Arbeiten im Hotel (3) – Das Hotel und die türkische Familie – ein kleiner tourismussoziologischer Exkurs

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich über die Höhepunkte meiner Tätigkeit im Hotel geschrieben, im zweiten Teil über die Freude am Arbeiten. Heute geht es weiter mit Überlegungen zur türkischen Familie und ihrer Bedeutung in der Hotellerie.

Das Hotel – als temporäres Zuhause – ist ein professionell geführter Haushalt, in dem die Gäste jeden Wunsch so schnell wie möglich erfüllt bekommen. In dieser einen Woche Urlaub, so der Wunsch von vielen, will man sich um nichts kümmern – keine Hausarbeit zu erledigen. Und in  einem Haus, in dem größtenteils alleinreisende Frauen Urlaub machen, hat dies noch einmal besondere Bedeutung.

Dementsprechend ist es auch kein Zufall, dass Hotels oft als Familienbetriebe geführt werden und kleine Häuser leben sehr oft von der familiären Atmosphäre. Auch ich habe oft von Gästen gehört, dass sie sich wie in einer Familie aufgehoben fühlten, und die durchaus beachtliche Anzahl an Wiederkommerinnen hat damit wohl  etwas zu tun, und auch von Seiten des Managements wurde das Bild der Familie als Gastgeber durchaus gepflegt.

Die meisten Hotel- und Restaurantbesitzer sowie ihre Familie und Angestellten (wobei die Grenze hier oft fließend ist) verbringen zumindestens sechs, oft sieben Tage in der Woche in ihrem Unternehmen. Das heißt nicht, dass immer was zu tun ist. Aber die Anwesenheit ist wichtig – und eine Art Rufbereitschaft – denn, immer wenn etwas anfällt, muss man springen.  Und so gehen Arbeitszeit und Freizeit ineinander über. Für die Gäste ist das eine angenehme Sache. Nicht nur dass immer jemand da ist, nein, man muss sich nicht mit vielen verschiedenen Gesichtern rumschlagen, sondern hat seine fast fixen Ansprechpartner und fühlt sich oft auch in die “Familie” eingebunden.

Für mich war es nie einfach, Freizeit in der Hotelanlage oder mit den Hotelgästen bei Ausflügen zu verbringen. Irgendwie ist der Gästeradar immer an – eine Art dauerndes Screening, ob jemand was braucht oder ob man jemanden helfen kann. Weder Urlaub noch Arbeit – jedenfalls jedoch Aufmerksamkeit. Und selbst wenn ich den Radar mal “aus” hatte, für die Gäste war ich dann trotzdem noch Ansprechpartnerin und ihnen zu erklären, dass ich gerade nicht zuständig bin und sie sich bitte an jemanden anderen wenden sollen, fand ich dann auch nicht so berauschend – weil ich niemanden warten oder nach jemand Zuständigen suchen lassen wollte.

Diese Erfahrung von “Familie” als Unternehmensform war für mich trotz seiner Schattenseiten ein bereicherndes und wertvolles Erlebnis. Warum ich dann doch frühzeitig gegangen bin, folgt im nächsten und letzten Teil dieser kleinen Serie.

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