer Zugang zu Natur. In manchen Orten (insbesondere Hampi und Kodaikanal in den westlichen Gats) habe ich eine ganz tiefe Verbundenheit mit der Natur gespürt. Ich bin förmlich in ihr aufgegangen, bewunderte die Fülle und die unglaublichen Details. Und nicht zu vergessen die Nächte Sonnenauf- und Untergänge, Vollmonde in unglaublichsten Farben oder einfach nur tiefe finstere Nacht, in einer bisher unbekannten Intensität. Das habe ich auch mit nach Hause genommen – bei meinen Spaziergängen hier, merke ich dass ich die Natur um mich herum anders aufnehme, und sowohl achtsamer als auch freudiger das Wetter, das Grün und den aufkommenden Frühling geniessen kann.

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Einsamer Strand in Kerala

 

Spirituell gesehen waren die fünf Monate eine Übung in Vertrauen. Wer in Indien ohne Vertrauen reist, kann – so glaube ich – nicht glücklich werden. Vertrauen, im richtigen Bus zu sitzen, obwohl man keine Ahnung hat, wo er hin geht; Vertrauen darauf die Unterscheidungskraft (im Yoga Viveka) zu haben auf welche Personen ich mich einlassen kann und auf welche nicht, aber auch längerfristig gesehen zu lernen, dass ich mir diese tolle Gelegenheit so lange zu reisen nicht mit Gedanken über meine Zukunft belaste, sondern darauf vertraue, dass sich alles irgendwie ergeben wird (was es dann im Endeffekt auch getan hat, aber dazu mehr ein anderes Mal)

Ich bin ohne große Erwartungen aufgebrochen und wollte einfach meine Chance nutzen, so eine lange Reise machen zu können. Und Indien kam mir gerade recht. Ich war noch nie dort, und als begeisterte Yogini in das Geburtsland des Yoga zu fahren, schien mir auch irgendwie angebracht. Diese fünf Monate waren einfach eine geile Zeit. Ich habe soviel gesehen und erlebt, wie seit Jahren nicht mehr. Und ich glaube, ich bin wieder ein kleines Stückchen gewachsen. Und letzteres werde ich auch in Zukunft gut gebrauchen können… doch dazu ein anderes Mal mehr.

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Morgenstimmung in Madurai (Tamil Nadu)

 

Zum Abschluss hier die Reise einmal im Zeitraffer:

Die ersten Wochen waren dem Ankommen gewidmet. Zuerst in Agonda (Goa) am Strand abhängen und dann in Hampi, dieser wunderbaren Landschaft, die mein Herz berührt hat. Später Herumreisen – Tempel und Moscheen in Badami und Bijapur, modernes urbanes Feeling in Bangalore. In Kerala besichtige ich die koloniale Stadt Cochi und dann gehts in die Berge. Kumily und Munnar – ausgedehnte Hügellandschaften mit Tee- und Kaffeeplantagen, klare Luft und kühleres Klima. So schön ich das Meer finde, in den Bergen geht mir das Herz auf. Weihnachten und Neujahr verbringe ich dann nahezu alleine in einem Miniguesthouse direkt am Meer. Ich genieße die Einsamkeit, und lese viel. Nach einer kurzen Resozialisierungsphase in einem gut besuchten Guesthouse nur wenige Kilometer weiter, steige ich in den Flieger nach Rajasthan, wo ich mit einer Freundin im Sauseschritt durchreise. Acht Orte in knapp vier Wochen geben uns zwar einen guten Eindruck von diesem Bundesstaat – am Ende fühle ich mich jedoch überwältigt von der Vielzahl an Eindrücken, und werde kurz nach meiner darauffolgenden Ankunft in Goa prompt krank. Ein zweiter Aufenthalt in Hampi hat nicht nur einen Artikel zum Ergebnis sondern ich finde auch wieder meine Ruhe, während ich dort in die Landschaft eintauche. Das letzte Monat verbringe ich dann wieder im Süden, eine Woche am Meer, die wunderbaren Sonnenauf- und Untergänge an der südlichsten Spitze Indiens und drei Wochen in den Bergen auf 1700 Meter Seehöhe, wo ich dann gar nicht mehr weg will, weil ich dieses einfache Leben auf der Höhe mit Aussicht und einer netten Community so schätzen gelernt habe.

 

Und zum Abschluss noch ein Hinweis auf meinen Artikel zum Thema als Frau alleine in Indien Reisen.

 

Und hier die Route auf google maps:

 


India 2011 -2012 auf einer größeren Karte anzeigen

Hampi – ein persönlicher Bericht

Sonnenaufgang am Hanumantempel
I asked the universe to fall in love and… I fell in love with Hampi (Cheryl, UK)

Als ich Anfang Februar zum zweiten Mal auf dieser Reise in Hampi ankomme, ist es wie ein Aufatmen. Ich war davor ein knappes Monat in Rajasthan unterwegs, wo ich soviel gesehen habe, dass mir der Kopf nur noch schwirrte. Danach war ich in Goa, wollte am Strand die Seele baumeln lassen, wurde aber leider krank und verbrachte die meiste Zeit schnupfend und rotzend. Eine enge Hütte mit einem kleinen Bett zu zweit ist da auch nicht die beste Grundlage.

Und so mache ich mich wieder auf den Weg nach Hampi. Die ersten Tage erhole ich mich und danach fange ich langsam an, Sehenswürdigkeiten zu erkunden, die ich bei meinem ersten Besuch verpasst habe.  Ein zweites Mal fasziniert mich die Landschaft. Und in den kommenden drei Wochen werde ich fast täglich auf zumindestens kleine Erkundungstouren gehen und immer wieder die Landschaft mit Freude  betrachten. Felsformationen, als ob Gott mit Gesteinsblöcken gespielt hätte, um zu schauen, welche Konstruktionen möglich sind. Eine wüstenartige Landschaft umgibt die Gesteinsformationen. Kakteen, Sträucher und Streifenhörnchen tummeln sich hier. Der Kontrast sind die vielen Reisfelder und Palmen, die an allen flacheren und steinlosen Plätzen zu sehen sind. Der Kontrast dieser Landschaft zwischen Wüste und fruchtbarem Land vertieft sich auch noch bei genauerem Hinschauen. Mitten in Reisfeldern ist plötzlich ein Steinbrocken zu sehen, und aus dem Stein sprießt dann wieder Gras hervor.
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Die einzigartige Landschaft von Hampi

 

Neben dieser weiter wachsenden Begeisterung für die Schönheit des Ortes fange ich auch bald an zu recherchieren. Ich habe einen Artikel über Hampi für einen deutschen Newsletter angeboten und beginne, mich mit dem aktuellen Stand vertraut zu machen. Ich spreche mit den zwei Archäologen die seit über 30 Jahren Hampi erforschen, und lerne auch einen lokalen Aktivisten kennen. Sie und alle anderen Ansässigen, mit denen ich spreche, sind der Meinung, das neue Leben, das sich in den Ruinen vor allem aufgrund des Tourismus entwickelt hat, solle nicht einfach dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Menschen, die sich hier Häuser und eine Existenz aufgebaut haben, hätten ein Anrecht hier zu bleiben.
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Aufregung am Basar von Hampi, die Leute wollen ihre Häuser nicht verlassen

 

Ich treffe auch viele andere Reisende. Hampi ist ein Rückzugsort für Sinnsuchende und Langzeitreisende. Ich lerne spannende und unkonventionelle Lebensentwürfe kennen und treffe Leute ohne fertiges Lebenskonzept und/oder mit großen Fragen an das Leben. Vielen von ihnen gebe ich einen Satz von Rilke mit, der auch mir in den letzten Jahren wertvolle Dienste erwiesen hat:
Man muß Geduld haben
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.
Viele tiefgehenden Gespräche werden geführt – vielleicht auch, weil wir wissen, dass unsere Wege sich nicht wieder kreuzen werden.
Nach 10 Tagen ist mein Artikel fertig, und ich erfahre von einem kleinen, sehr einfachen Guesthouse im Nachbardorf. Ich verbringe dort eine Nacht (und einen grandiosen Sonnenaufgang am daneben liegenden “Hausberg”, dem Hanumantempel) und bin so bezaubert, dass ich beschließe, mein schon gekauftes Zugticket zur Weiterreise sausen zu lassen und noch einige Tage zu bleiben. Über eine Woche bleibe ich und genieße meine Zeit über alles. Die Faszination für die Landschaft lässt mich nicht los, und die Einbettung des Guesthouse in ein kleines Dorf hat einen ganz neuen Charme.
Die Unterkunft ist die billigste, die ich auf meiner ganzen Reise hatte, und doch fehlt es mir an nichts. Die ersten Tage verbringe ich in einer Lehmhütte und fühle mich angenehm und sicher – wie in einer dunklen Höhle mit überraschend angenehmen Temperaturen. Die zweite Hälfte bekomme ich dann das in den Fels gebaute Zimmer, welches auch in der Nacht angenehm kühl ist. Das weiß ich vor allem zu schätzen, da mittlerweile Mitte Februar ist und es von Tag zu Tag heißer wird. Der Tagesablauf richtet sich immer mehr nach der Hitze und vor allem der Morgen und der frühe Abend werden für Erkundungstouren genutzt, während wir die heißen Stunden in der Hängematte verschaukeln.

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Nach insgesamt drei Wochen verlasse ich Hampi wieder und bin richtig froh, dass ich eine Freundin weiter im Süden treffe – ich weiß nicht, ob ich da sonst weggekommen wäre. Mardan, der Guesthouse-Besitzer, bringt mich auf seinem Motorrad zur Fähre, und während ich ein letztes Mal durch die Landschaft brumme, werde ich sehr wehmütig. Dieser Ort hat wirklich etwas Besonderes, und der Virus hat schon viele Leute erfasst. Auch mich – und zum ersten Mal seit ganz vielen Orten, wo ich war, weiß ich, dass ich wiederkommen will.

Indien – Zwischenstand

Seit fast 12 Wochen bin ich nun in Indien unterwegs und bevor ich aus dem Norden wieder in den Süden fliege hier ein kurzer Zwischenstand. Die ersten zwei Monate war ich in aller Ruhe im Süden unterwegs, habe mich langsam an Indien angepasst – die Städte und Landschaften, die Religiosität, die Neugier der Menschen und die große Verwunderung, dass eine Frau alleine reist. Weihnachten und Neujahr habe ich in einem einsamen Guesthouse verbracht und bin viel zum Lesen gekommen, konnte ansonst dem Meer beim Rauschen zusehen und -hören.

Anfang Jänner ging der Flug nach Norden. In Rajasthan habe ich eine Freundin getroffen und die letzten drei Wochen waren wir zu zweit unterwegs. Rajasthan ist anders. Wüste – kalte Nächte, warme Tage, wo man gerne in der Sonne ist und nicht immer auf der Suche nach dem nächsten Schatten wie im Süden. Die Landscahft trocken und doch für eine Wüste ausgesprochen grün, mit Sträuchern und Bäumen. Die Städte – eng verschachtelte Häuser, mit vielen Palästen und Forts.
Wir reisen nicht langsam sondern schnell. Mit einer Reisepartnerin die insgesamt nur fünf Wochen und nicht fünf Monate hat, verschiebt sich die Geschwindigkeit. Jetzt ist mein Kopf voll, meine Tagebücher noch immer hinten  nach und mein Notizbuch gefüllt mit Ideen für Geschichten, und Unmengen an Fotos sammeln sich auf meiner Festplatte. Es gibt sehr viel zu erzählen und ich hoffe sehr, dass ich ab kommende Woche (wo ich dann wieder alleine im Süden unterwegs bin) es zumindestens schaffe, wieder zu dem wöchentlichen Rhythmus bei Blogeinträgen zurückzukehren.
In der Zwischenzeit habe ich mal eine Karte gebastelt mit dem bisherigen Reiseverlauf.
Die ist zwar ein bisschen verwirrend, aber gibt doch einen gewissen Überblick. (Für Tips und Hinweise zur Gestaltung der Google Karten – zum Beispiel einfügen von Pfeilen zur Reiserichtung aber auch sonstige – bin ich übrigens sehr dankbar.

 


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Kerala – God’s own Country oder die indische Schweiz

Ist das hier noch Indien, frage ich mich manchmal. Die Straßen sauber, fast keine Kühe oder streunende Hunde von Schweinen ganz zu schweigen. Die Landschaft grün, richtig tropisch, nur vereinzelte Wellbllechhütten und meistens hübsche Häuser – viele mit Veranden und bunt angemalt. Und auf den Straßen überall Frauen.

In den Backwaters von Kerala

Ja, Kerala ist anders. “God’s own country” wird es durch die Tourismusindustrie vermarktet. Die “indische Schweiz”, schießt es mir bei einer Busfährt duch grüne Hügellandschaften an bunten Häusern vorbei, durch den Kopf. Gemeinsam haben beide jedenfalls die Sauberkeit, die schöne Landschaft und den Reichtum.

Viele soziale Indikatoren, wie Geburtenrate, Gesundheitsversorgung, Alphabetisierungsrate usw entsprechen den Werten von Industrieländern – und auch wenn die ökonomische Entwicklung nur bedingt mithalten kann, ist es doch offensichtlich, dass Kerala reicher als andere Bundesstaaaten ist. Alle Leute, mit denen ich hier spreche, geben das gute Ausbildungssystem als Hauptursache an. Bildung hatte hier in vorlkolonialen Zeiten einen hohen Stellenwert – auch für niedrigere Kasten und für Frauen. 1859 wurde die erste Schule für Mädchen in Indien gegründet.

Schulschluss in Munnar

Die gute Ausbildungsrate und die über Jahrhunderte gewachsene Verbindung mit den arabischen Raum führen auch dazu, dass viele Keralaner dorthin auswandern, wo es bessere berufliche Möglichkeiten und mehr Geld zu verdienen gibt. Es ist wie so oft bei derartigen Migrationsbewegungen – einerseits ein Brain- Drain (also Hirnschmalz, in das das Land investiert hat, welchen anderen Ländern zugute kommt), andererseits zeugen viele große private Häuser dass viel Geld aus dem arabischen Raum nach Kerala “zurückkehrt”. Die Gelder der Migranten aus Kerala in anderen Ländern, stellen ein Fünftel des Sozialprodukts dar und sind somit der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Kerala ist auch von der Natur gesegnet, man kann es nicht anders sagen. Das tropische Klima und die vielen Regionen auf mittlerer Höhe erlauben den Anbau von Tee, Kaffee, Kardamon, Vanille, Pfeffer und vielen anderen Gewürzen. Hier ist Vasco da Gama angekommen, als er endlich den Seeweg nach Indien gefunden hatte und es war nicht die pure Abenteuerlust, die ihn angetrieben hat, sondern handfeste ökonomische Interessen – der Handel mit den wertvollen Gewürzen war ein wichtiger Faktor.

Teeplantage in Kumily

 

Vor Vasco da Gama haben aber schon viele andere ihren Weg über das Meer an die süd-östliche Küste des Kontinents gefunden. Es gibt Hinweise auf eine jüdische Gemeinde vor Christi Geburt, und auch der hl. Thomas soll in Kerala gewesen sein und somit den Grundstein für frühe christliche Gemeinschaften gelegt haben. Die Region steht also schon seit vielen Jahrhunderten in Austausch mit verschiedensten Kulturen, was sicher kein Nachteil für die Entwicklung ist. Und so ist der Anteil der muslimischen und christlichen Bevölkerung weitaus höher als in anderen Bundesstaaten.

Indische Touristen in Munnar - Fotografieren und fotografiert werden ist sehr wichtig

Kerala ist auch eine wichtige Tourismusdestination. Obwohl es einer der kleineren Bundesstaaten ist, steht es bei den Statistiken ganz oben auf der Liste. Neben den vorhandenen natürlichen natürlichen Ressourcen liegt dieser Erfolg wohl auch die massive Vermarktung ab den 1980er Jahren als “God’s own country”. Zahlreiche Ökotourismusinitiativen versuchen eine positive Entwicklung von Umwelt und Gesellschaft zu fördern und haben auch einige internationale Preise dafür bekommen. Die tourismuskritische Organisation Equations zeigt hingegen die negativen Aspekte des Tourismus in Kerala auf.

Che Guevara Busstation in Eddakad

Welchen Anteil an Entwicklung Keralas die kommunistischen Regierungen haben, die seit 1957 regelmäßig demokratisch gewählt werden? Ich traue mich nicht es abzuschätzen. Die Landreformen der 1960er und 70er Jahre, welche den Großgrundbesitz stark zurückgedrängt haben, hatten jedoch sicher einen bedeutenden Anteil. Unser Bootsführer bei einem Ausflug in die Backwaters führt auch an, wie gut hier alle gewerkschaftlich und in den Dörfern organisiert seien und Streiks scheinen sehr üblich sein. Die kommunistische Partei ist jedenfalls überall präsent, sei es durch Fahnen, Plakaten, Demonstrationen oder Che Guevara Bildern in den Busstationen.

Auch in Kerala werde ich angebettelt, sehe ich schäbige Hütten ohne Einrichtung und Obdachlose. All dies jedoch in einen viel geringerem Ausmaß als in anderen Regionen und die Menschen sind auffallend freundlicher und hilfsbereiter – was wohl auch kein schlechter Indikator ist.

Freud und Leid mit Rickshawfahrern

Wohin das Auge blickt - ueberall Rickshaws

“Madam, do you want a Rickshaw? I  can organize all tours for you, and I can guide you”. Egal wohin man kommt – gerade kurz nach der Ankunft gibt es eine gewisse Garantie alle paar Meter auf diese Weise angesprochen zu werden. Das entspricht oft so gar nicht unserer Vorstellung vom gemütlichen Ankommen, sich erst einmal umschauen um dann langsam einen Plan für die kommenden Tage zu machen.

Auch in Kumily einem kleinen Bergdorf an der Grenze zwischen Kerala und Tamil Nadu, werden wir von allen Seiten bombardiert. Ein junger Mann, fragt auch nach einer ersten ablehnenden Antwort von unserer Seite hartnäckig weiter. Da kommt meine Reiseabschnittspartnerin auf die Idee ihm weiszumachen, das gehe nicht, weil wir sieben Leute seien. Nur kurze Zeit später bietet er uns an, eine Rickshaw für sieben Personen zu organisieren – was wir natürlich dankend ablehnen.

Unsere Halbtagestour zur Teefabrik und zu einer Gewürzplantage buchen wir dann über eine Reiseagentur, und als wir am kommenden Tag in der Früh von einem Rickshawfahrer abgeholt werden, blickt uns ein junges Gesicht erwartungsvoll an und fragt: “Do you remember me”. Nein tun wir nicht – er aber, ihm haben wir nämlich die Geschichte mit den sieben Personen aufgebunden. Wir sind beschämt. Es ist tatsächlich so, man fängt an, die Leute nicht mehr anzuschauen, weil man das Gefühl hat, überall will einem jemand was verkaufen, und ein Blick könnte vielleicht eine Ermunterung darstellen.

Sunesh, so heißt der junge Mann, wird sich in den kommenden Tagen als ausgezeichneter Führer mit blendenden Englischkentnissen herausstellen. Er zeigt uns nicht nur, die in der Tour vorgesehenen Sehenswürdigkeiten, sondern führt uns auch zu weiteren Plätzen und kümmert sich rührend um meine neue Freundin, als sie versucht eines der begehrten Tickets für das Morgenboot im Naturpark zu ergattern. Er wird uns auch einiges erzählen, was es heißt Rickshawfahrer zu sein, wie schwierig es ist an Touristen heranzukommen und dass sie einfachen Fahrern einfach nicht vertrauen, sondern meistens über eine Reiseagentur buchen (was für ihn natürlich Abschläge bedeutet). Und er erzählt uns auch von dem kurzen Moment, als er dachte er hätte den großen Fisch gefangen, und könne eine Tour für sieben Personen organisieren.

Wo auch immer ich hinkomme, habe ich den Eindruck, es gibt zu viel touristische Infrastruktur: zu viele Rickshaws, zu viele Führer, Geschäfte und Unterkünfte. Umso hartnäckiger, so kommt mir vor, wird um jeden einzelnen Gast gekämpft. Ich werde auch in Zukunft einen großen Bogen um viele junge Männer machen, die mir ein Geschäft anbieten wollen. Es ist mir jedoch auch ein Anliegen, nicht zu vergessen, dass hinter jeder dieser Anfragen ein Mensch mit einer Geschichte und dem Wunsch seine Familie zu ernähren steckt.

Bijapur ein Hauch vom Norden

Ibrahim Rauza

 

 

In den hinduistischen Tempeln ein Übermaß an Geschichten, Göttern und Bildern. Hier in Bijapur – islamische Baukunst, das Agra des Südens wie manche sagen. Die Bauwerke beeindrucken durch ihr Gesamtkonzept und die Stimmungen. Das Golgumbaz hat einer der größten freistehenden Kuppeln überhaupt und das Ibrahim Rauza ist eine wunderschön angelegt Moschee und einem dazugheörigen Mausoleum.   Und während sich in den hinduistischen Stätten ein Tempel an den anderen reiht, gibt es Bijapur fast genausoviele Mausoleen wie Moscheen – was schon einen eindeutigen Hinweis auf die unterschiedlichen Bestattungsrituale gibt.

Mir kommt vor – zumindestens vom äußerlichen – unterschiedlicher können Religionen nicht sein. Und auch wenn religiöse Zusammenstöße in Indien regelmäßig die Welt in Atem halten, so sehe ich bis jetzt vor allem, dass beide Religionen sehr lebendig nebeneinanderleben.

 

Insgesamt glaube ich, dass mir Bijapur einen ersten Eindruck vom Norden gegeben hat. Es ist sozusagen das Ende des Südens. Zu diesem Schluss kommt auch ein französiches Pärchen, mit denen ich im absolut unlauschigen Hotelrestaurant ein Abendessen nehme. Die Landschaft ist flach, die Luft auf einmal sehr trocken. Auf der Straße zeigen alle auf mich, viele schauen mich böse an, verfolgen mich oder rempeln mich an. Dass ich weder Hindi noch die lokale Sprache Kannada spreche wird auch nicht goutiert.

 

Bijapur ist auch die Stadt in der ich endgültig merke, dass es mir schon ein Anliegen ist, eine angenehme Möglichkeit zum draussensitzen zu haben. Mein Hotel hat zwar einen Gastgarten, der sperrt aber erst um 7:00 am Abend auf, und ich werde von den Hotelangestellten fast körperlich abgehalten dort hinzugehen. Es handelt sich nämlich um einen “Beergarden”, wo nur Männer sitzen. Und so nütze ich die großen Gärten, welche die meisten Sehenswürdigkeiten umgeben, für ausgedehnte Pausen, lesen und Tagebuchschreiben.
Nach drei Tagen verlasse ich Bijapur wieder Richtung Süden. Eine ausgedehntere Reise in den Norden (Rajasthan) ist dann für Jänner vorgesehen. Ich bin jetzt schon sehr neugierig auf den Kontrast.

 

Leute treffen

Ich sitze in einem Familyrestaurant (das sind Restaurants,, die dezidiert für Frauen und Kinder geöffnet sind) als ein kleines Mädchen auf mich zukommt. Ganz artig schaut sie mich an und fragt mich: What is your name und nach meiner Antwort gleich die zweite Frage nach meinem Herkunftsland .  Eine weitere Antwort und zwei Gegenfragen später  bedankt sie sich und verlässt lächelnd an der Hand ihres Vaters (der mir freundlich zunickt) das Restaurant.

Als Ausländerin bist du auch in touristischen Orten etwas Besonderes. Immer wieder werde ich ein paar einfache Fragen gefragt, oder gebeten mit einer kleinen Gruppe oder Familie für ein Foto zu posieren. In der größten touristischen Attraktion von Bijapur, wo sich gleichzeitig Hunderte von Leuten tummeln, bin ich die einzige Ausländerin und fast kommt es mir vor ich werde öfters fotografiert als das Monument selber.

Im Zug ergeben sich oft spannende Gesrpräche

Oder im Zug – Im Rahmen meiner bisherigen drei Zugfahrten in Indien durfte ich die Bekanntschaft von jungen gut ausgebildeten Menschen, mit ausgezeichneten Englischkenntnissen machen. Radika die Leebnsmittelontrolleurin aus Bangalore, Raju der mit seinen Eltern von Agra nach Chennai gezogen ist und jetzt Mitglied der Airforce werden will, Satim der Maschinenbauer dessen Familie in Rajasthan ist, während er für die Bahn weit weg im Süden arbeitet, und dessen Chef nach Wien fährt um auf speziellen Maschinen eingeschult zu werden. All diese Begegnungen, geben mir interessante Einblicke in dieses Land und ich möchte sie nicht missen, auch wen n ich manchmal am Ende der Zugfahrt, die Frage ob ich denn bei Facebook sei, verneine.

Manchmal werde ich gebeten Leute zu fotografieren

Aber dann gibt es noch die andere Seite, welche mir hier in Mysore wieder besonders auffallt. Junge Männer, die mich einfach auf der Straße ansprechen, ein scheinbar unverfängliches Gespräch anfangen, sich als Freunde und Helfer ausgeben. Worauf es hinaufläuft ist unterschiedlich, manche wollen sich als Fremdenführer betätigen, andere versuchem mich in das Internetcafe oder Seidengeschäft ihres Bruders zu locken.

Die Unterscheidung wer einfach nur reden will oder wer mit mir hintenrum ein Geschäft anbahnen will, geht mitllerweile ganz gut. Und es macht auch einen großen Unterschied ob jemand von vorne auf mich zukommt, mir in die Augen schaut und ein Gespräch anfängt, oder ob jemand auf einmal auf meiner Seite geht oder gar aus einigen Metern Entfernung zu mir rüber brüllt. Trotzdem fällt es mir schwer, diese scheinbar unverbindlichen Gespräche abzubrechen oder gar nicht anzufangen. Zu sehr liegt da der Vorwurf des Unhöflich seins in der Luft oder wird auch ausgesprochen. Das trifft mich dann doch.

Als mich heute ein junger Mann, der plötzlich neben mir geht, mit der Frage: “Wie findest du Indien?”, anspricht , antworte ich, dass es schon ein eigenartiges Land sei, in dem eine mitten auf der Straße wildfremde Männer ansprechen und ein Gespräch beginnen wollen. Er auch nicht blöd, meinte nur dass sei wohl mit dem bekannten Werbeslogan “Incredible India” gemeint.

Was mir jedoch auch auffällt, ist dass sich alles am dritten Tag ändert, den ich an einem ort verbringe. Ich weiß noch nicht, ob es daran liegt, dass ich mich anders bewege, oder dass mein Gesicht bei relevanten Akteuren, dann schon bekannt ist. Jedenfalls werde ich seltener und weniger hartnäckig angesprochen. Und dadurch werde ich dann auch offener für diese netten Gespräche, die sich dann ganz leicht im Bus oder im Park ergeben. Dies bestärkt mich darin, mich weiter langsam fortzubewegen und genug Zeit an jeder Station zu verbringen.

Badami – der Charme, der sich langsam erschließt

Badami mit See und Felsen im Hintergrund

Hier gibt es keine gemütlichen Hotels, angenehme Sitzecken oder ähnliches. Das Dorf besteht aus einer lebendigen Haupstraße und hübsch verwinkelten, weißgetünchten ebenerdigen Häusern. Die Hauptstraße – ein ständiges Hupen, Herumgeschreie, Busse, Kühe, Schweine, kleine Essenstände und dahinter kleine Geschäfte. Hinter dem Dorf liegt ein künstlicher, viereckiger See der auf drei Seiten von Gats umgeben ist. Das sind die Stufen die ins Wasser führen, und vor allem für die Wäsche waschenden Frauen äußerst hilfreich sind. Auf zwei Seiten des Sees erhebt sich eine Felsformation und so schmiegt sich der See fast ein bisschen in ein Tal hinein. Die Landschaft ist steinig und karg mit schönen Aussichten.

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Landschaft rund um Badami

 

Die Hauptattraktion von Badami sind die Felsentempel aus dem 6. Jahrhundert auf der einen Seeseite. Die Säulen sind nicht mit Skulpturen umgeben, wie ich es in Hampi so oft gesehen habe. Dafür gibt es wirkliche große Figuren von den wichtigsten Göttern.

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Felsentempel in Badami

 

Auf der anderen Seeseite gibt es weitere Tempel den Hang entlang hinauf, teilweise durch kleine Schluchten, bis hinauf zu einem Fort

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Gats (Stufen) am künstlichen See

 

Es ist überraschend: Badami ist Ausgangspunkt für die Besichtigung von Tempelanlagen in drei Orten: Badami, Aiole und Pattadakal, letzteres ist sogar ein Weltkulturerbe. Hier auf den Straßen merkt man davon nur wenig. Westliche Touristen sind noch an einer Hand abzuzählen. Jedoch sind in den Tempeln viele indische Touristen zu sehen.

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Dorfgasse mit Malegitti Shivalaya Tempel im Hintergrund

 

Nahezu alle Hotels liegen entlang der lärmenden Hauptstraße und keines von ihnen strahlt so etwas wie Charme aus. Ich suche meines aus, weil es laut Reiseführer ein Restaurant mit Garten hat. Restaurant gibt es zwar keines, aber einen Hinterhof wo man angenehm ruhig an der frischen Luft sitzen kann.

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Entlang der Hauptstraße von Badami

 

Hier lerne ich auch Ivan und Andreas kennen. Beide sind semiprofessionelle in Österreich wohnende Kletterer. Sie sind seit vier Wochen hier und bouldern fast täglich an den herumliegenden Felsen herum.

Ich habe schon im Vorfeld gehört, dass Badami gut zum Klettern ist, allerdings nicht so erschlossen wie Hampi. In Hampi gibt es eigene Kletterresorts und Verleihstellen. Das ist hier anders. Die Kletterer reisen mit ihren eigenen Crashpads an und reisen mit dem Taxi aus Goa an, da sonst das viele Material gar nicht zu transportieren wäre.

Ich habe sofort Phantasien bezüglich der Entwicklung eines Klettertourismus und frage mich, inwieweit das eine Chance für den Ort sein könnte. Diese Ideen werden aber von den beiden schon im Keim erstickt. Klettern sei zwar vielleicht modern, aber langfristig habe der Sport nicht das Zeug zum Breitensport. Die Eintrittssbarrieren seien zu hoch (hohe Fitnessansprüche, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit). Außerdem gäbe es keine positiven Beispiele von Klettertourismus. Wenn Gebiete einmal zum Klettern erschlossen werden, werden sie dadurch auch zerstört. Auswege sieht er keine – auch nicht durch ein ausgeklügeltes Site Management (ganz abgesehen davon, dass ein solches in Indien wohl nur schwer umzusetzen wäre).

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Es gibt eindeutig mehr Affen als Touristen in Badami

 

Und so wird Badami wohl weiter ein kleiner Spot auf der touristischen Landkarte bleiben, wo Touristengruppen für eine schnelle Besichtigung absteigen, einzelne Traveller auf dem Weg zwischen Hampi und Bijapur Zwischenhalt machen und genauso vereinzelte Kletterer die Felsen erkunden.

Das Ramayama – ganz kurz

Das Ramayama ist einer der zentralen Epen in Indien.  Es ist zwar nicht so lang wie das bekanntere Mahabarata (welches solange ist wie die Ilias und die Odyssee gemeinsam), ist aber trotzdem noch eine recht verwickelte Geschichte, welche sich geographisch über den gesamten indischen Subkontinent erstreckt. Da das Ramayama zum Teil in Hampi spielt, und da es mir hier sowieso fast ueberall begegnet, hier also eine ganz kurze Zusammenfassung

Rama ist erstgeborener Königssohn in Ayodha im Norden von Indien und eine Reinkarnation von Vishnu. Sein Vater ist jedoch einer seiner weiteren Frauen noch etwas schuldig und diese verlangt von ihm, Rama ins Exil zu schicken, damit ihr Sohn König werden kann. Rama geht daraufhin mit seiner Frau Sita und dem ihm ergebenen Bruder Lakshman ins Exil und verbringt einige Jahre in den Wäldern. Eines Tages versucht die Schwester des Dämons Ravana Rama zu bezirzen. Sie ist aber nicht erfolgreich, ja Rama schneidet ihr sogar die Nase ab. Diese Schmach nun kann Ravana nicht auf sich sitzen lassen und entführt mit einem miesen Trick Sita.

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Ravana entfuehrt Sita

 

Rama und Lakshman machen sich nun auf die Suche nach Sita und landen dabei auch im Affenreich Kishkinda.Das ist die Region rund um Hampi Dort  regeln sie dann noch königliche Bruderzwistigkeiten, bevor sie losziehen um Sita zu suchen. Mit auf dem Weg ist nun Hanuman – der ein Heer von Affen unter sich hat, und spaeter als Affemgott bekannt wird.

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Hanuman trifft auf Rama und Laksman

 

Dieser wird zuerst nach Lanka (wo Sita ist) vorgeschickt, um die herbeieilende Hilfe anzukündigen. Dabei wird er gefangengenommen und setzt im Zuge seiner Befreiung einmal schnell Lanka in Flammen. Die Befreiung von Sita wird mit dem Bau einer Brücke nach Lanka und mit Hilfe der von Hanuman befehligten Affenarmee eingeleitet. Den darauffolgenden Krieg gewinnt Rama auch wenn Laksman dabei verwundet wird.

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Hanuman ueberbringt Sita den Ring als Botschaft von Rama

 

 

Nachdem Rama auch noch in Lanka die Bruderzwistigkeiten um den Thron regelt geht es für Rama, Sita und Hanuman wieder nach Hause. Vor dem umfassenden guten Ende muss sich Sita allerdings noch einer Feuerprobe unterziehen, da ihre Ehre sonst in Zweifel wäre.

Hier im Süden, wo ich gerade bin, sind Darstellungen vom Ramayama in vielen Tempeln zu finden. Nicht, dass ich die einzelnen Teile der Geschichte auf den Skulpturen schon identifizieren könnte. Dazu sind auch die Reiseführer nicht genau genug. Aber manchmal gibt es in den Tempeln eine Art Betreuer die, im Austausch für ein kleines “Geschenk”  zumindestens rudimentär über die Inhalte der Skulpturen Auskunft geben. Seltener kann ich auch bei einer Gruppe lauschen (dies vor allem dann, wenn es sich um westliche Gruppen handelt, die aber nur selten anzutreffen sind).

Da kommen mir die Kinderbücher mit den wichtigsten Geschichten gerade recht. Um 50 Rupien (70 Cent) kaufe ich ein bebildertes Kinderbuch, welches die Geschichte von Rama zusammenfasst. Ist noch immer überraschend kompliziert, aber wirklich gut um einmal einen Überblick zu bekommen. Es gibt auch Comics, die Geschichten von Göttern und Helden nacherzählen. Da werde ich sicher noch einmal zuschlagen.

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