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Vom semi-nomadischen Lebensstil

“Travel is more than the seeing of sights; it is a change that goes on, deep and permanent, in the ideas of living.” – Miriam Beard

Ein semi-nomadisches Leben, immer auf Reisen, ein Dasein als Vagabundin – viele Leute sind überrascht wenn ich ihnen von meiner gewählten Lebensform erzähle. Die meisten Menschen, die ich kenne, wollen Wurzeln schlagen, sich etwas aufbauen, in einer (sebstgewählten) Gemeinschaft leben.

Ich hatte immer schon den Wunsch unterwegs zu sein, zu Reisen, zu Verweilen, eine Landschaft, Stadt oder Region zu erfahren und dann wieder weiterzuziehen auf der Suche nach neuen Eindrücken und Impulsen. Viele Jahre war das Reisen für mich die wichtigste Nebensache der Welt – jede Möglichkeit zu einer Reise ergreifen, bei Dienstreisen möglichst immer ein Wochenende “dazu” nehmen, und im Urlaub dann möglichst lange wegfahren.

Doch ich bekam nie genug. Zwei Monate Südostasien, später fünf Monate Indien – und es gibt immer mehr zu sehen. Gleichzeitig fange ich durch das viele Reisen auch an, anders auf Dinge zu sehen. Mich interessieren große Zusammenhänge und kleine Details und ich will immer weniger im Eilschritt durch die Gegend fahren, sondern länger auch manchmal Wochen an einem Ort bleiben. Langsam reisen heißt nicht nur weniger Orte in einer bestimmten Zeit zu besichtigen, sondern auch viel zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein.

“Ich will, dass mein Leben nur mehr aus Reisen besteht” – was ich eigentlich schon lange wusste, wurde mir auf meiner fünfmonatigen Indienreise so richtig klar. Ich will nicht elf Monate an EINEM Ort sitzen, um dann das 12. Monat möglichst viel von dem sehen, was ich in den  Monaten davor versäumt habe. Ich will mein Leben an unterschiedlichen Orten verbringen – dabei kann ich durchaus temporär Wuzeln schlagen – so wie jetzt in der Türkei, wo ich noch bis kurz vor Weihnachten in einem hübschen Häuschen im Wald bleiben werde.

Dann werde ich ca. 6 Wochen in Österreich verbringen. Denn auch das ist mir wichtig – den Bezug zu den eigenen Wurzeln nicht verlieren. Aber im Februar wird mich der Wind und die Reiselust sicher wieder weitertreiben.

Finanziert wird das ganze aus einer Mischung aus Arbeiten (Online und am “Wegesrand”) manchmal auch gegen Sachleistungen (wie Essen oder Wohnen) und Sparsamkeit (was natürlich in Ländern mit einer niedrigeren Kaufkraft auch leichter ist…)

Wie lange mir dieses Leben Freude bereitet, steht in den Sternen. Derzeit ist es mir vor allem ein Anliegen in der Natur zu leben, und möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen – und ich bin sehr dankbar, dass sich derzeit immer wieder gute Gelegenheiten bieten, diesem Anliegen nachzugehen. Alles andere wird die Zukunft weisen.

Granatapfelzeit

Endlich - die Granatäpfel sind reif

 

Ein Gruß von der lykischen Küste in der Türkei.

Seit ich im April zum ersten Mal dieses Jahr da war (insgesamt bin ich dieses Jahr schon vier Monate in der Türkei) freue ich mich auf die Granatäpfel. Im Frühjahr bewunderte ich die weißen Blüten, und im Verlauf des Sommers konnte ich beobachten wie die Früchte langsam an Farbe und Größe zunahmen.  Jetzt sind sie endlich reif und überall zu sehen. Auf den Bäumen, den Märkten oder bei den kleinen fahrenden Lebensmittelhändlern. In vielen Lokalen gibt es jetzt den ersten frischen Saft, der so intensiv ist, dass er mit Wasser oder Orangensaft gemischt eindeutig besser schmeckt. Und der fast schwarze dickflüssige Granatapfelessig wird überall eingekocht. Diese Frucht und ihre Produkte sind eine Geschmacks- und Farbenexplosion – eine wahre Wonne.
Und für den Fall, dass ich jemals herausfinde, wie man diese kleinen Samen zeitökonomisch aus der Schale bringt, dann fange ich auch an damit herumzuprobieren – vielleicht eine Granatapfel Orangen Marmelade  oder dieses tolle persische Fleischgericht mit Walnüssen und Granatäpfeln – hmmm.