Archives for December 2012

Bye Bye Getreidegasse (Salzburg) – Zimmer mit Aussicht

Nach sechs Monaten bin ich wieder für ein paar Tage in Salzburg – die Stadt wo ich die letzten fünf Jahre gewohnt habe, wenn ich nicht (wie fast das gesamte letzte Jahr) irgendwo unterwegs war. Jetzt nehme ich Abschied. In drei Wochen werde ich die Wohnung räumen, und ich stehe hier mit einer Mischung aus Wehmut und Erleichterung.

Ich habe sehr gerne hier gewohnt, andererseits lähmt mich auch die Gewohnheit hier (welche Wortspiel – besteht da etwa ein Zusammenhang). Ich schaue in der Wohnung herum oder gehe spazieren und kenne alles. Auch den Blick aus dem Fenster in der Wohnung mitten in der Altstadt. Da war auch mal die Idee eine Wäscheleine aufzuspannen – quer über die Getreidegasse – damit man sieht, dass hier doch noch ein paar Menschen wohnen. Nun das kann dann mein Nachfolger in der Wohnung machen.

Bis dahin werft doch mal einen Blick auf ein paar Bilder, aus dem Fenster fotografiert, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben.

 

 

Getreidegasse

Straßenmusik

 

Straßenaktion

Schottisch

Marionettenverkäuferin

Arbeiten im Hotel (3) – Das Hotel und die türkische Familie – ein kleiner tourismussoziologischer Exkurs

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich über die Höhepunkte meiner Tätigkeit im Hotel geschrieben, im zweiten Teil über die Freude am Arbeiten. Heute geht es weiter mit Überlegungen zur türkischen Familie und ihrer Bedeutung in der Hotellerie.

Das Hotel – als temporäres Zuhause – ist ein professionell geführter Haushalt, in dem die Gäste jeden Wunsch so schnell wie möglich erfüllt bekommen. In dieser einen Woche Urlaub, so der Wunsch von vielen, will man sich um nichts kümmern – keine Hausarbeit zu erledigen. Und in  einem Haus, in dem größtenteils alleinreisende Frauen Urlaub machen, hat dies noch einmal besondere Bedeutung.

Dementsprechend ist es auch kein Zufall, dass Hotels oft als Familienbetriebe geführt werden und kleine Häuser leben sehr oft von der familiären Atmosphäre. Auch ich habe oft von Gästen gehört, dass sie sich wie in einer Familie aufgehoben fühlten, und die durchaus beachtliche Anzahl an Wiederkommerinnen hat damit wohl  etwas zu tun, und auch von Seiten des Managements wurde das Bild der Familie als Gastgeber durchaus gepflegt.

Die meisten Hotel- und Restaurantbesitzer sowie ihre Familie und Angestellten (wobei die Grenze hier oft fließend ist) verbringen zumindestens sechs, oft sieben Tage in der Woche in ihrem Unternehmen. Das heißt nicht, dass immer was zu tun ist. Aber die Anwesenheit ist wichtig – und eine Art Rufbereitschaft – denn, immer wenn etwas anfällt, muss man springen.  Und so gehen Arbeitszeit und Freizeit ineinander über. Für die Gäste ist das eine angenehme Sache. Nicht nur dass immer jemand da ist, nein, man muss sich nicht mit vielen verschiedenen Gesichtern rumschlagen, sondern hat seine fast fixen Ansprechpartner und fühlt sich oft auch in die “Familie” eingebunden.

Für mich war es nie einfach, Freizeit in der Hotelanlage oder mit den Hotelgästen bei Ausflügen zu verbringen. Irgendwie ist der Gästeradar immer an – eine Art dauerndes Screening, ob jemand was braucht oder ob man jemanden helfen kann. Weder Urlaub noch Arbeit – jedenfalls jedoch Aufmerksamkeit. Und selbst wenn ich den Radar mal “aus” hatte, für die Gäste war ich dann trotzdem noch Ansprechpartnerin und ihnen zu erklären, dass ich gerade nicht zuständig bin und sie sich bitte an jemanden anderen wenden sollen, fand ich dann auch nicht so berauschend – weil ich niemanden warten oder nach jemand Zuständigen suchen lassen wollte.

Diese Erfahrung von “Familie” als Unternehmensform war für mich trotz seiner Schattenseiten ein bereicherndes und wertvolles Erlebnis. Warum ich dann doch frühzeitig gegangen bin, folgt im nächsten und letzten Teil dieser kleinen Serie.

Viel Fliegen – Abschiede und neue Ufer

Blick zurück – Türkei unter Wolken …

 

Manchmal reise ich nicht langsam sondern richtig schnell – quasi im Warp Antrieb. So zum Beispiel die letzten Tage. Nach über fünf Monaten in der Türkei bin ich am Samstag wohlbehalten bei Nieselregen und nur wenigen Graden über den Gefrierpunkt in Wien angekommen.

Am Tag darauf  zu nachtschlafener Zeit in den Flieger gestiegen und nach Spanien gedüst. Dort werde ich ab Ende Jänner für mindestens zwei Monate ein wunderschönes Haus mit großen Garten hüten. Einen Tag später war ich schon wieder zurück in Wien. Und heute geht es gleich weiter nach Salzburg – wieder nur für zwei Tage.

… und nach vorne – Spanien ich komme (bald)

 

Jetzt bin ich müde. Sitze im nasskalten Wien und versuche die vielen Flüge und Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten,vermisse jetzt schon die Türkei und versuche, die Energie zu finden, um alles zu erledigen, was gerade so ansteht.

Das nächste Monat ist für mich eine Zeit des Überganges. Ich werde meine Wohnung in Salzburg endgültig auflösen (weil zu teuer, wenn ich sie nur wenige Wochen im Jahr benütze), und mir in Wien einen kleinen Stützpunkt aufbauen, wo ich zwischen meinen Reisen kurz anhalten und umpacken kann.

Bei all dem Trubel und Änderungen freue ich mich aber auch nach einigen Jahren Weihnachten und Silvester wieder mal in Wien bei Familie und Freundinnen zu verbringen, auch wenn mir das nasskalte Wetter ziemlich zusetzt. Und demnächst geht es hier wieder weiter mit Berichten aus der Türkei und von anderswo.

Winter an der lykischen Küste

Große Schiffe und wilde Lichtspiele – Winter am Meer

 

Kış geldi – der Winter ist gekommen. Hört man allerorts. Der letzte Regen war so richtig stark – und danach sind die Temperaturen wieder ein paar Grad gefallen.

Jetzt stellen auch die Hartgesottensten ihre Öfen an und in vielen Geschäften sind kleine Heizstrahler zu sehen, deren Wirksamkeit sich bezweifeln lässt. Gummstiefeln werden zu einem wichtigen Utensil, kleinere Überschwemmungen allerorts.

Auch das Waldhäuschen, in dem ich mich niedergelassen habe, ist davon betroffen.Auf einmal floss da ein kleiner Bach durch – den die junge Katze mit großer Verwunderung begutachten musste.

Oft ist es kalt und windig – und ich will gar nicht so viel rausgehen. Wenn aber dann die Sonne ein bisschen hervorkriecht gibt es grandiose Licht-und Wolkenspiele und die Fernsicht ist atemberaubend. Das Meer ist wild mit hohen Wellen und plötzlich gibt es in allen Buchten große Schiffe zu sehen, die hier “parken” bis sich Wind und Wetter ein bisschen legen.

 

Arbeiten im Hotel (2) – Kolay Gelsin – die Freude am Arbeiten

“Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten “ Aristoteles

 

Im Auftakt meiner Artikelserie über meine Zeit in einem kleinen türkischen Hotel habe ich meine persönlichen Highlights in dieser Zeit beschrieben. Heute geht es um die Grundhaltung, die ich versucht habe in meine tägliche Arbeit zu integrieren.

 

Meine liebe Arbeitskollegin D. hat mir gleich zu Beginn einen türkischen Wunsch erklärt. Kolay Gelsin – wörtlich übersetzt “Möge es leicht kommen”. Im Alltag ist dies etwa mit “Frohes Schaffen” gleichzusetzen. Mich hat dieser Spruch jedoch angeregt die Arbeit leicht kommen zu lassen. Neben Freude an der Arbeit bedeutet dies für mich auch, in einen gewissen Arbeitsfluss zu kommen, wo eine Tätigkeit nahtlos und logisch in die nächste übergeht.

 

Und es gab sie, die vielen schönen Momente, nicht nur auf den Aktivitäten, die ich begleiten durfte, sondern auch im Hotel an der Rezeption, wo einfach eine gute Stimmung da war. Und sogar bei nicht so tollen Tätigkeiten – wie z.B. dem Erstellen der Transfer- oder Putzlisten, kam ich oft durchaus in einen gewissen Fluss. Wollte ich doch auch, dass alle Gäste zum richtigen Zeitpunkt abgeholt wurden und ihre Zimmer rechtzeitig fertig waren. Der Gedanke an das Ergebnis kann also auch für durchaus freudige Momente sorgen.

Die Fähigkeit in der Arbeit – und hier vor allem im Dienstleistungsbereich, und im Tourismus schon überhaupt – Freude zu entwickeln, ist – so glaube ich – eine “Klappe”, die einige Fliegen gleichzeitig schlägt. Erstens geht es einem natürlich selber besser und dadurch wirkt man zweitens den Gästen gegenüber glaubwürdiger. Wenn ich zur Arbeit gehe und mich wirklich gerne um meine Gäste kümmere, wird das Ergebnis auch besser sein. Und das macht drittens die Gäste dann zufriedener und darum geht es ja im Endeffekt. Der Kreis schließt sich dann damit, dass zufriedene Gäste positive Rückmeldungen geben, und nicht nur die Angestellten glücklich sind, sondern auch das Management, weil Stammgäste gutes Geld mit wenig Marketingaufwand bringen.

Oft ist mir dies gut gelungen, und die Rückmeldungen der Gäste und der KollegInnen haben mich darin bestätigt. Leider gab es im Hotel neben all der guten Stimmung , nicht nur meiner Wahrnehmung nach,  auch eine Kultur des Meckern und Jammerns, geprägt von geringer Wertschätzung und zahlreichen Konflikten. Dieses vor den Gästen abzuschirmen, kann ein enormer Mehraufwand sein, und das hat mich auch dazu gebracht vorzeitig zu gehen (doch dazu in einem späteren Artikel mehr).

Den Gedanken bei der Arbeit diesem Fluss und dieser Freude ein stärkeres Augenmerk zu widmen, nehme ich jedenfalls mit. Und für mich verbindet sich diese Idee auch mit einer Aussage aus der Bhagavagita, in der es sinngemäß heißt, dass man die Arbeit verrichten soll, sich aber nicht an deren Früchten binden soll. Dies könnte man ja so interpretieren, dass die Aktivität an sich den Wert darstellt und mit entsprechender Hingabe getan werden soll. Aber darüber werde ich dann in Ruhe auf der nächsten Station meiner Reise nachdenken – wenn ich nach Spanien fahre und mich dort dann wieder ein bisschen in meine Studien vertiefen will.

Im nächsten Teil dieser Artikelserie geht es dann weiter mit Überlegungen zum Thema Hotel und Familie. Bald.

Teil 3: Das Hotel und die türkische Familie

Im Hotel arbeiten (1) – die Höhepunkte

Küstenwanderung – der erste Höhepunkt – Sonnenaufgang in der Bucht von Adrasan

So viele Jahre war ich rund um das große Thema Tourismus tätig – in der angewandten Forschung, als Projektmanagerin für Bildungs-, PR- und Regionalentwicklungsprojekte rund um das Themenfeld sozial- und umweltverträglicher Tourismus und schlussendlich als Eventmanagerin für eine große europäische Konferenz. Parallel dazu immer viel auf Reisen und überall die “Brille” der Touristikerin aufgesetzt – also immer einen professionellen Blick. Und doch die ganzen Jahre – habe ich Hotels immer nur als Gast gesehen und nie von innen, von der Seite derjenigen, die in einem Hotel arbeiten. Als ich letztes Frühjahr die Gelegenheit bekam, in einem kleinen Hotel an der lykischen Küste (Türkei) in der Gästebetreuung mitzuarbeiten, konnte ich gar nicht anders als zuzusagen.

Schlussendlich habe ich dann drei Monate im Hotel gearbeitet und dabei eine unglaubliche Anzahl an Erfahrungen gesammelt. Eine kleine Auswahl davon möchte ich in einer kleinen Artikelserie vorstellen. Und der Anfang – was könnte besser geeignet sein – sind meine persönlichen Highlights.

So viele nette Gäste

Das Allerbeste an der Arbeit war der direkte Kontakt zu Gästen, größtenteils angenehmen und gescheiten Gästen. Viel mehr Frauen als Männer, die mit einem gemeinsamen Wunsch gekommen sind: Einmal für ein paar Tage nur entspannen. Es war immer wieder eine Freude mitanzusehen, wie die Gäste  von Tag zu Tag mehr  loslassen,  das Yoga, das Meer, die Natur, aber auch den Kontakt zu Mitreisenden als Quelle der Entspannung und Inspiration entdecken. Viele weinten beim Abschied und erzählten, sie hätten sich noch nie so schnell und so gut entspannt.

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Küstenwanderung – später nur mehr sitzen und schauen…

 

Erste Gehversuche in der Burn-Out Prävention

Ich hatte auch die Gelegenheit, erste Schritte im Bereich Burn-Out Prävention zu setzen. Einmal pro Woche gab es eine Inforunde und bei Interesse noch eine weitere Einheit. Die Rückmeldungen waren super positiv und haben mich sehr bestärkt in dieser Richtung weiterzuarbeiten. Gleichzeitig sehe ich aber auch die Schwierigkeit, sich im Urlaub mit so einem sperrigen Thema wie Burn-Out Prävention zu beschäftigen. Viele Gäste haben mich fast entschuldigend angesprochen mit dem Hinweis, dass sie eigentlich dringend Input in diesem Bereich benötigen, sich aber nicht dazu aufraffen könnten, und in dieser einen mühsam abgerungenen Woche eigentlich nur entspannen und sich nicht mit Problemen beschäftigen wollen. Dafür hatte ich natürlich auch volles Verständnis.

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Schauen… auf Meer und mehr

 

Einmal pro Woche – Küstenwanderung (inklusive Sonnenaufgang)

Und dann durfte ich auch noch einen der wöchentlichen Ausflüge führen – und das war eine besondere Freude. Eine Morgenwanderung, zuerst zum Sonnenaufgang am Strand und dann der Küste entlang bis zu dem Punkt, wo man einen kleinen Leuchtturm sieht und ganz viel Meer. Im Laufe der Zeit habe ich diese  adaptiert und eine Fotowanderung daraus gemacht. Mit Inputs zur Bildgestaltung, ab. er auch gewürzt mit  Nachdenkereien über Fotografie. Das Glänzen in den Augen der TeilnehmerInnen nach diesen Wanderungen entlang eines wirklich traumhaften Küstenstreifens wird mich noch länger begleiten.

Ja – ich habe schon tolle Erfahrungen gemacht. Das Arbeiten im Hotel brachte für mich jedoch auch eine Reihe von neuen Erkenntnissen – doch dazu das nächste Mal mehr.

 

Ein ehemaliges Restaurant am Straßenrand – Ulupinar

Ulupinar ist ein kleines Dorf an der Küstenstraße südlich von Antalya welches in erster Linie für seine Forellenrestaurants bekannt ist. Ganze Busse kommen hier in den heißen Sommermonaten her –  im Schatten des Waldes und mit der kühlen Luft der wassereichen Bäche ist es wohl einer der besten Orte, um sich in der glühenden Sommerhitze ein bisschen abzukühlen.

Die meisten Restaurants sind riesig, und auf große Buspartien ausgerichtet, die aus den naheliegenden Urlaubsorten Kemer, Camyuva und Tekirova raufgekarrt werden. In manchen können sogar die Forellen zum großen Gaudium der Touristen selber aus dem Bach gefischt werden.

Als wir vor kurzem mit dem Auto durch den Ort gefahren sind, ist mir jedoch ein richtig hübsches Häuschen aufgefallen – ein schon länger geschlossenes Restaurant. Wirklich schade drum – ein schöner schattiger Garten, dazu das Steinhaus mit Kamin und Holzfenstern – so verrottet es jetzt vor sich hin. Als Fotomotiv ist es natürlich schön so – seht selbst.

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