Freud und Leid mit Rickshawfahrern

Wohin das Auge blickt - ueberall Rickshaws

“Madam, do you want a Rickshaw? I  can organize all tours for you, and I can guide you”. Egal wohin man kommt – gerade kurz nach der Ankunft gibt es eine gewisse Garantie alle paar Meter auf diese Weise angesprochen zu werden. Das entspricht oft so gar nicht unserer Vorstellung vom gemütlichen Ankommen, sich erst einmal umschauen um dann langsam einen Plan für die kommenden Tage zu machen.

Auch in Kumily einem kleinen Bergdorf an der Grenze zwischen Kerala und Tamil Nadu, werden wir von allen Seiten bombardiert. Ein junger Mann, fragt auch nach einer ersten ablehnenden Antwort von unserer Seite hartnäckig weiter. Da kommt meine Reiseabschnittspartnerin auf die Idee ihm weiszumachen, das gehe nicht, weil wir sieben Leute seien. Nur kurze Zeit später bietet er uns an, eine Rickshaw für sieben Personen zu organisieren – was wir natürlich dankend ablehnen.

Unsere Halbtagestour zur Teefabrik und zu einer Gewürzplantage buchen wir dann über eine Reiseagentur, und als wir am kommenden Tag in der Früh von einem Rickshawfahrer abgeholt werden, blickt uns ein junges Gesicht erwartungsvoll an und fragt: “Do you remember me”. Nein tun wir nicht – er aber, ihm haben wir nämlich die Geschichte mit den sieben Personen aufgebunden. Wir sind beschämt. Es ist tatsächlich so, man fängt an, die Leute nicht mehr anzuschauen, weil man das Gefühl hat, überall will einem jemand was verkaufen, und ein Blick könnte vielleicht eine Ermunterung darstellen.

Sunesh, so heißt der junge Mann, wird sich in den kommenden Tagen als ausgezeichneter Führer mit blendenden Englischkentnissen herausstellen. Er zeigt uns nicht nur, die in der Tour vorgesehenen Sehenswürdigkeiten, sondern führt uns auch zu weiteren Plätzen und kümmert sich rührend um meine neue Freundin, als sie versucht eines der begehrten Tickets für das Morgenboot im Naturpark zu ergattern. Er wird uns auch einiges erzählen, was es heißt Rickshawfahrer zu sein, wie schwierig es ist an Touristen heranzukommen und dass sie einfachen Fahrern einfach nicht vertrauen, sondern meistens über eine Reiseagentur buchen (was für ihn natürlich Abschläge bedeutet). Und er erzählt uns auch von dem kurzen Moment, als er dachte er hätte den großen Fisch gefangen, und könne eine Tour für sieben Personen organisieren.

Wo auch immer ich hinkomme, habe ich den Eindruck, es gibt zu viel touristische Infrastruktur: zu viele Rickshaws, zu viele Führer, Geschäfte und Unterkünfte. Umso hartnäckiger, so kommt mir vor, wird um jeden einzelnen Gast gekämpft. Ich werde auch in Zukunft einen großen Bogen um viele junge Männer machen, die mir ein Geschäft anbieten wollen. Es ist mir jedoch auch ein Anliegen, nicht zu vergessen, dass hinter jeder dieser Anfragen ein Mensch mit einer Geschichte und dem Wunsch seine Familie zu ernähren steckt.

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