Viel Fliegen – Abschiede und neue Ufer

Blick zurück – Türkei unter Wolken …

 

Manchmal reise ich nicht langsam sondern richtig schnell – quasi im Warp Antrieb. So zum Beispiel die letzten Tage. Nach über fünf Monaten in der Türkei bin ich am Samstag wohlbehalten bei Nieselregen und nur wenigen Graden über den Gefrierpunkt in Wien angekommen.

Am Tag darauf  zu nachtschlafener Zeit in den Flieger gestiegen und nach Spanien gedüst. Dort werde ich ab Ende Jänner für mindestens zwei Monate ein wunderschönes Haus mit großen Garten hüten. Einen Tag später war ich schon wieder zurück in Wien. Und heute geht es gleich weiter nach Salzburg – wieder nur für zwei Tage.

… und nach vorne – Spanien ich komme (bald)

 

Jetzt bin ich müde. Sitze im nasskalten Wien und versuche die vielen Flüge und Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten,vermisse jetzt schon die Türkei und versuche, die Energie zu finden, um alles zu erledigen, was gerade so ansteht.

Das nächste Monat ist für mich eine Zeit des Überganges. Ich werde meine Wohnung in Salzburg endgültig auflösen (weil zu teuer, wenn ich sie nur wenige Wochen im Jahr benütze), und mir in Wien einen kleinen Stützpunkt aufbauen, wo ich zwischen meinen Reisen kurz anhalten und umpacken kann.

Bei all dem Trubel und Änderungen freue ich mich aber auch nach einigen Jahren Weihnachten und Silvester wieder mal in Wien bei Familie und Freundinnen zu verbringen, auch wenn mir das nasskalte Wetter ziemlich zusetzt. Und demnächst geht es hier wieder weiter mit Berichten aus der Türkei und von anderswo.

Winter an der lykischen Küste

Große Schiffe und wilde Lichtspiele – Winter am Meer

 

Kış geldi – der Winter ist gekommen. Hört man allerorts. Der letzte Regen war so richtig stark – und danach sind die Temperaturen wieder ein paar Grad gefallen.

Jetzt stellen auch die Hartgesottensten ihre Öfen an und in vielen Geschäften sind kleine Heizstrahler zu sehen, deren Wirksamkeit sich bezweifeln lässt. Gummstiefeln werden zu einem wichtigen Utensil, kleinere Überschwemmungen allerorts.

Auch das Waldhäuschen, in dem ich mich niedergelassen habe, ist davon betroffen.Auf einmal floss da ein kleiner Bach durch – den die junge Katze mit großer Verwunderung begutachten musste.

Oft ist es kalt und windig – und ich will gar nicht so viel rausgehen. Wenn aber dann die Sonne ein bisschen hervorkriecht gibt es grandiose Licht-und Wolkenspiele und die Fernsicht ist atemberaubend. Das Meer ist wild mit hohen Wellen und plötzlich gibt es in allen Buchten große Schiffe zu sehen, die hier “parken” bis sich Wind und Wetter ein bisschen legen.

 

Arbeiten im Hotel (2) – Kolay Gelsin – die Freude am Arbeiten

“Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten “ Aristoteles

 

Im Auftakt meiner Artikelserie über meine Zeit in einem kleinen türkischen Hotel habe ich meine persönlichen Highlights in dieser Zeit beschrieben. Heute geht es um die Grundhaltung, die ich versucht habe in meine tägliche Arbeit zu integrieren.

 

Meine liebe Arbeitskollegin D. hat mir gleich zu Beginn einen türkischen Wunsch erklärt. Kolay Gelsin – wörtlich übersetzt “Möge es leicht kommen”. Im Alltag ist dies etwa mit “Frohes Schaffen” gleichzusetzen. Mich hat dieser Spruch jedoch angeregt die Arbeit leicht kommen zu lassen. Neben Freude an der Arbeit bedeutet dies für mich auch, in einen gewissen Arbeitsfluss zu kommen, wo eine Tätigkeit nahtlos und logisch in die nächste übergeht.

 

Und es gab sie, die vielen schönen Momente, nicht nur auf den Aktivitäten, die ich begleiten durfte, sondern auch im Hotel an der Rezeption, wo einfach eine gute Stimmung da war. Und sogar bei nicht so tollen Tätigkeiten – wie z.B. dem Erstellen der Transfer- oder Putzlisten, kam ich oft durchaus in einen gewissen Fluss. Wollte ich doch auch, dass alle Gäste zum richtigen Zeitpunkt abgeholt wurden und ihre Zimmer rechtzeitig fertig waren. Der Gedanke an das Ergebnis kann also auch für durchaus freudige Momente sorgen.

Die Fähigkeit in der Arbeit – und hier vor allem im Dienstleistungsbereich, und im Tourismus schon überhaupt – Freude zu entwickeln, ist – so glaube ich – eine “Klappe”, die einige Fliegen gleichzeitig schlägt. Erstens geht es einem natürlich selber besser und dadurch wirkt man zweitens den Gästen gegenüber glaubwürdiger. Wenn ich zur Arbeit gehe und mich wirklich gerne um meine Gäste kümmere, wird das Ergebnis auch besser sein. Und das macht drittens die Gäste dann zufriedener und darum geht es ja im Endeffekt. Der Kreis schließt sich dann damit, dass zufriedene Gäste positive Rückmeldungen geben, und nicht nur die Angestellten glücklich sind, sondern auch das Management, weil Stammgäste gutes Geld mit wenig Marketingaufwand bringen.

Oft ist mir dies gut gelungen, und die Rückmeldungen der Gäste und der KollegInnen haben mich darin bestätigt. Leider gab es im Hotel neben all der guten Stimmung , nicht nur meiner Wahrnehmung nach,  auch eine Kultur des Meckern und Jammerns, geprägt von geringer Wertschätzung und zahlreichen Konflikten. Dieses vor den Gästen abzuschirmen, kann ein enormer Mehraufwand sein, und das hat mich auch dazu gebracht vorzeitig zu gehen (doch dazu in einem späteren Artikel mehr).

Den Gedanken bei der Arbeit diesem Fluss und dieser Freude ein stärkeres Augenmerk zu widmen, nehme ich jedenfalls mit. Und für mich verbindet sich diese Idee auch mit einer Aussage aus der Bhagavagita, in der es sinngemäß heißt, dass man die Arbeit verrichten soll, sich aber nicht an deren Früchten binden soll. Dies könnte man ja so interpretieren, dass die Aktivität an sich den Wert darstellt und mit entsprechender Hingabe getan werden soll. Aber darüber werde ich dann in Ruhe auf der nächsten Station meiner Reise nachdenken – wenn ich nach Spanien fahre und mich dort dann wieder ein bisschen in meine Studien vertiefen will.

Im nächsten Teil dieser Artikelserie geht es dann weiter mit Überlegungen zum Thema Hotel und Familie. Bald.

Teil 3: Das Hotel und die türkische Familie

Im Hotel arbeiten (1) – die Höhepunkte

Küstenwanderung – der erste Höhepunkt – Sonnenaufgang in der Bucht von Adrasan

So viele Jahre war ich rund um das große Thema Tourismus tätig – in der angewandten Forschung, als Projektmanagerin für Bildungs-, PR- und Regionalentwicklungsprojekte rund um das Themenfeld sozial- und umweltverträglicher Tourismus und schlussendlich als Eventmanagerin für eine große europäische Konferenz. Parallel dazu immer viel auf Reisen und überall die “Brille” der Touristikerin aufgesetzt – also immer einen professionellen Blick. Und doch die ganzen Jahre – habe ich Hotels immer nur als Gast gesehen und nie von innen, von der Seite derjenigen, die in einem Hotel arbeiten. Als ich letztes Frühjahr die Gelegenheit bekam, in einem kleinen Hotel an der lykischen Küste (Türkei) in der Gästebetreuung mitzuarbeiten, konnte ich gar nicht anders als zuzusagen.

Schlussendlich habe ich dann drei Monate im Hotel gearbeitet und dabei eine unglaubliche Anzahl an Erfahrungen gesammelt. Eine kleine Auswahl davon möchte ich in einer kleinen Artikelserie vorstellen. Und der Anfang – was könnte besser geeignet sein – sind meine persönlichen Highlights.

So viele nette Gäste

Das Allerbeste an der Arbeit war der direkte Kontakt zu Gästen, größtenteils angenehmen und gescheiten Gästen. Viel mehr Frauen als Männer, die mit einem gemeinsamen Wunsch gekommen sind: Einmal für ein paar Tage nur entspannen. Es war immer wieder eine Freude mitanzusehen, wie die Gäste  von Tag zu Tag mehr  loslassen,  das Yoga, das Meer, die Natur, aber auch den Kontakt zu Mitreisenden als Quelle der Entspannung und Inspiration entdecken. Viele weinten beim Abschied und erzählten, sie hätten sich noch nie so schnell und so gut entspannt.

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Küstenwanderung – später nur mehr sitzen und schauen…

 

Erste Gehversuche in der Burn-Out Prävention

Ich hatte auch die Gelegenheit, erste Schritte im Bereich Burn-Out Prävention zu setzen. Einmal pro Woche gab es eine Inforunde und bei Interesse noch eine weitere Einheit. Die Rückmeldungen waren super positiv und haben mich sehr bestärkt in dieser Richtung weiterzuarbeiten. Gleichzeitig sehe ich aber auch die Schwierigkeit, sich im Urlaub mit so einem sperrigen Thema wie Burn-Out Prävention zu beschäftigen. Viele Gäste haben mich fast entschuldigend angesprochen mit dem Hinweis, dass sie eigentlich dringend Input in diesem Bereich benötigen, sich aber nicht dazu aufraffen könnten, und in dieser einen mühsam abgerungenen Woche eigentlich nur entspannen und sich nicht mit Problemen beschäftigen wollen. Dafür hatte ich natürlich auch volles Verständnis.

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Schauen… auf Meer und mehr

 

Einmal pro Woche – Küstenwanderung (inklusive Sonnenaufgang)

Und dann durfte ich auch noch einen der wöchentlichen Ausflüge führen – und das war eine besondere Freude. Eine Morgenwanderung, zuerst zum Sonnenaufgang am Strand und dann der Küste entlang bis zu dem Punkt, wo man einen kleinen Leuchtturm sieht und ganz viel Meer. Im Laufe der Zeit habe ich diese  adaptiert und eine Fotowanderung daraus gemacht. Mit Inputs zur Bildgestaltung, ab. er auch gewürzt mit  Nachdenkereien über Fotografie. Das Glänzen in den Augen der TeilnehmerInnen nach diesen Wanderungen entlang eines wirklich traumhaften Küstenstreifens wird mich noch länger begleiten.

Ja – ich habe schon tolle Erfahrungen gemacht. Das Arbeiten im Hotel brachte für mich jedoch auch eine Reihe von neuen Erkenntnissen – doch dazu das nächste Mal mehr.

 

Ein ehemaliges Restaurant am Straßenrand – Ulupinar

Ulupinar ist ein kleines Dorf an der Küstenstraße südlich von Antalya welches in erster Linie für seine Forellenrestaurants bekannt ist. Ganze Busse kommen hier in den heißen Sommermonaten her –  im Schatten des Waldes und mit der kühlen Luft der wassereichen Bäche ist es wohl einer der besten Orte, um sich in der glühenden Sommerhitze ein bisschen abzukühlen.

Die meisten Restaurants sind riesig, und auf große Buspartien ausgerichtet, die aus den naheliegenden Urlaubsorten Kemer, Camyuva und Tekirova raufgekarrt werden. In manchen können sogar die Forellen zum großen Gaudium der Touristen selber aus dem Bach gefischt werden.

Als wir vor kurzem mit dem Auto durch den Ort gefahren sind, ist mir jedoch ein richtig hübsches Häuschen aufgefallen – ein schon länger geschlossenes Restaurant. Wirklich schade drum – ein schöner schattiger Garten, dazu das Steinhaus mit Kamin und Holzfenstern – so verrottet es jetzt vor sich hin. Als Fotomotiv ist es natürlich schön so – seht selbst.

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Unbenannt

Arykanda – eine lykische Stadt in den Bergen

“Die Bewohner von Arykanda müssen glückliche Menschen gewesen sein”, schießt es mir durch den Kopf, während ich in Arykanda hoch oben am Berg im alten Amphietheater stehe und die Aussicht bewundere. Ich stelle mir vor, wie die Theaterbesucher vor über 2000 Jahren nicht wussten, ob sie sich das Schauspiel oder die Aussicht anschauen wollen – bzw. in der Nacht den Sternenhimmel.

 

Auch sonst zeugen die verbliebenen Ruinen der lykischen Stadt nicht gerade von Armut. Bürgerhäuser, eine politische und eine Handelsagora, Thermen, Bäder, ein Stadion . Die Bewohner von Arykanda sollen aber auch verschwendungssüchtig gewesen sein, konnten die Stadtkasse aber wohl durch Handelseinnahmen dann doch wieder füllen.

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Viel ist nicht übrigeblieben und einiges lässt sich nur erahnen,  und doch – oder vielleicht auch deshalb – strahlt der Ort eine ganz eigene Magie aus. Die Ruinen sehr malerisch, umgeben und durchwachsen von Bäumen und Sträuchern,  auf einen sonnigen Westhang in luftiger Höhe kurz vor Elmali wo sich die Häuser den Hang entlang nach oben schmiegen. Die Aussichten atemberaubend – am besten jedoch vom Theater (siehe oben).

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Interessant auch welche Gebäude sich ganz oben am Hang befinden. Nicht nur das schon erwähnte Amphietheater, auch die Shoppingmeile, zwölf quadratische angelegte Geschäfte an einen schönem Platz mit – natürlich – auch einer herrlichen Aussicht. Warum aber die Geschäfte ganz oben sind erschließt sich mir nicht ganz, ist es doch mühsamer alle Waren bei der Anlieferung zuerst ganz rauf zu bringen. Andererseits ist gleich neben den Geschäften das Rathaus (die alten Griechen sagten dazu  Bouleiterion) – ist dann natürlich auch praktisch für die Geschäftsleute, wenn sie gleich nach Ladenschluss nur zweimal Umfallen müssen, um in den Gemeinderat zu kommen.

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Mehrere Stunden verbringen wir an einem Novembertag in der Anlage und wandeln durch die Zeit – nichts stört die Ruhe und ich fotografiere mit Freude und Leidenschaft vor mich hin…als ich plötzlich drei Soldaten in voller Montur und mit Gewehren auf den Sitzreihen des Theaters sehe. Kurz rutscht mir das Herz in die Hose und ich packe mal sicherheitshalber die Kamera zur Seite. Sie wollen aber wohl auch nur eine kurze Pause machen und die Aussicht genießen und sind auch nur wenige Minuten später wieder weg. Dann gibt es wieder Ruhe und diese einzigartige Athmosphäre – die mich noch lange nicht loslassen wird.

Tipps
  • Genug Zeit einplanen. Gerade hier wäre es schade, nur die zahlreichen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Die Aussicht und die verwunschene Anlage bieten sich gerade zu an, einfach einmal der Nase zu folgen und auch einmal ein längeres Päuschen einzulegen.
  • Tageszeit: Gerade zur heißen Jahreszeit (also ca. Mitte Juni bis Mitte September) sollte die Mittagszeit umgangen werden. Viel zu heiß und auch die Fotos werden dann nicht zu schön. Am besten am späten Nachmittag kommen und sich am Abendlicht erfreuen.
  • Ausrüstung: ein bisschen festere Schuhe (z.B Trekkingsandalen) erhöhen den Spaßfaktor beim Herumklettern und Streunen erheblich. Wasser und etwas zum Knabbern ebenso.
  • Ich sage es nur ungern, aber Lykien ist generell am besten mit dem Auto zu erkunden. Laut meinen Informationen gibt es jedoch eine Dolmusverbindung von Finike und Kumluca (Dolmus nach Elmali). Von der Abzweigung nach Arykanda sind es dann nur mehr weniger hundert Meter zu den Ausgrabungen. Es gibt übrigens auch eine Pension bei dieser Abzweigung, die von außen sehr charmant ausschaut.
  • Und last but not least: Der kleine Wasserfall fast direkt an der Straße, nur wenige Meter nach der Abzweigung zu Arykanda. Hier gibt es nicht nur Unmengen an gut schmeckenden Quellwasser (Flaschen mitnehmen!), sondern auch eine kleine Lokanta mit leckeren Essen, frisch gegrillter Mais zum mitnehmen, und ein kleiner Bazar mit den wohlschmeckenden Elmaliäfpfeln  – Nicht versäumen.

Und hier noch eine kleine Diaschau mit einigen weiteren Bildern. Enjoy!

Herbst an der lykischen Küste

Die Wörter für Frühling und Herbst sind im Türkischen sehr ähnlich. Der Frühling im zweiten Jahresviertel von März bis Juni heißt Ilk bahar – übersetzt der erste Frühling. Wenn bei uns in Europa Herbst ist, ist in der Türkei Son Bahar – der spätere Frühling. Und es ist tatsächlich so – wo über die Sommermonate die Landschaft immer trockener wurde, das Gras und die Blumen langsam verschwanden – blüht und gedeiht nun alles wieder. Grüne  Matten legen sich über die langsam feuchter werdenden Böden, und allerlei Herbstblumen machen die Landschaft wieder bunt.

 

Gleichzeitig werden die Tage immer kürzer, die Nächte frischer und immer wieder gießt es für ein paar Tage in Strömen. In dem,  kleinen Holzhäuschen, in dem ich wohne, machen wir uns langsam winterfest. Holz ist geliefert worden, die dünnen Holzwände mit Teppichen verdeckt sowie Dächer und offene Terassen mit Folie abgedeckt. Und ich bin umgezogen – vom luftigen Baumhäuschen in der Höhe bin ich nun in eine erdnähere und besser isolierte Holzhütte umgesiedelt – was die Stabilität meiner Körperwärme beträchtlich verbessert.  Das war auch notwendig, habe ich doch gar nicht realisiert, dass ich mich da oben sehr verfroren habe. Nun wohne ich nicht nur wärmer sondern auch eine Spur trockener.

 

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Das Innenleben meiner kleinen Hütte

 

Ja, ich habe die Kälte unterschätzt. Klingt vielleicht eigenartig, weil ja die Temperaturen eindeutig höher sind als in Mitteleuropa.  Der Unterschied ist wohl auch die Stärke der Sonne – wenn sie dann scheint. Dann strömen die wenigen verbliebenen Gäste und viele Einheimische hinaus an den Strand oder in die Berge und suchen sie geradezu – ganz im Gegenteil zum Sommer. Eine Art innerliches Aufwärmen bevor gegen 16:00 Schatten und die Kälte kommen.  Näher an der Natur zu leben, heißt auch, der Kälte mehr ausgesetzt zu sein. Die Wärme empfinde ich dafür als umso wohltuender – sei es an schönen Lagerfeuern, oder an den großartigen Kaminkonstruktionen in den noch geöffneten Restaurants wo sich abends immer eine Runde an Menschen versammelt und sich am Feuer wärmt.

 

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Nachmittägliche Lichtspiele am Strand von Cirali

 

Mein (vorerst) letztes Monat in der Türkei bricht an und ich freue mich genauso auf weitere Spaziergänge am Meer oder in den Bergen, die gerade beginnende Mandarinen und Orangensaison (eine Geschmacksexplosion – ich glaube ich bin für immer verdorben für in Österreich gekaufte Zitrusfrüchte) sowie auf gemütliche Suppenkochabende am warmen Ofen, der mit dicken Holzstücken gefüttert wird. Und die Kälte – ja, die muss man jeden Tag mit einem Stück Bewegung austricksen….

Vom semi-nomadischen Lebensstil

“Travel is more than the seeing of sights; it is a change that goes on, deep and permanent, in the ideas of living.” – Miriam Beard

Ein semi-nomadisches Leben, immer auf Reisen, ein Dasein als Vagabundin – viele Leute sind überrascht wenn ich ihnen von meiner gewählten Lebensform erzähle. Die meisten Menschen, die ich kenne, wollen Wurzeln schlagen, sich etwas aufbauen, in einer (sebstgewählten) Gemeinschaft leben.

Ich hatte immer schon den Wunsch unterwegs zu sein, zu Reisen, zu Verweilen, eine Landschaft, Stadt oder Region zu erfahren und dann wieder weiterzuziehen auf der Suche nach neuen Eindrücken und Impulsen. Viele Jahre war das Reisen für mich die wichtigste Nebensache der Welt – jede Möglichkeit zu einer Reise ergreifen, bei Dienstreisen möglichst immer ein Wochenende “dazu” nehmen, und im Urlaub dann möglichst lange wegfahren.

Doch ich bekam nie genug. Zwei Monate Südostasien, später fünf Monate Indien – und es gibt immer mehr zu sehen. Gleichzeitig fange ich durch das viele Reisen auch an, anders auf Dinge zu sehen. Mich interessieren große Zusammenhänge und kleine Details und ich will immer weniger im Eilschritt durch die Gegend fahren, sondern länger auch manchmal Wochen an einem Ort bleiben. Langsam reisen heißt nicht nur weniger Orte in einer bestimmten Zeit zu besichtigen, sondern auch viel zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein.

“Ich will, dass mein Leben nur mehr aus Reisen besteht” – was ich eigentlich schon lange wusste, wurde mir auf meiner fünfmonatigen Indienreise so richtig klar. Ich will nicht elf Monate an EINEM Ort sitzen, um dann das 12. Monat möglichst viel von dem sehen, was ich in den  Monaten davor versäumt habe. Ich will mein Leben an unterschiedlichen Orten verbringen – dabei kann ich durchaus temporär Wuzeln schlagen – so wie jetzt in der Türkei, wo ich noch bis kurz vor Weihnachten in einem hübschen Häuschen im Wald bleiben werde.

Dann werde ich ca. 6 Wochen in Österreich verbringen. Denn auch das ist mir wichtig – den Bezug zu den eigenen Wurzeln nicht verlieren. Aber im Februar wird mich der Wind und die Reiselust sicher wieder weitertreiben.

Finanziert wird das ganze aus einer Mischung aus Arbeiten (Online und am “Wegesrand”) manchmal auch gegen Sachleistungen (wie Essen oder Wohnen) und Sparsamkeit (was natürlich in Ländern mit einer niedrigeren Kaufkraft auch leichter ist…)

Wie lange mir dieses Leben Freude bereitet, steht in den Sternen. Derzeit ist es mir vor allem ein Anliegen in der Natur zu leben, und möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen – und ich bin sehr dankbar, dass sich derzeit immer wieder gute Gelegenheiten bieten, diesem Anliegen nachzugehen. Alles andere wird die Zukunft weisen.

Granatapfelzeit

Endlich - die Granatäpfel sind reif

 

Ein Gruß von der lykischen Küste in der Türkei.

Seit ich im April zum ersten Mal dieses Jahr da war (insgesamt bin ich dieses Jahr schon vier Monate in der Türkei) freue ich mich auf die Granatäpfel. Im Frühjahr bewunderte ich die weißen Blüten, und im Verlauf des Sommers konnte ich beobachten wie die Früchte langsam an Farbe und Größe zunahmen.  Jetzt sind sie endlich reif und überall zu sehen. Auf den Bäumen, den Märkten oder bei den kleinen fahrenden Lebensmittelhändlern. In vielen Lokalen gibt es jetzt den ersten frischen Saft, der so intensiv ist, dass er mit Wasser oder Orangensaft gemischt eindeutig besser schmeckt. Und der fast schwarze dickflüssige Granatapfelessig wird überall eingekocht. Diese Frucht und ihre Produkte sind eine Geschmacks- und Farbenexplosion – eine wahre Wonne.
Und für den Fall, dass ich jemals herausfinde, wie man diese kleinen Samen zeitökonomisch aus der Schale bringt, dann fange ich auch an damit herumzuprobieren – vielleicht eine Granatapfel Orangen Marmelade  oder dieses tolle persische Fleischgericht mit Walnüssen und Granatäpfeln – hmmm.

Fünf Monate Indien – ein kleines persönliches Resumé

Mondaufgang in Kanyakumari am Südzipfel von Indien

 

Indien ist wie eine Wundertüte. Eine – nein unendlich viele – neue Welten eröffnen sich. Jede Stadt ist anders, wo man hinkommt immer wieder eine neue faszinierende Landschaften, und überall so freundliche Menschen – zumindestens fast überall. Inder und noch viel mehr Reisende. Ich kann sie gar nicht aufzählen, die vielen nächtlichen und teilweise auch tiefsinnigen Gespräche.

Dieses Land zieht andere Reisende an als Südostasien, es wird weniger getrunken und viele Leute, die länger bleiben, suchen weitaus mehr als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Durch diese vielen Gespräche habe ich nicht nur viel über das Land sondern auch eine Menge an unterschiedlichen Lebensentwürfen bzw. deren Suche kennengelernt. Manchmal hatte ich jedoch auch das Gefühl, dass dieses Land nur eine Projektionsfläche ist, eine Spielwiese auf der Reisende sich selbst ausprobieren – und ich war da wohl keine Ausnahme.

Diese Begegnungen, das Herumreisen mit Bus und Bahn – ein eindrückliches, enges, freundliches und farbenfrohes Erlebnis, die Vielzahl an Gerüchen, Lärm, Farben, Schmutz und Staub – ein Angriff auf alle Sinne (ich weiß es ist ein Klischee aber es stimmt wirklich), dazu unglaubliche und berührende Naturerlebnisse in Hampi (natürlich!) aber genauso in den Bergen der westlichen Gats, oder der Wüste in Rajasthan oder am Meer in Kerala.All dies und noch viel mehr haben diese fünf Monate zu einem genialen Erlebnis werden lassen.

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Hochzeit in Bikaner (Rajasthan)

 

Der Einstieg war sanft – Entspannung am Strand, statt eine Metropole zum Anfangen, wie so viele andere Reise, die dann Wochen unter dem Kulturschock leiden; und die Idee ist voll aufgegangen. Ich wollte das Land mögen und tat es von der ersten Sekunde an, mit all seinen Widersprüchen. Trotzdem gibt es immer wieder die Momente wo man sich einfach nur an den Kopf greift – bei Dreck und Umweltverschmutzung, unglaublich verstaubten Bürokraten, vorsintflutliche Einstellungen zu Geschlechterfragen, Armut, Krankheit und vieles mehr. Und dann wieder die Vielfalt und Farbenpracht, die vollen und dreckigen Straßen, die Unzahl an Händlern und Kleingewerbetreibenden, die Enge …… aber auch eine faszinierende Natur in allen Varianten und Schattierungen, Tempel in allen Farben und Formen und und und und und… Ich stelle mir Indien nicht als Land sondern als Kontinent vor, das vermag diese Vielfalt noch ein wenig zu erklären. Und jeder Bundesstaat mit seiner eigenen Kultur, Sprache, Göttern und Landschaften ist wie ein Land. Und doch gibt es eine gemeinsame kulturelle Basis – wie in Europa. Indien war für mich wie eine Wundertüte – ein Angriff auf alle Sinne, manchmal positiv manchmal negativ.

Der indische Alltag (natürlich mit dem Luxus einer westlichen Touristin) ist für mich in diesen fünf Monaten normal geworden und der Kulturschock beim Zurückkommen erscheint mir fast größer als fünf Monate zuvor, als ich bleichgesichtig und sehr aufgeregt  einreiste. Ich genieße nun den Luxus von warmen Wasser, Trinkwasser aus der Wasserleitung, geheizten Wohnungen und Breitband Internet. Und doch kommt mir alles ein bisschen blutleer und klinisch vor. Warum ist alles so perfekt und sauber doch gleichzeitig so grau und leer. Das bunte Leben nur mehr auf meinem Computer, auf dessen Festplatte sich fast 35 GB an Fotos sammeln.

Bezüglich Yoga habe ich mir schon vor meiner Reise Gedanken gemacht. Nach einigen Stunden an Internet Recherchen war mir klar, dass das Angebot zu unübersichtlich ist, um ohne konkrete Tips etwas Vernünftiges zu finden. Was ich aber gefunden habe, ist ein erneuter und tieferer Zugang zu Natur. In manchen Orten (insbesondere Hampi und Kodaikanal in den westlichen Gats) habe ich eine ganz tiefe Verbundenheit mit der Natur gespürt. Ich bin förmlich in ihr aufgegangen, bewunderte die Fülle und die unglaublichen Details. Und nicht zu vergessen die Nächte Sonnenauf- und Untergänge, Vollmonde in unglaublichsten Farben oder einfach nur tiefe finstere Nacht, in einer bisher unbekannten Intensität. Das habe ich auch mit nach Hause genommen – bei meinen Spaziergängen hier, merke ich dass ich die Natur um mich herum anders aufnehme, und sowohl achtsamer als auch freudiger das Wetter, das Grün und den aufkommenden Frühling geniessen kann.

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Einsamer Strand in Kerala

 

Spirituell gesehen waren die fünf Monate eine Übung in Vertrauen. Wer in Indien ohne Vertrauen reist, kann – so glaube ich – nicht glücklich werden. Vertrauen, im richtigen Bus zu sitzen, obwohl man keine Ahnung hat, wo er hin geht; Vertrauen darauf die Unterscheidungskraft (im Yoga Viveka) zu haben auf welche Personen ich mich einlassen kann und auf welche nicht, aber auch längerfristig gesehen zu lernen, dass ich mir diese tolle Gelegenheit so lange zu reisen nicht mit Gedanken über meine Zukunft belaste, sondern darauf vertraue, dass sich alles irgendwie ergeben wird (was es dann im Endeffekt auch getan hat, aber dazu mehr ein anderes Mal)

Ich bin ohne große Erwartungen aufgebrochen und wollte einfach meine Chance nutzen, so eine lange Reise machen zu können. Und Indien kam mir gerade recht. Ich war noch nie dort, und als begeisterte Yogini in das Geburtsland des Yoga zu fahren, schien mir auch irgendwie angebracht. Diese fünf Monate waren einfach eine geile Zeit. Ich habe soviel gesehen und erlebt, wie seit Jahren nicht mehr. Und ich glaube, ich bin wieder ein kleines Stückchen gewachsen. Und letzteres werde ich auch in Zukunft gut gebrauchen können… doch dazu ein anderes Mal mehr.

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Morgenstimmung in Madurai (Tamil Nadu)

 

Zum Abschluss hier die Reise einmal im Zeitraffer:

Die ersten Wochen waren dem Ankommen gewidmet. Zuerst in Agonda (Goa) am Strand abhängen und dann in Hampi, dieser wunderbaren Landschaft, die mein Herz berührt hat. Später Herumreisen – Tempel und Moscheen in Badami und Bijapur, modernes urbanes Feeling in Bangalore. In Kerala besichtige ich die koloniale Stadt Cochi und dann gehts in die Berge. Kumily und Munnar – ausgedehnte Hügellandschaften mit Tee- und Kaffeeplantagen, klare Luft und kühleres Klima. So schön ich das Meer finde, in den Bergen geht mir das Herz auf. Weihnachten und Neujahr verbringe ich dann nahezu alleine in einem Miniguesthouse direkt am Meer. Ich genieße die Einsamkeit, und lese viel. Nach einer kurzen Resozialisierungsphase in einem gut besuchten Guesthouse nur wenige Kilometer weiter, steige ich in den Flieger nach Rajasthan, wo ich mit einer Freundin im Sauseschritt durchreise. Acht Orte in knapp vier Wochen geben uns zwar einen guten Eindruck von diesem Bundesstaat – am Ende fühle ich mich jedoch überwältigt von der Vielzahl an Eindrücken, und werde kurz nach meiner darauffolgenden Ankunft in Goa prompt krank. Ein zweiter Aufenthalt in Hampi hat nicht nur einen Artikel zum Ergebnis sondern ich finde auch wieder meine Ruhe, während ich dort in die Landschaft eintauche. Das letzte Monat verbringe ich dann wieder im Süden, eine Woche am Meer, die wunderbaren Sonnenauf- und Untergänge an der südlichsten Spitze Indiens und drei Wochen in den Bergen auf 1700 Meter Seehöhe, wo ich dann gar nicht mehr weg will, weil ich dieses einfache Leben auf der Höhe mit Aussicht und einer netten Community so schätzen gelernt habe.

 

Und zum Abschluss noch ein Hinweis auf meinen Artikel zum Thema als Frau alleine in Indien Reisen.

 

Und hier die Route auf google maps:

 


India 2011 -2012 auf einer größeren Karte anzeigen

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