Arbeiten im Hotel (4) – und warum ich dann doch gegangen bin

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben, würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen (Jorge Luis Borges)

In den bisherigen Teilen dieser Artikelserie habe ich die Höhepukte meiner Arbeit beschrieben, mir über die Freude am Arbeiten Gedanken gemacht und Überlegungen zum Zusammenhang zwischen der Arbeit im Hotel und der türkischen Familie veröffentlicht. Zum (zumindest vorläufigen) Abschluss möchte ich kurz darstellen, warum ich dann im Endeffekt die Arbeit früher als geplant beendet habe.

Das Glück und die Zufriedenheit der Gäste ist für mich das wichtigste Kriterium bei einer derartigen Arbeit. Auch wenn es hinter den Kulissen turbulent zugeht oder Konflikte zutage treten, gilt es, den Gästen davon nichts zu zeigen. Dies ist normal und mir auch aus dem Konferenzmanagement-Alltag der letzten Jahre durchaus bekannt. Je mehr Konflikte und Schwierigkeiten es hinter den Kulissen gibt, desto mehr Energie erfordert es, diese vor den Gästen abzuschirmen, und – was eigentlich noch viel gravierender ist – irgendwann wird das Verhalten gegenüber den Gästen nicht mehr authentisch, sondern aufgesetzt. Das berühmte Lächeln, welches gar nicht so gemeint ist. Dies merken dann auch immer mehr Leute.

Ich habe irgendwann für mich festgestellt, dass ich die Grundeinstellung, die ich eigentlich gegenüber den Gästen hatte, immer weniger glaubwürdig nach außen tragen konnte. Zu sehr war ich belastet durch das “Hintergrundrauschen”, während ich gleichzeitig im Rahmen der Burn-Out Prävention dazu ermutigte, einen zufriedenstellenden und ehrlichen Zugang zur Arbeit zu finden.

Und so habe ich mich Mitte September schweren Herzens entschlossen, mit der Arbeit aufzuhören. Hilfreich dabei war sicherlich, dass ich im Haus einer lieben Arbeitskollegin und Freundin unterkommen konnte, so dass ich nicht gleich das Land verlassen musste, welches ich trotz all seiner Widersprüche doch sehr liebgewonnen habe.

Insgesamt möchte ich diese Erfahrung jedoch keinesfalls missen. Ich hatte eine tolle Zeit mit wunderbaren Gästen und KollegInnen, an einem der schönsten Plätze der Welt. Ich habe in kurzer Zeit so viel erlebt und gelernt wie schon lange nicht mehr. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich rechtzeitig gegangen bin und somit eine positive Gesamtbilanz ziehen kann.

 

Bunter Wienspaziergang am Donaukanal

Bunte Graffitis am Donaukanal

Ich bin gerade in Wien und naja über Wien könnte ich viel erzählen, habe ich doch einen großteil meines Lebens hier verbracht. Andererseits habe ich in den letzten zehn Jahren immer versucht der Stadt mal kürzer mal länger zu entkommen. Wohl auch, weil mich mit Wien eine Hassliebe verbindet  – wobei der Zuneigungsgrad einem jahreszeitlichen Wandel unterworfen ist.  Und jetzt mache ich genau das was mir eigentlich gar nicht liegt. Ich verbringe im Winter mehrere Wochen hier. Eine Zeit, in der ich diese Stadt einfach nicht mag.

Viel zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein wochenlanger Grauschleier über die Stadt schiebt. Weit und breit keine Sonne zu sehen und auch kein Himmel – alles ein einziges Grau. Diesem etwas Farbe entgegenzusetzen ist dann einfach wohltuend zum Beispiel mit einem Spaziergang am Donaukanal.
Rund um den Schottenring gibt es einiges zu sehen. Große bunte Graffitis teils legal teils illegal machen hier die Stadt um einiges bunter. Und gleich dahinter richtung Urania die Kunstmeile Agora – ein einzigartiges Kunstprojekt, welches nun schon seit 25 Jahren jeden Sommer in Wien stattfindet. Aber auch im Winter gibt es hier einiges zu sehen. Schau doch mal.

Yin Yang Yoga Teacher Training (Jänner 2011)

Im Jänner 2011 habe ich eine Yin Yang Yogaausbildung in Thailand absolvieren dürfen. Damals habe ich ein paar Artikel geschrieben und diese auf dem Blog des Yogaplace Salzburg (wo ich später meine ersten Unterrichtserfahrungen sammeln durfte) veröffentlicht. Als Auftakt für zukünftige Artikel rund um das Thema Yoga hier nun der Bericht von damals wieder ans Licht gebracht.

14.1.2011 – Live vom Yoga Teacher Training

Seit einer knappen Woche bin ich  nun in Koh Samui in Thailand bei einem Yoga Teacher Training von Simon Low. Genauer gesagt ein Yin & Yang Training.  Es handelt sich dabei um eine Ausbildung die sowohl dynamische und fließende Bewegungsabläufe (Vinyasa oder auch Yang) als auch eine sehr ruhige Praxis mit lang gehaltenen Asanas (Yin) beinhaltet. Nähere Informationen zur Ausbildung gibt es hier.

Die ersten fünf Tage sind vorbei und ich fühle mich physisch, mental und intellektuell wunderbar durchgeknetet – was mich nicht daran hindert, jetzt an meinem freien Tag, noch eine Thai Massage zu geniessen – aber ich schweife ab.

Wir haben jeweils fünf intensive Tage Kurs und dann einen Tag frei, was uns ermöglicht eine Ausbildung die 200h dauert, in nur wenig mehr als drei Wochen absolvieren zu können. Es ist ein totales Eintauchen in Yoga: jeden Tag in der Früh über zwei Stunden Yoga üben, auch wenn dazwischen immer wieder schon viele Hinweise zum Lehren gegeben werde. Danach folgen drei jeweils zweistündige Einheiten zu den Themen Yogaphilosophie, Unterrichtspraxis und Anatomie. Der Abend ist gefüllt mit Lesen, Wiederholen und vielen Diskussionen.

Philosophische Diskussionen über säkulare Spiritualität wechseln sich ab mit detaillierten Ausführungen zum Bewegungsspielraum der Wirbelsäule, oder der Frage wie man den herabschauenden Hund genau anleitet – um nur ein Beispiel zu nennen.

Bald kommen hier mehr Einträge. Watch out!

16.01.2011 – Dragon Dance und mehr!

Yang Yoga ist die dynamische aktive Praxis, in der Muskelkraft eine wichtige Rolle spielt. Wunderschöne Flows, kommen hier ins Spiel. Für Simon Low, unseren Lehrer, geht es iim Yoga weniger darum geht immer mehr ausgefallene Übungen zu meistern oder sich grandios zu verbretzeln. Vielmehr ist er der Meinung, dass die ständige Verfeinerung der Asanas (Yogahaltungen) und das Hinzufügen von neuen Aspekten das wahre fortgeschrittene Üben darstellt. Es gibt ja auch in Indien berühmte Lehrer, die ihren Schülern gegenüber der Meinung waren, sie bräuchten nicht mehr als 40 Asanas.

Ein interessanter Ansatz jedenfalls, und ich lerne wirklich sehr viel über die einzelnen Asanas – manchmal auch überwältigend viel….

Aber zurück zum Yang Yoga. Hier um auf den Geschmack zu kommen, der “Drachentanz”, sehr schön….

 

22.1 – Halbzeit

Wie die Zeit vergeht, kaum habe ich angefangen ist auch schon wieder Halbzeit im Teacher Training. Das Schöne ist, dass die Nebel sich zu lichten anfangen. Es ist tatsächlich so: wenn man Anfang viel Zeit auf die Grundlagen verwendet fügt sich später alles schön zusammen.

In der letzten Woche habe ich nicht nur gelernt kleine Yogastrichmännchen zu zeichnen (naja ein bisschen Üben werde ich wohl noch müssen), die Yogaphilosophie wurde neben den Yogasutras um einen Überblick in weitere Texte erweitert wie die Baghavagita, oder die Upanishaden.

Wir haben erste Eindrücke von der subtilen aber starken Wirkung von Yin Yoga sammeln können. Viel haben wir in diesem Zusammenhang von Faszien gehört – die alle irgendwie zusammenhängen und sich laufend ändern und unsere Lebensbedingungen widerspiegeln. Im Ying Yoga werdenn weniger die Muskeln sondern das Bindegewebe angesprochen und durch länger gehaltene Asanas gestrafft. Hier noch zwischendurch ein kleines Video – auf Englisch – the Fuzz speech – falls jemand noch nach weiteren Argumenten sucht, um seiner Umgebung Yoga nahezubringen…

Ansonsten freue ich mich über die schönen Flows, die ich mitbringen werde und eine durchaus spannende Schultersequenz. Unmengen an Asanas haben wir im Detail besprochen und “zerlegt”, während wir uns gleichzeitig mit dem Aufbau einer Yogastunde beschäftigt haben.  Die Hausaufgabe für diese Woche ist eine Stunde “Yoga für Schifahrer” auszuarbeiten. Ziemlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Ausbildung in Thailand stattfindet, und die Ausbildungsleitung aus England kommt. Ich bin jedenfalls dran und zumindestens für den kommenden Winter können wir dann eventuell schon etwas derartiges anbieten…

Abschluss für heute noch einen Hinweis auf die Klo Asana. Nein das ist keine bestimmte Asana, sondern bei der Du immer das Bedürfnis hast aufs Klo zu gehen. Kennt Ihr das?

6.2. – das Ende ist der Anfang

Und dann war es auf einmal vorbei. Die zweite Halbzeit der Ausbildung ist mindestens doppelt so schnell vergangen wie die erste.

Zum einem wurden die Themen immer vielfältiger – auch wenn die Philosophie zu meinem Leidwesen leider nur in der ersten Halbzeit am Stundenplan war. Die meisten meiner 28 Mitlernenden waren darüber jedoch nicht böse. Ich fand es jedoch schön, morgens gleich nach den Asanas und dem Frühstück zwei Stunden mit Yogaphilosophie und vielen Sanskritbegriffen zu verbringen. Bei der schriftlichen Prüfung werde ich dann in einem Anfall von Chuzpe die Bhagavagita mit den Worten: “Ein Mann oder ein Frau muss tun, was ein Mann oder Frau tun muss” zusammenfassen” – Aber ich schweife wieder einmal ab.

Statt Philosophie hatten wir in der  zweiten Halbzeit des Trainings vor allem Gelegenheit uns mit konkreten Fragen der Unterrichtsplanung und der detaillierten Analyse von einzelnen Asanas zu beschäftigen. Bei bekannten Asanas ging das ja noch ganz gut;bei den für mich neuen Yin Asanas, die eine erkleckliche Anzahl an Props (Polster, Decken, Handtücher, Blöcke etc. etc.), war das durchaus eine Herausforderung – vor allem weil ich eine der aufwändigsten Yin Asanas auch als Teil der Prüfung hatte….

Neben der Planung einer konkreten Unterrichtsstunde mussten wir aber auch eine persönliche Definition von Yoga finden, die Merkmale von guten und weniger guten Yogastunden bzw. LehrerInnen diskutieren und uns über unseren persönlichen Zugang zu Yoga Gedanken machen.

Am freien Tag verlasse ich das Resort und die Yogabubble und gehe mehrere Stunden am Strand spazieren. Kurz merke ich, dass es noch eine Welt außerhalb von Yoga gibt, aber nur wenig später sitze ich im Restaurant um meine Anatomie zu wiederholen und den Prozess der vergangenen Wochen zu überdenken.

Und in der letzten Woche geht es dann wirklich Schlag auf Schlag. Wir unterrichten uns zur Übung alle gegenseitig. 29 Trainees unterrichten 29 Asanas, wiederholen den Stoff und dann folgt auch schon die schriftliche Prüfung und das Teaching Assessment.

Und damit ist es auch schon wieder vorbei. Die Abschiedsrituale rühren viele von uns zu Tränen, und wir gehen als Gruppe auseinander mit dem Wunsch in Kontakt zu bleiben und uns gegenseitig beim Unterrichten zu unterstützen während die vier Prinzipien der Spiritualität, die Simon uns in der Abschlussrunde vorgelesen hat, in uns nachschwingen….

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