Winterurlaub am Mittelmeer – eine Ermunterung

So schön kann der Mittelmeerwinter sein: Cappuccino am einsamen Strand…

 

Für viele ist das Mittelmeer im Winter in keinster Weise interessant. Zieht es sie doch entweder zum Wintersporteln auf die mehr oder weniger schneebedeckten Berge oder gleich weit weg, Richtung Asien, Mittelamerika oder auf die andere Seite der Welt, um dem Sommer nachzureisen.

Doch andererseits gibt es oft diese unglaublich günstigen Angebote, Pauschal oder nur Flüge im Winter in den Mittelmeerraum und die Überlegung es doch einmal auszuprobieren, wird dann wieder greifbarer. Auf was muss man sich nun gefasst machen und ist ein Mittelmeerurlaub im Winter überhaupt die Reise wert? Hier der Versuch einer Antwort.

Die gute Nachricht ist, das wärmere Wetter als in Mitteleuropa. Mit ein bisschen Glück Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad. In der Nacht erreichen die Temperaturen nur in Ausnahmefällen den Gefrierpunkt. Baden ist dann nur was für wirklich Hartgesottene, aber den Tag draußen zu verbringen, Lesen, Spaziergänge oder Sehenswürdigkeiten besichtigen geht dann wunderbar. Ganz zu schweigen von der unglaublichen Ruhe im Vergleich zu anderen Jahreszeiten.

… blühende Wiesen …

 

Mit ein bisschen Pech, kann es jedoch auch passieren, dass es mehrere Tage hintereinander in Strömen womöglich mit starkem Wind regnet. Da die meisten Häuser einfach nicht für Kälte und Nässe gebaut sind, kann dies ungemütlich werden.

Wettermäßig ist also alles drinnen. Von tagelangen Sonnenschein bei Temperaturen über 20 Grad bis hin zu mehrtägigen Regenschauern und starkem Wind.

Das Beste am milden Winter ist die blühende Natur. Die Landschaften sind grün – voll mit Blumen, eine Farbenpracht, die man sonst nicht sieht, die Luft ist klarer und die Fernsichten oft atemberaubend. Zum Besichtigen von Attraktionen ist es eine tolle Zeit, wann kann man schon Ausgrabungsstätten und sonstige Attraktionen fast für sich alleine haben? Auch zum Wandern geht es sehr gut, allerdings aufgrund der schneebedeckten Berge nur in niedrigeren Lagen.

 

Tipps

  • Weit genug in den Süden fahren damit es nicht zu kalt wird. Als Faustregel würde ich sagen nicht nördlicher als Rom.
  • Am Kältesten ist es üblicherweise von Mitte Dezember bis Ende Jänner. Das ist auch die regenintensivste Zeit. Nordafrika bietet sich in diesem Zeitraum besonders an.

… und ein Feuerchen zum Wärmen.

 

  • Unbedingt warme Sachen, Fleece, gute Regenjacke und feste Schuhe mitnehmen.
  • Eine Unterkunft mit beheizten Zimmern suchen. Oft wird das die Klimaanlage sein aber Hauptsache warm in der Nacht.
  • Gibt es in der Unterkunft auch einen angenehmen Gemeinschaftsbereich zum Sitzen, plaudern, lesen und Abend ein Bierchen trinken? Besonders schön und heimelig ist ein offenes Feuer am Abend.

Mein Fazit: Wer den Urlaub in erster Linie (sonnen)badend am Strand verbringen will, sollte besser in wärmere Gefilde fahren. Für alle anderen ist es jedenfalls eine Überlegung wert.

 

Langsam Reisen (2): How to – Tips zum Ausprobieren

Straßencafes – eine grandiose Erfindung

 

Langsam Reisen hat viele Vorteile wie ich in diesem Post geschrieben habe. Es macht mehr Spaß und entspannt auch besser. Heute geht es weiter mit konkreten Hinweisen und Tipps.

Das Gute daran ist: jede einzelne Aktivität kann auch für sich stehen. Selbst wenn wir, aus welchen Gründen auch immer, im Eilschritt unterwegs sind, ist es einfach schön, zwischendurch zumindestens kleine Schritte zur Verlangsamung zu unternehmen. Probier es aus!

Und: Wer gerade nicht auf Reisen ist, mag die eine oder andere Anregung auch zu Hause ausprobieren. Auch um die Ecke gibt es genug zu erleben!

Bleibe länger an einem Ort

Ein paar Tage länger bleiben, und einige der untenstehenden Tipps auszuprobieren. Vielleicht eine zweite Unterkunft ausprobieren, erweitert auch den Blickwinkel.

Geh zu Fuß

Einfach zu Fuß losziehen, immer am Strand entlang oder das Viertel rund um die eigene Unterkunft erkunden. Irgendetwas gibt es immer zu entdecken. Ich gehe auch gerne zu Fuß in Richtung Sehenswürdigkeiten – schaue mir die Route grob am Stadtplan an, und dann einfach losgehen.

Borge Dir ein Fahrrad aus

Gerade im ländlichen Raum das ideale Verkehrsmittel zum gemächlichen Erkunden aber mit einem größeren Radius als zu Fuß.

Mach mal Pause in heißen Ländern vor allem über Mittag

Einfach mal ein halbes Stündchen hinsetzen und die Attraktionen wirken lassen – oft genug gibt es sogar Bänke. Straßencafes – meine Leidenschaft. Sitzen und dem Leben beim Vorbeiziehen zuschauen. Oder mal Ruhe tanken im Hotelzimmer bzw. am Balkon. Wir brauchen auch Zeit, um all das Gesehene zu “verdauen”.

Über Märkte schlendern – immer wieder ein Erlebnis

 

Besuche einen Markt und koche zur Abwechslung

Die lokalen Produkte begutachten, frisches Obst und Gemüse kaufen und dann noch eine Runde kochen. Geht natürlich nicht überall, aber in vielen Hostels gibt es ja kleine Küchen für die Gäste.

Suche Details

Auf der Straße, am Strand, in Tempeln oder im Kaffeehaus. Den Blicke schweifen zu lassen und öfters mal genauer hinschauen, ist nicht nur eine Übung in Achtsamkeit sondern führt auch zu ganz neuen Einsichten

Bewußtes Fotografieren

Und das führt mich gleich zum Nächsten. Beim Fotografieren nicht nur schnell klicken und weiterziehen, sondern neue Blickwinkel, Lichtverhältnisse und Details (siehe oben) suchen und finden. Das Ergebnis sind nicht nur bessere Fotos, sondern auch ein neuer Blick auf vielbesuchte und fotografierte Attraktionen oder auf den Alltag.

Besuche Kurse, Aktivitäten

Ich bin ja ein Fan von Koch- und Yogakursen, aber der Fantasie sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt. Kino, Theater, kurze Sprachkurse oder Straßenfeste – ein Blick in lokale Zeitungen eröffnet oft ein ganz neues Spektrum an Möglichkeiten – und ermöglicht Erfahrungen, die nicht im Reiseführer stehen.

Geh an die “Ränder” einer Destination

Das habe ich besonders in Indien spannend gefunden. Gerade an Strandorten oder kleineren touristischen Gemeinden eröffnen sich dort ganz neue Welten.

Fahre mit Bus und Bahn – auch mal untertags

Es ist ja sehr beliebt mit dem Nachtzug oder -bus zum nächsten Ort zu fahren. Natürlich sind die Vorteile unbestreitbar (Ersparnis einer Übernachtung und Ankunft am Morgen, wenn noch genug freie Betten vor Ort sind), ich bevorzuge trotzdem die Reise untertags. Das Brausen durch die Landschaft, das bunte Treiben bei den Zwischenstops gehört für mich immer zu den Höhepunkten einer Reise. Besonders empfehlenswert bei Fahrten bis zu sechs Stunden.

… un was sind deine Tips?

 

 

Langsam reisen (1): Fünf Gründe für entschleunigtes Reisen

Wo immer du bist, sei die Seele des Ortes (Rumi)

 

Es war in Hampi (Indien), den Ort, den ich letztes Jahr so lieben gelernt habe, als ich ich mich in einen der vielen kleinen Restaurants setzte, um gemütlich einen Chai zu trinken und der brütenden Mittagshitze zu entkommen. Dort lernte ich einen jungen Mann kennen, der in  sechs Wochen den “ganzen” subindischen Kontinent bereist hat. Nun es war wohl weniger der ganze Kontinent, als ein “Abreisen” der Höhepunkte aus dem Lonely Planet.

Wir kamen ins Gespräch und erzählten uns gegenseitig ein bisschen über unsere Reisen. Mein Hinweis, auf mein langsames Unterwegssein nahm er mit Überraschung auf. Ich konnte ihm richtig zusehen, wie ihm klar wurde, was er sich alleine in Hampi entgehen lässt, weil er nur drei Tage da ist, die Tempel im Eilschritt besichtigt und natürlich auch jeden Tag eine Rickshaw für sich alleine mietet.

Doch was sind eigentlich die Vorteile vom langsamen Reisen, und vor allem wie macht man das? Hier der Versuch einer Antwort.

 

1. Destinationen ganz anders erfahren

Wer sich länger an Orten oder bestimmten Sehenswürdigkeiten bleibt, wird diese ganz anders erfahren. Kein schnelles Abhaken von Tempeln, Museen oder Ortsbildern sondern ein Eintauchen, ein Spüren mit allen Sinnen. Auch einmal Pause machen, und an einem guten Ort einfach Verweilen – all dies ermöglicht eindrücklichere und tiefere Erlebnisse – die dann auch anders in Erinnerung bleiben, sodaß man sich später nicht fragen muss, welche Personen man an welchen Orten getroffen hat, oder an welchen Plätzen denn bestimmte Sehenswürdigkeiten warten.

Mach mal Pause (Pai, Thailand)

Viele wollen natürlich möglichst viele unterschiedlichen Dinge in einem möglichst kurzen Zeitrahmen sehen, unter dem Motto “Wer weiß wann ich wieder kommen kann”.  Die Rechnung geht leider nicht auf, weil es immer mehr Orte gibt, die man sehen will – egal wie schnell man unterwegs ist, und wieviele Sehenswürdigkeiten man am Tag sieht. So gesehen ist Reisen auf eigene Faust immer eine Entscheidung gegen etwas und es ist wohl gut, die Orte, für die man sich entscheidet mit allen Sinnen zu erleben. Die gute Nachricht dazu: Es gibt immer was zu sehen, denn je mehr man reist, desto mehr will man sehen. Und vor Ort ergeben sich oft Möglichkeiten zu Besichtigungen und Aktivitäten, von denen im Reiseführer nichts zu lesen ist.

Ich habe auf meinen Reisen viele Leute kennengelernt, die traurig waren, weil sie sich zuwenig Zeit für die einzelnen Orte genommen hatten,  und alle – egal wie schnell sie unterwegs waren – hatten Aktivitäten oder Orte auf ihrer Liste, die sich nicht mehr ausgegangen sind. Es ist wie immer: die Entscheidung für etwas ist auch die Entscheidung gegen etwas anderes.

 

2. Kontakte aufbauen

Das kleine Geschäft an der Ecke, das “Stammcafe”, oder die Pensionsbesitzerin. Wer länger als zwei drei Tage an einen Ort bleibt, lernt auch mehr Leute kennen. Reisende sowieso aber auch Einheimische – Einblicke in den Alltag und nette Gespräche sind viel leichter möglich.

3. In Ruhe gelassen werden

In Ländern, wo das dauernde Angequatscht werden zur täglichen Routine gehört, verspricht das längere Verweilen an einem Ort auch Erleichterung. Die maßgeblichen Akteure (Taxi und Rickshaw bzw. Tuk-Tukfahrer, Straßenverkäufer und sonstige “Freunde” ) merken sich Gesichter und Personen meiner Erfahrung nach sehr schnell, und lassen einen spätestens am dritten Tag in Ruhe.

4. Billiger Reisen

Das ist wohl ein wichtiger Punkt. An wenigen Orten länger zu bleiben, reduziert natürlich die Transportkosten. Auch einmal zu Fuß zu gehen oder ein Fahrrad zu mieten, statt wieder einen Fahrer für einen Tag zu nehmen, reduziert die Kosten beträchtlich. Manchmal kann man auch den Preis der Unterkunft herunterhandeln, wenn man länger bleibt.

Und wer sich vor Ort Zeit nimmt und recherchiert wird vielleicht auch die wirklich guten und/oder günstigen Angebote finden. Das sind nicht immer die Offensichtlichsten.

Man wird auch weniger ums Ohr gehauen. Ich denke vor allem weil man nach spätestens zwei Tagen nicht nur die lokalen Preisstrukturen sondern auch die ortsüblichen Tricks kennt.

 

Und last but not least. weil unsere Welt ohnehin schon schnell genug ist.

Wirklich. Es gibt keinen Grund auf Reisen genauso beschäftigt zu sein wie zu Hause.  Es tut auch gut manchmal Nichts zu tun und das geht eigentlich nirgends besser als unterwegs. Reisen als bewusstes Kontrastprogramm zum oft hektischen Alltag ermöglicht nicht nur ganz andere Erlebnisse und tiefere Einblicke sondern auch einen entspannteren Blick auf unsere Umwelt – auch nach der Rückkehr.

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Welche Gründe für langsames Reisen hast Du? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Hier geht es demnächst weiter mit konkreten Tips zum langsamen Reisen….

 

 

 

Als Frau alleine in Indien -mit ein paar Tips

Auf den Straßen in Indien sind meistens viel mehr Männer als Frauen (Jaipur)

 

So viele gute Ratschläge habe ich nach Indien mitgenommen – über richtige Verhaltensweisen, über Anmache und die Stellung der Frau. All das hilft vielleicht den Kulturschock abzumildern, aber nicht ihn zu verhindern. Und auch wenn man z.B. überall liest, dass indische Kleidung die bessere Wahl ist, war ich doch erstaunt, welchen Unterschied es dann gemacht hat, in der Wahrnehmung meines Gegenübers nämlich.

Und natürlich ist es dann auch schwer nachzuvollziehen, dass ein freier Bauch unter dem losen Sari völlig selbstverständlich ist, während die freien Schultern oder ein weiteres Dekolletee oft mehr als lüsterne Blicke auslösen. Viele Touristinnen merken das gar nicht, andere passen sich an und wieder andere genießen das auch.

Besonders auffallend ist das dann am Strand. Wo immer eine ausländische Frau außerhalb der Touristenguettos  Badekleidung trägt, wird sie eine kleinere oder größere Gruppe an Männern (aber zumindestens zwei müssen es immer sein) hervorrufen. Diese schauen, gehen händchenhaltend vorbei oder fotografieren völlig ungeniert.

Tip 1 – Angemessene Kleidung (wirklich) – und verwende einen Schal

Es klingt so einfach und veraltet ist aber so. Du wirst einfach anders wahrgenommen und die Blicke treffen dich eher auf Augenhöhe. Noch wohler habe ich mich gefühlt, nachdem ich mir die langen indischen Blusen (Kurta) gekauft habe, und diese mit weichen Stoffhosen kombiniert habe. Eine Kleidung, in der ich mich immer wohl und “angezogen” gefühlt habe. Ein dünner Schal dazu ist ein guter Freund bei allen möglichen Gelegenheiten – schützt vor Sonne, Blicken und manchmal vor der Klimaanlage – ich hatte immer einen im Tagesrucksack.

 Alleine sein ist nicht vorgesehen

Für alleinreisende Frauen kommt noch etwas weiteres hinzu. Oft bin ich während meiner Bus- und Bahnreisen gefragt worden, wo denn mein Begleiter sei. Viele indische Mäner (und wahrscheinlich die Frauen auch, nur sprechen die eine viel seltener an) können sich einfach nicht vorstellen als Frau alleine – ohne männlichen Schutz – zu reisen. Das kann auch einen manchmal durchaus hilfreichen Beschützerinstinkt hervorrufen.

Tip 2 – Hol dir aktiv Hilfe

Ich habe oft nach den richtigen Bus oder der richtigen Adresse gefragt was dann zur Folge hatte, dass die angesprochene Person mich quasi “unter ihre Fittiche” genommen hat, bis ich im richtigen Bus oder am richtigen Ort war. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl, die richtigen Leute anzusprechen, die ein bisschen englisch können und gerne, ohne Hintergedanken, helfen.

Ein völlig anderes Geschlechterverhältnis

Frauen haben in Indien weitestgehend einen völlig anderen Status als in westlichen Ländern. Hier herrscht ein traditionelles Frauenbild und die Geschlechter sind viel strikter voneinander getrennt. Besseres Kennenlernen oder gar Berührungen vor de Ehe sind nicht vorgesehen, während gleichzeitig die Lücke zwischen den Geschlechtern immer größer wird. D.h. aufgrund von gezielter Abtreibung und Vernachlässigung gibt es in Indien einfach immer “weniger” Frauen. Das erschwert den Kampf gegen Kinderheirat (die vor allem im ökonomisch schwächeren Norden immer noch weit verbreitet ist). In vielen Bundesstaaten sieht man auch fast keine Frauen auf der Straße. Ausführliche Informationen zur Lage der Frauen in Indien gibt es auf Wikipdia. (englisch)

All dies erklärt wohl auch, warum alleinreisende Frauen oft angestarrt werden, als kämen sie von einem anderen Planeten. Dazu kommt noch, dass Familie in Indien einen viel höheren Stellenwert und Bedeutung hat als in europäischen Ländern. Niemand wird alleine gelassen – es ist immer jemand von der Familie dabei, für die meisten das einzige vorhandene Sicherheitsnetz. Jemanden alleine zu lassen ist nicht vorgesehen. Ich habe zum Beispiel im Zug einen jungen Mann kennengelernt, dessen Eltern zu ihm gezogen sind, nachdem er einen Job weit entfernt von zu Hause im Süden ergattert hat.

Tip 3: Manchmal ist es hilfreich, eine “Geschichte” parat zu haben.

Aus all diesen Gründen kann es hilfreich sein, eine Geschichte parat zu haben. Ich habe zum Beispiel erzählt, dass ich Witwe bin. Das hatte eine enorme Wirkung auf meine Gesprächspartner, und ich wurde dann wirklich anders und mit Respekt in Ruhe gelassen.

Viele erzählen von Ehemännern oder Eltern, die nur an dem einen Tag in ihren Hotel sind. Der Höhepunkt ist sicher von einem indischen Ehepartner zu erzählen, wo man dafür das Land, die Leute und auch eine Sprache sprechen sollten – sonst könnte es peinlich werden. Ich habe aber nicht immer von meinen Witwendasein erzählt. Das gilt es von Fall zu Fall abzuschätzen, da es eben auch genug Menschen gibt, für die die westliche Lebensweise keine Buch mit sieben Siegeln mehr darstellt. Da können sich eben durchaus interessante Gespräche ergeben, indem man bei der Wahrheit bleibt.

 Unterschiede in Städten und touristischen Regionen

Das hängt auch damit zusammen, dass es in den großen Städten ein ganz anderes Bild gibt. Hier treffe ich viele junge Frauen, gut ausgebildet und mit guten Englischkenntnissen, in westlicher Kleidung, die auch am Abend schon mal ein Bierchen trinken. Diese Frauen vermitteln mir ein ganz neues im Wandel befindliches Bild von Indien, und ich bin sehr dankbar für diese Kontakte und Erfahrungen.

Es macht auch einen Unterschied, wie weit die bereiste Region in ihrer touristischen Entwicklung ist. Je touristischer eine Region ist, desto mehr verschiebt sich meiner Wahrnehmung nach das Verhältnis zwischen alleinreisenden Frauen und männlichen Einheimischen. Es wird offener und lockerer miteinander umgegangen. Das dies zum ein oder anderen Panscherl führt, wird wohl niemanden verwundern – aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Tip 4: Suche die Frauen

Bei einem Kochkurs in einem privaten Haushalt in der Nähe von Hampi

 

In manchen Bundesstaaten wie in Kerala ist es leicht. Hier sind die Frauen selbstbewusster, öfters auf der Straße zu sehen und viele sprechen auch englisch, sodass einen interessanten Austausch oft nichts im Wege steht (siehe auch meinen Artikel über Kerala). Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit Kochkursen gemacht. Hier gibt es oft spannende und authentische Einblicke in weibliche Lebenswelten und durch das gemeinsame Tun und Essen entsteht eine eigene Vertrautheit. Ein besonderes Erlebnis hatte ich auch in Jaisalmer, wo eine beeindruckende Frau mit den Textilarbeiten, die sie in den umliegenden Dörfern aufkauft, den üblichen Souvenirläden einiges entgegenzusetzen hat. Das Pläuschchen in ihrem kleinen Laden, auf einen schönen Teppich sitzend, hat mich wieder ein bisschen versöhnt, nachdem ich in Rajasthan ob der offensichtlichen Diskriminierung von Frauen schon ziemlich sauer war.

Fazit

Ich habe in Indien eindeutig mehr alleinreisende Frauen getroffen als in Südostasien. Der Frage nachzugehen warum das so ist, würde wohl den Rahmen hier sprengen, wäre aber sicher interessant. Auffallend in Indien ist, wie viele Reisende auf der Suche nach sich selbst, ihren Lebensweg sind und ihre Reise als eine spirituelle Suche begreifen. Und im Vergleich zu Südostasien ist Indien ein direkteres und unmittelbares Erlebnis. Hier wirst du angestarrt, stehst immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit – und damit erfährst du auch dich selbst in einer ganz anderen Weise. Die richtige Mischung zwischen offenen Annehmen von interessanten Gelegenheiten und gebührender Vorsicht ist wohl einer der größten und spannendsten Herausforderungen bei einer Reise nach Indien.

Zum Weiterlesen:

My top tips for women traveling to India: Ein guter und ausführlicher Artikel vollgepackt mit Tips von einer der führenden Reiseblogerinnen über Indien.

Happy, safe solo traveling – India by yourself: Ein ausführlicher Artikel vollbepackt mit Infos, nicht nur für Frauen – lesenswert!

Five reasons why travelling in India is not so scary: Ganz ein schöner Artikel, der darauf eingeht wie liebenswert und hilfsbereit viele InderInnen sind.

The women traveling solo question: Ein ausgezeichneter Artikel, der aufzeigt, dass zuhause bleiben weitaus gefährlicher ist als Reisen, da die meiste Gewalt gegen Frauen in ihrem direkten sozialen Umfeld stattfindet.

 

 

 

 

 

 

Housesitten in Spanien … und Abschied von Wien

So jetzt bin ich also endlich angekommen in Spanien – nachdem mein Körper schon seit zehn Tagen hier weilt, ist der Rest nun auch endlich da. In einem schönen alten Haus, umgeben von einem Mittelmeergarten vom Feinsten, mit Blick aufs Meer – ein Pool ist auch dabei, aber mehr als meine Zehenspitzen hat das Wasser noch nicht zu sehen bekommen.

Es ist ein großes und schönes Anwesen, und ich verlasse es derzeit nur wenig – zum Einkaufen und um das Meer aus der Nähe zu sehen – aber eigentlich bin ich hier, genieße es soviel Zeit an der frischen Luft und in der Sonne zu verbringen und finde einen guten Rythmus aus Garten pflegen und Hausarbeit, Katze hüten,  Lesen, Yoga, Computer, Filme schauen, gutes Essen.

In den kommenden zwei Monaten möchte ich hier im wunderbaren Mittelmeerwinter und beginnenden Frühling mein Repertoire rund um das Thema Yoga und Burn-Out erweitern. Ich übe und lese viel, entwickle Sequenzen und einiges mehr.

Das tut mir auch gut, da ich den letzten Wochen in Österreich doch sehr beschäftigt war. Der Umzug meiner Sachen von Salzburg nach Wien in einer Hauruck Aktion (zwei Tage einpacken, ein Tag Umsiedeln, zwei Tage einräumen) ist nicht ganz spurlos an mir vorübergegangen. Und dann war ich mir auch plötzlich nicht mehr so sicher, ob es die richtige Entscheidung war, meinen Platz im schönen Salzburg zu räumen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Wien im Jänner nicht gerade berauschend ist. Zu grau, zu dunkel – eine Zeit wo einzelne Sonnenstrahlen zu Jubelmeldungen veranlassen können. Es heißt ja auch, dass es kein Zufall war, dass die Psychoanalyse in Wien erfunden worden ist – aber ich schweife wieder einmal ab.

Egal – die Wohnung in Wien ist fast fertig, hübsch eingerichtet und ich kann mich jetzt hier in aller Ruhe der schönen Umgebung und meinen Projekten widmen. Watch out!

Arbeiten im Hotel (4) – und warum ich dann doch gegangen bin

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben, würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen (Jorge Luis Borges)

In den bisherigen Teilen dieser Artikelserie habe ich die Höhepukte meiner Arbeit beschrieben, mir über die Freude am Arbeiten Gedanken gemacht und Überlegungen zum Zusammenhang zwischen der Arbeit im Hotel und der türkischen Familie veröffentlicht. Zum (zumindest vorläufigen) Abschluss möchte ich kurz darstellen, warum ich dann im Endeffekt die Arbeit früher als geplant beendet habe.

Das Glück und die Zufriedenheit der Gäste ist für mich das wichtigste Kriterium bei einer derartigen Arbeit. Auch wenn es hinter den Kulissen turbulent zugeht oder Konflikte zutage treten, gilt es, den Gästen davon nichts zu zeigen. Dies ist normal und mir auch aus dem Konferenzmanagement-Alltag der letzten Jahre durchaus bekannt. Je mehr Konflikte und Schwierigkeiten es hinter den Kulissen gibt, desto mehr Energie erfordert es, diese vor den Gästen abzuschirmen, und – was eigentlich noch viel gravierender ist – irgendwann wird das Verhalten gegenüber den Gästen nicht mehr authentisch, sondern aufgesetzt. Das berühmte Lächeln, welches gar nicht so gemeint ist. Dies merken dann auch immer mehr Leute.

Ich habe irgendwann für mich festgestellt, dass ich die Grundeinstellung, die ich eigentlich gegenüber den Gästen hatte, immer weniger glaubwürdig nach außen tragen konnte. Zu sehr war ich belastet durch das “Hintergrundrauschen”, während ich gleichzeitig im Rahmen der Burn-Out Prävention dazu ermutigte, einen zufriedenstellenden und ehrlichen Zugang zur Arbeit zu finden.

Und so habe ich mich Mitte September schweren Herzens entschlossen, mit der Arbeit aufzuhören. Hilfreich dabei war sicherlich, dass ich im Haus einer lieben Arbeitskollegin und Freundin unterkommen konnte, so dass ich nicht gleich das Land verlassen musste, welches ich trotz all seiner Widersprüche doch sehr liebgewonnen habe.

Insgesamt möchte ich diese Erfahrung jedoch keinesfalls missen. Ich hatte eine tolle Zeit mit wunderbaren Gästen und KollegInnen, an einem der schönsten Plätze der Welt. Ich habe in kurzer Zeit so viel erlebt und gelernt wie schon lange nicht mehr. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich rechtzeitig gegangen bin und somit eine positive Gesamtbilanz ziehen kann.

 

Bunter Wienspaziergang am Donaukanal

Bunte Graffitis am Donaukanal

Ich bin gerade in Wien und naja über Wien könnte ich viel erzählen, habe ich doch einen großteil meines Lebens hier verbracht. Andererseits habe ich in den letzten zehn Jahren immer versucht der Stadt mal kürzer mal länger zu entkommen. Wohl auch, weil mich mit Wien eine Hassliebe verbindet  – wobei der Zuneigungsgrad einem jahreszeitlichen Wandel unterworfen ist.  Und jetzt mache ich genau das was mir eigentlich gar nicht liegt. Ich verbringe im Winter mehrere Wochen hier. Eine Zeit, in der ich diese Stadt einfach nicht mag.

Viel zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein wochenlanger Grauschleier über die Stadt schiebt. Weit und breit keine Sonne zu sehen und auch kein Himmel – alles ein einziges Grau. Diesem etwas Farbe entgegenzusetzen ist dann einfach wohltuend zum Beispiel mit einem Spaziergang am Donaukanal.
Rund um den Schottenring gibt es einiges zu sehen. Große bunte Graffitis teils legal teils illegal machen hier die Stadt um einiges bunter. Und gleich dahinter richtung Urania die Kunstmeile Agora – ein einzigartiges Kunstprojekt, welches nun schon seit 25 Jahren jeden Sommer in Wien stattfindet. Aber auch im Winter gibt es hier einiges zu sehen. Schau doch mal.

Yin Yang Yoga Teacher Training (Jänner 2011)

Im Jänner 2011 habe ich eine Yin Yang Yogaausbildung in Thailand absolvieren dürfen. Damals habe ich ein paar Artikel geschrieben und diese auf dem Blog des Yogaplace Salzburg (wo ich später meine ersten Unterrichtserfahrungen sammeln durfte) veröffentlicht. Als Auftakt für zukünftige Artikel rund um das Thema Yoga hier nun der Bericht von damals wieder ans Licht gebracht.

14.1.2011 – Live vom Yoga Teacher Training

Seit einer knappen Woche bin ich  nun in Koh Samui in Thailand bei einem Yoga Teacher Training von Simon Low. Genauer gesagt ein Yin & Yang Training.  Es handelt sich dabei um eine Ausbildung die sowohl dynamische und fließende Bewegungsabläufe (Vinyasa oder auch Yang) als auch eine sehr ruhige Praxis mit lang gehaltenen Asanas (Yin) beinhaltet. Nähere Informationen zur Ausbildung gibt es hier.

Die ersten fünf Tage sind vorbei und ich fühle mich physisch, mental und intellektuell wunderbar durchgeknetet – was mich nicht daran hindert, jetzt an meinem freien Tag, noch eine Thai Massage zu geniessen – aber ich schweife ab.

Wir haben jeweils fünf intensive Tage Kurs und dann einen Tag frei, was uns ermöglicht eine Ausbildung die 200h dauert, in nur wenig mehr als drei Wochen absolvieren zu können. Es ist ein totales Eintauchen in Yoga: jeden Tag in der Früh über zwei Stunden Yoga üben, auch wenn dazwischen immer wieder schon viele Hinweise zum Lehren gegeben werde. Danach folgen drei jeweils zweistündige Einheiten zu den Themen Yogaphilosophie, Unterrichtspraxis und Anatomie. Der Abend ist gefüllt mit Lesen, Wiederholen und vielen Diskussionen.

Philosophische Diskussionen über säkulare Spiritualität wechseln sich ab mit detaillierten Ausführungen zum Bewegungsspielraum der Wirbelsäule, oder der Frage wie man den herabschauenden Hund genau anleitet – um nur ein Beispiel zu nennen.

Bald kommen hier mehr Einträge. Watch out!

16.01.2011 – Dragon Dance und mehr!

Yang Yoga ist die dynamische aktive Praxis, in der Muskelkraft eine wichtige Rolle spielt. Wunderschöne Flows, kommen hier ins Spiel. Für Simon Low, unseren Lehrer, geht es iim Yoga weniger darum geht immer mehr ausgefallene Übungen zu meistern oder sich grandios zu verbretzeln. Vielmehr ist er der Meinung, dass die ständige Verfeinerung der Asanas (Yogahaltungen) und das Hinzufügen von neuen Aspekten das wahre fortgeschrittene Üben darstellt. Es gibt ja auch in Indien berühmte Lehrer, die ihren Schülern gegenüber der Meinung waren, sie bräuchten nicht mehr als 40 Asanas.

Ein interessanter Ansatz jedenfalls, und ich lerne wirklich sehr viel über die einzelnen Asanas – manchmal auch überwältigend viel….

Aber zurück zum Yang Yoga. Hier um auf den Geschmack zu kommen, der “Drachentanz”, sehr schön….

 

22.1 – Halbzeit

Wie die Zeit vergeht, kaum habe ich angefangen ist auch schon wieder Halbzeit im Teacher Training. Das Schöne ist, dass die Nebel sich zu lichten anfangen. Es ist tatsächlich so: wenn man Anfang viel Zeit auf die Grundlagen verwendet fügt sich später alles schön zusammen.

In der letzten Woche habe ich nicht nur gelernt kleine Yogastrichmännchen zu zeichnen (naja ein bisschen Üben werde ich wohl noch müssen), die Yogaphilosophie wurde neben den Yogasutras um einen Überblick in weitere Texte erweitert wie die Baghavagita, oder die Upanishaden.

Wir haben erste Eindrücke von der subtilen aber starken Wirkung von Yin Yoga sammeln können. Viel haben wir in diesem Zusammenhang von Faszien gehört – die alle irgendwie zusammenhängen und sich laufend ändern und unsere Lebensbedingungen widerspiegeln. Im Ying Yoga werdenn weniger die Muskeln sondern das Bindegewebe angesprochen und durch länger gehaltene Asanas gestrafft. Hier noch zwischendurch ein kleines Video – auf Englisch – the Fuzz speech – falls jemand noch nach weiteren Argumenten sucht, um seiner Umgebung Yoga nahezubringen…

Ansonsten freue ich mich über die schönen Flows, die ich mitbringen werde und eine durchaus spannende Schultersequenz. Unmengen an Asanas haben wir im Detail besprochen und “zerlegt”, während wir uns gleichzeitig mit dem Aufbau einer Yogastunde beschäftigt haben.  Die Hausaufgabe für diese Woche ist eine Stunde “Yoga für Schifahrer” auszuarbeiten. Ziemlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Ausbildung in Thailand stattfindet, und die Ausbildungsleitung aus England kommt. Ich bin jedenfalls dran und zumindestens für den kommenden Winter können wir dann eventuell schon etwas derartiges anbieten…

Abschluss für heute noch einen Hinweis auf die Klo Asana. Nein das ist keine bestimmte Asana, sondern bei der Du immer das Bedürfnis hast aufs Klo zu gehen. Kennt Ihr das?

6.2. – das Ende ist der Anfang

Und dann war es auf einmal vorbei. Die zweite Halbzeit der Ausbildung ist mindestens doppelt so schnell vergangen wie die erste.

Zum einem wurden die Themen immer vielfältiger – auch wenn die Philosophie zu meinem Leidwesen leider nur in der ersten Halbzeit am Stundenplan war. Die meisten meiner 28 Mitlernenden waren darüber jedoch nicht böse. Ich fand es jedoch schön, morgens gleich nach den Asanas und dem Frühstück zwei Stunden mit Yogaphilosophie und vielen Sanskritbegriffen zu verbringen. Bei der schriftlichen Prüfung werde ich dann in einem Anfall von Chuzpe die Bhagavagita mit den Worten: “Ein Mann oder ein Frau muss tun, was ein Mann oder Frau tun muss” zusammenfassen” – Aber ich schweife wieder einmal ab.

Statt Philosophie hatten wir in der  zweiten Halbzeit des Trainings vor allem Gelegenheit uns mit konkreten Fragen der Unterrichtsplanung und der detaillierten Analyse von einzelnen Asanas zu beschäftigen. Bei bekannten Asanas ging das ja noch ganz gut;bei den für mich neuen Yin Asanas, die eine erkleckliche Anzahl an Props (Polster, Decken, Handtücher, Blöcke etc. etc.), war das durchaus eine Herausforderung – vor allem weil ich eine der aufwändigsten Yin Asanas auch als Teil der Prüfung hatte….

Neben der Planung einer konkreten Unterrichtsstunde mussten wir aber auch eine persönliche Definition von Yoga finden, die Merkmale von guten und weniger guten Yogastunden bzw. LehrerInnen diskutieren und uns über unseren persönlichen Zugang zu Yoga Gedanken machen.

Am freien Tag verlasse ich das Resort und die Yogabubble und gehe mehrere Stunden am Strand spazieren. Kurz merke ich, dass es noch eine Welt außerhalb von Yoga gibt, aber nur wenig später sitze ich im Restaurant um meine Anatomie zu wiederholen und den Prozess der vergangenen Wochen zu überdenken.

Und in der letzten Woche geht es dann wirklich Schlag auf Schlag. Wir unterrichten uns zur Übung alle gegenseitig. 29 Trainees unterrichten 29 Asanas, wiederholen den Stoff und dann folgt auch schon die schriftliche Prüfung und das Teaching Assessment.

Und damit ist es auch schon wieder vorbei. Die Abschiedsrituale rühren viele von uns zu Tränen, und wir gehen als Gruppe auseinander mit dem Wunsch in Kontakt zu bleiben und uns gegenseitig beim Unterrichten zu unterstützen während die vier Prinzipien der Spiritualität, die Simon uns in der Abschlussrunde vorgelesen hat, in uns nachschwingen….

Bye Bye Getreidegasse (Salzburg) – Zimmer mit Aussicht

Nach sechs Monaten bin ich wieder für ein paar Tage in Salzburg – die Stadt wo ich die letzten fünf Jahre gewohnt habe, wenn ich nicht (wie fast das gesamte letzte Jahr) irgendwo unterwegs war. Jetzt nehme ich Abschied. In drei Wochen werde ich die Wohnung räumen, und ich stehe hier mit einer Mischung aus Wehmut und Erleichterung.

Ich habe sehr gerne hier gewohnt, andererseits lähmt mich auch die Gewohnheit hier (welche Wortspiel – besteht da etwa ein Zusammenhang). Ich schaue in der Wohnung herum oder gehe spazieren und kenne alles. Auch den Blick aus dem Fenster in der Wohnung mitten in der Altstadt. Da war auch mal die Idee eine Wäscheleine aufzuspannen – quer über die Getreidegasse – damit man sieht, dass hier doch noch ein paar Menschen wohnen. Nun das kann dann mein Nachfolger in der Wohnung machen.

Bis dahin werft doch mal einen Blick auf ein paar Bilder, aus dem Fenster fotografiert, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben.

 

 

Getreidegasse

Straßenmusik

 

Straßenaktion

Schottisch

Marionettenverkäuferin

Arbeiten im Hotel (3) – Das Hotel und die türkische Familie – ein kleiner tourismussoziologischer Exkurs

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich über die Höhepunkte meiner Tätigkeit im Hotel geschrieben, im zweiten Teil über die Freude am Arbeiten. Heute geht es weiter mit Überlegungen zur türkischen Familie und ihrer Bedeutung in der Hotellerie.

Das Hotel – als temporäres Zuhause – ist ein professionell geführter Haushalt, in dem die Gäste jeden Wunsch so schnell wie möglich erfüllt bekommen. In dieser einen Woche Urlaub, so der Wunsch von vielen, will man sich um nichts kümmern – keine Hausarbeit zu erledigen. Und in  einem Haus, in dem größtenteils alleinreisende Frauen Urlaub machen, hat dies noch einmal besondere Bedeutung.

Dementsprechend ist es auch kein Zufall, dass Hotels oft als Familienbetriebe geführt werden und kleine Häuser leben sehr oft von der familiären Atmosphäre. Auch ich habe oft von Gästen gehört, dass sie sich wie in einer Familie aufgehoben fühlten, und die durchaus beachtliche Anzahl an Wiederkommerinnen hat damit wohl  etwas zu tun, und auch von Seiten des Managements wurde das Bild der Familie als Gastgeber durchaus gepflegt.

Die meisten Hotel- und Restaurantbesitzer sowie ihre Familie und Angestellten (wobei die Grenze hier oft fließend ist) verbringen zumindestens sechs, oft sieben Tage in der Woche in ihrem Unternehmen. Das heißt nicht, dass immer was zu tun ist. Aber die Anwesenheit ist wichtig – und eine Art Rufbereitschaft – denn, immer wenn etwas anfällt, muss man springen.  Und so gehen Arbeitszeit und Freizeit ineinander über. Für die Gäste ist das eine angenehme Sache. Nicht nur dass immer jemand da ist, nein, man muss sich nicht mit vielen verschiedenen Gesichtern rumschlagen, sondern hat seine fast fixen Ansprechpartner und fühlt sich oft auch in die “Familie” eingebunden.

Für mich war es nie einfach, Freizeit in der Hotelanlage oder mit den Hotelgästen bei Ausflügen zu verbringen. Irgendwie ist der Gästeradar immer an – eine Art dauerndes Screening, ob jemand was braucht oder ob man jemanden helfen kann. Weder Urlaub noch Arbeit – jedenfalls jedoch Aufmerksamkeit. Und selbst wenn ich den Radar mal “aus” hatte, für die Gäste war ich dann trotzdem noch Ansprechpartnerin und ihnen zu erklären, dass ich gerade nicht zuständig bin und sie sich bitte an jemanden anderen wenden sollen, fand ich dann auch nicht so berauschend – weil ich niemanden warten oder nach jemand Zuständigen suchen lassen wollte.

Diese Erfahrung von “Familie” als Unternehmensform war für mich trotz seiner Schattenseiten ein bereicherndes und wertvolles Erlebnis. Warum ich dann doch frühzeitig gegangen bin, folgt im nächsten und letzten Teil dieser kleinen Serie.